Echte Schlesische Happen

Breslauer Ring aus der Küchenperspektive. Das kulinarische Festival „Delicje“

13 Juni 2026, 05:00 Geschichte

Der Breslauer Ring in Wrocław ist seit jeher ein Ort kulinarischer Vielfalt, an dem sich Gastronomiegeschichte und heutige Esskultur begegnen. Vom historischen Küchenpersonal über schlesische Familienrezepte bis zum Festival „Delicje“ entfaltet sich hier ein Panorama niederschlesischer Küche.

Auf dem Breslauer Ring herrschte seit jeher reges Leben. Zahlreiche gastronomische Betriebe mit Angeboten für jeden Geldbeutel luden vom frühen Morgen bis tief in die Nacht zum Verweilen ein. Betrachtet man jedoch die Menschen, die hinter den Speisekarten und den vielfältigen Gerichten der schlesischen wie auch internationalen Küche standen, stößt man auf ein Problem: Während die Namen von Direktoren, Pächtern oder Wirten häufig überliefert sind – etwa jener des Breslauer Brauers Carl August Friebe, der den Schweidnitzer Keller führte –, blieb das Küchenpersonal meist anonym. Heutzutage sieht dies anders aus. Man besucht Restaurants oft gerade wegen des Ruhms eines Kochs oder einer Köchin und ihrer Spezialitäten.

Eleganz und Gastlichkeit im Breslau der Zwischenkriegszeit: Das Palast-Restaurant im Hotel Vier Jahreszeiten, Aufnahme von 1926/27.
Quelle: München Digitales Forum Mittel- und Osteuropa Almanach.

Drei Generationen schlesischer Köchinnen

Mit etwas Geduld lassen sich auch konkrete Zeugnisse der schlesischen Gastronomiegeschichte finden. In meiner Heimatstadt Trebnitz lebte einst Alwina Degenkolb, geb. Flechsig, eine in Breslau geschätzte Köchin. Ihre Adoptivtochter Ella Degenkolb arbeitete um 1920 in der Küche des Hotels Monopol, der berühmten „Perle Niederschlesiens“. Dort bereitete die damals zwanzigjährige Köchin Speisen für Hotelgäste, Bankette und Empfänge zu. Auch Ellas Tochter Meta Degenkolb setzte die Familientradition fort und absolvierte ihre Ausbildung zur Köchin im renommierten Hotel Vier Jahreszeiten, dem heutigen Hotel Polonia. Nach dem Zweiten Weltkrieg ließen sich Mutter und Tochter im sächsischen Oelsnitz nieder. Mitgenommen hatten sie nicht nur Erinnerungen an das alte Breslau, sondern auch ihr handschriftliches Kochbuch mit Rezepten von drei Generationen. Einige davon veröffentlichte Harald Saul später in seiner Sammlung „Schlesien. Das große Buch der Familienrezepte“ (2020). So blieb ein bemerkenswertes Stück niederschlesischer Küchenkultur erhalten.

Während die Namen von Wirten und Direktoren überliefert wurden, blieben die Menschen in den Küchen oft namenlos – dabei prägten gerade sie den Geschmack ihrer Zeit.

Unsere Zeitreise führt uns weiter bis ins Jahr 2026. Während ich historische Quellen zur schlesischen Esskultur sammle und auswerte, versuche ich zugleich, dieses Wissen praktisch zu vertiefen. Am vergangenen Wochenende führte mein Weg nach Wrocław, wo das kulinarische Festival „Delicje“ den Breslauer Ring in ein Paradies für Genießer verwandelte. Regionale Spezialitäten wie Käse, Brot, Wurstwaren, Honig, Bier, Wein und viele weitere Produkte machten die kulinarische Vielfalt Niederschlesiens erlebbar.

Kulinarische Reise auf dem Ring

Besonders bereichernd waren die Workshops der Familie Krech. Gemeinsam und mit Unterstützung von Hubert Krech stellten wir Weißwürste, karamellisiertes Sauerkraut und Meerrettichsauce mit frischen Kräutern her. Als Nächstes kamen Rinderrouladen mit Hirsefüllung in fermentierten Salatblättern, wobei Joanna Krech uns viele praktische Tipps gab. Später widmeten wir uns den süßen Genüssen: Erdbeer-Rhabarber-Cobbler sowie Pfannkuchen mit Quarkfüllung und einer feinen Zitronencreme, deren Zubereitung uns Joanna und ihre Tochter Ewa erklärten. Das Ergebnis waren sensationelle Desserts, die bei allen Teilnehmern großen Anklang fanden.

Kulinarische Workshops auf dem Breslauer Hauptmarkt – für die ganze Familie, in herzlicher Atmosphäre und vor allem mit vielen leckeren Köstlichkeiten.
Collage: Małgorzata Janik

Die Familie Krech aus Krosnowice (Rankerov) nahm uns mit auf eine kulinarische Reise zwischen historischem Niederschlesien, Böhmen, Deutschland, Frankreich, England und Polen. Besonders beeindruckend war die große Zahl junger Teilnehmer, die mit Begeisterung und Geschick in der Küche arbeiteten. Vielleicht konnten wir dabei bereits den Köchen und Konditoren von morgen zusehen.

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Inspiriert durch neue Ideen und direkt vom alten Rathaus in Wrocław möchte ich einen kleinen Teil dieses Wissens weitergeben. Für die nächste Kaffeetafel empfehle ich also das folgende Rezept, das Familie und Gäste gleichermaßen begeistern dürfte.

Zitronencreme für Pfannkuchen und Tartes

Zutaten

100 ml Zitronensaft
abgeriebene Schale einer Zitrone
50 ml Wasser
30 g Speisestärke
80 g Zucker
3 Eigelb
1 Ei
50 g Butter

Während des von Ewa und Joanna Krech geleiteten Workshops „Süße Reisen“ bereiteten die Teilnehmer eine leckere Zitronencreme zu. Dazu gab es Pfannkuchen mit süßer Füllung.
Collage: Małgorzata Janik

Zubereitung

Zucker, Speisestärke, Wasser und Zitronensaft in einem Topf verrühren und unter ständigem Rühren aufkochen. Vom Herd nehmen, kurz abkühlen lassen und die Butter einrühren. Anschließend die verquirlten Eigelb und das Ei zugeben und zu einer glatten Creme verrühren. Falls die Masse zu dick wird, etwas süße Sahne hinzufügen.

Die Pfannkuchen nach eigenem Rezept zubereiten. Besonders aromatisch werden sie mit etwas zuvor geröstetem Mohn im Teig. Jeden Pfannkuchen mit süßem Frischkäse und Zitronencreme bestreichen, nach Belieben zusammenfalten und mit weiterer Creme sowie frisch geriebener Zitronenschale garnieren.

Die Zitronencreme eignet sich auch hervorragend für Zitronentarte oder als süßer Brotaufstrich und schmeckt sowohl warm als auch kalt.

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