Mollwitz – Ein Schatz, verborgen in einem kleinen Dorf
Wer in der Schule im Geschichtsunterricht aufmerksam war, erinnert sich vielleicht an den Namen dieses Dorfes, denn auf den Feldern zwischen Mollwitz, Strehlen, Brieg und Poppelwitz fand am 10. April 1741 die berühmteste Schlacht der Schlesischen Kriege statt – die Schlacht bei Mollwitz. Doch in diesem malerischen Dorf im Kreis Brieg gibt es noch weit mehr zu entdecken.
Das wichtigste und zweifellos wertvollste Bauwerk in Mollwitz ist die Pfarrkirche St. Jakobus der Ältere, die zu den bedeutendsten Ensembles gotischer Wandmalerei im heutigen Polen zählt.
Die Kirche wurde um 1250 als Marienkirche errichtet und von den Herzögen, den Piasten, Heinrich III. dem Weißen und später Heinrich IV. dem Gerechten gestiftet. Von Anfang an war sie eine Stiftung von außergewöhnlicher Bedeutung, was ihre für eine Dorfkirche ungewöhnliche Größe und Ausstattung erklärt. Im 14. Jahrhundert wurde sie durch den Ortsherren Samborius erweitert, im folgenden Jahrhundert entstanden die spektakulärsten Veränderungen – ein umfangreicher Zyklus von Wandmalereien.

Gewölbe.
Foto: Sławomir Milejski
Wandmalereien – eine mittelalterliche „Biblia pauperum“
Die ältesten Malereien stammen aus den 1360er Jahren und wurden von einem Künstler der Prager Schule geschaffen. Sie zeigen Szenen aus dem Alten und Neuen Testament und bilden ein umfangreiches ikonografisches Programm, das als Biblia pauperum bezeichnet wird. Im Mittelalter erfüllten sie die Funktion einer „visuellen Katechese“ und ermöglichten den Gläubigen das Verständnis religiöser Inhalte ohne Schriftkenntnisse.
Im 15. Jahrhundert wurde der Zyklus erweitert, doch die Arbeiten wurden durch die Hussitenkriege unterbrochen und erst um 1480 vollendet. Heute bedecken die Malereien über 1000 m² und gehören zu den wertvollsten gotischen Wandmalereien in Mitteleuropa.
Ein besonderes Element des Innenraums ist die hölzerne Kassettendecke aus der Zeit um 1500 mit über 600 bemalten Brettern, dekoriert mit pflanzlichen, tierischen und heraldischen Motiven. Sie zählt zu den ältesten und wertvollsten ihrer Art in Polen.
Auch das reich verzierte Westportal mit seinem Tympanon sowie der figürliche Skulpturenschmuck ziehen besondere Aufmerksamkeit auf sich.

Wandmaleierei.
Foto: Tom-Opole/Wikipedia
Die bewegte Geschichte der Kirche
1526 wurde die Kirche von den Protestanten übernommen, 1817 wurden die mittelalterlichen Wandmalereien übertüncht. Ihre Wiederentdeckung begann erst im 19. Jahrhundert, weitere Freilegungen folgten im 20. Jahrhundert.
Nach 1945 wurde die Kirche wieder katholisch. Untersuchungen und Restaurierungen brachten den gesamten künstlerischen Reichtum zum Vorschein. Heute gilt die Kirche St. Jakobus als eines der bedeutendsten Beispiele gotischer Wandmalerei in Polen.
Die Kirche kann saisonal besichtigt werden – meist von Frühjahr bis Herbst, zu festgelegten Zeiten oder nach vorheriger Absprache.

Pfarrkirche St. Jakobus.
Foto: Sławomir Milejski
Das Arndt-Schloss – ein Relikt des 19. Jahrhunderts
Im Ortszentrum, gegenüber der Kirche, befindet sich ein weiteres interessantes Bauwerk – das ehemalige Gutshaus der Familie Arndt. Das sogenannte Arndt-Schloss entstand vermutlich im 19. Jahrhundert, genaue Daten und der Architekt sind unbekannt. Es handelte sich um einen neoklassizistischen Bau, der der Familie Arndt gehörte, welche das Gut zu Beginn des 20. Jahrhunderts übernahm.
Die ältesten Malereien stammen aus den 1360er Jahren und wurden von einem Künstler der Prager Schule geschaffen. Sie zeigen Szenen aus dem Alten und Neuen Testament und bilden ein umfangreiches ikonografisches Programm, das als Biblia pauperum bezeichnet wird.
Das Gebäude wurde auf rechteckigem Grundriss errichtet und war Teil eines größeren Gutskomplexes. In einem der Wirtschaftsgebäude befand sich ein Turm mit einer Windmühle, die mechanische Energie für technische Anlagen und vermutlich auch für die Beleuchtung lieferte.
In den 1960er Jahren wurde das Schloss in ein Büro- und Wohngebäude umgewandelt.

Arndt-Schloss.
Foto: Sławomir Milejski
Weitere Denkmäler in Mollwitz
Auch in der Umgebung des Dorfes finden sich weitere Spuren der Vergangenheit. Auf dem Kirchhof steht ein monolithisches Steinkreuz unbekannter Herkunft – möglicherweise ein Sühnekreuz, jedoch ohne gesicherte Belege.
Erhalten sind außerdem Teile des alten Friedhofs, historische Einfriedungen aus dem 15. und 18. Jahrhundert sowie ein alter Bahnhof aus dem frühen 20. Jahrhundert. Zusammen ergeben sie ein vielschichtiges Bild eines Ortes, in dem sich verschiedene Epochen überlagern.
Nordöstlich des Dorfes, etwa zwei Kilometer entfernt, liegt der sogenannte Rabenberg – ein Ort, der mit der Schlacht bei Mollwitz vom 10. April 1741 verbunden ist. Während des Ersten Schlesischen Krieges besiegten dort die preußischen Truppen unter König Friedrich II. die österreichische Armee.
Bis heute sind die Ruinen des Müllershauses, Überreste der Windmühle sowie ein steinerner Brunnen aus Findlingen erhalten. Der Überlieferung nach soll der König von hier aus die Schlacht geleitet haben.
Anna Durecka