Geschichte im Grünen
Vom 25. April bis zum 10. Mai finden im Botanischen Garten der Universität Breslau die „Tulpen-Illuminationen“ statt. Sie bieten die Gelegenheit, tausende blühende Tulpen auch am Abend in besonderer Beleuchtung zu sehen.
Dieses zeitgenössische Ereignis ist ein weiteres Kapitel in der über 200-jährigen Geschichte des Gartens, der seit seiner Entstehung wissenschaftliche Funktion mit der Öffnung für die Stadtbevölkerung verbindet.
Ein Garten an der Zeitenwende
Die Geschichte des Breslauer Botanischen Gartens reicht bis in den Beginn des 19. Jahrhunderts zurück und steht im Zusammenhang mit den Umbrüchen der Stadt nach der Eroberung Breslaus durch napoleonische Truppen im Jahr 1807. Die Schleifung der Festungsanlagen ermöglichte die Entwicklung neuer städtischer Räume, Teile der Flächen wurden der entstehenden Universität übergeben.
Im Jahr 1811 entstand der Botanische Garten – zunächst auf einer Fläche von etwa fünf Hektar. Von Beginn an diente er sowohl der wissenschaftlichen Forschung als auch der Öffentlichkeit.
Das deutsche Kapitel
Die ersten Direktoren des Gartens waren die Professoren Heinrich Friedrich Link und Friedrich Heyde. Bereits zu Beginn wurden mehrere hundert Pflanzen gesammelt und damit die Grundlage der Sammlung geschaffen.
In den folgenden Jahren wuchs die Artenvielfalt stark, insbesondere unter der Leitung von Ludolf Christian Treviranus. Der Garten entwickelte sich zu einem wichtigen Zentrum botanischer Forschung, unterstützt durch wissenschaftliche Expeditionen und den Austausch von Samen mit anderen europäischen Gärten.
Eine zentrale Rolle spielte der Ausbau der Gewächshäuser. Schon in den ersten Jahren entstand ein Gebäude mit drei Klimazonen, das den Anbau von Pflanzen aus gemäßigten und subtropischen Regionen ermöglichte. In den folgenden Jahrzehnten wurden Arten aus verschiedenen Teilen der Welt eingeführt – aus Südamerika, Afrika, Australien und Südeuropa.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erreichte der Garten unter der Leitung von Heinrich Robert Göppert seinen Höhepunkt. Die Sammlung umfasste rund 12.000 Arten, neue thematische Abteilungen wurden eingerichtet und moderne Gewächshäuser gebaut. Eine besondere Attraktion war die Kultivierung der Victoria regia – einer riesigen Seerose aus Südamerika.

Der Botanische Garten der Universität Breslau gehört zu den ältesten und wertvollsten Anlagen dieser Art in Polen.
Foto: Ogród Botaniczny Uniwersytetu Wrocławskiego
Bis heute sind einige Bäume aus den ersten Pflanzungen erhalten geblieben, darunter Eichen, Eiben und Platanen, die noch aus dem frühen 19. Jahrhundert stammen.
Krieg und Wiederaufbau
Im Jahr 1945 wurde der Garten während der Belagerung der Festung Breslau weitgehend zerstört. Die Gewächshauskollektionen gingen verloren, ebenso ein großer Teil des Baumbestandes. Auf dem Gelände befanden sich zudem Artilleriestellungen und militärische Lager.
Heute gehört der Botanische Garten der Universität Breslau zu den ältesten und wertvollsten Anlagen dieser Art in Polen – ein Ort, an dem sich Geschichte und Natur immer wieder neu begegnen.
Der Wiederaufbau begann nach dem Krieg unter anderem unter der Leitung von Professor Stanisław Kulczyński. 1950 wurde der Garten wieder für die Öffentlichkeit geöffnet und seine wissenschaftlichen und erholsamen Funktionen schrittweise wiederhergestellt.
Heute gehört der Botanische Garten der Universität Breslau zu den ältesten und wertvollsten Anlagen dieser Art in Polen – ein Ort, an dem sich Geschichte und Natur immer wieder neu begegnen.

Praktische Informationen
Die „Tulpen-Illuminationen“ finden vom 25. April bis zum 10. Mai statt. Die Kassen sind von 19.00 bis 21.30 Uhr geöffnet, der Besuch des Gartens ist bis 22.00 Uhr möglich. Der Eintritt kostet 20 PLN, Saisonkarten sind gültig. Tickets sind online sowie an der Kasse erhältlich.

Anna Durecka

