Kürzlich war ich in Klein Kottorz Zeuge der Modernisierung der Bahnstrecke Nr. 136 Oppeln–Kreuzburg. Man stelle sich ein Bild vor, das so bürokratisch ist, dass es schon alltäglich wirkt – direkt neben den alten, niedrigen Bahnsteigen werden neue, höhere gebaut, eingezäunt, nach dem Motto: „noch besser“. Wenn der Umbau abgeschlossen ist, wird der gesamte Personenverkehr auf die neuen Bahnsteige umgeleitet und die alten, niedrigen werden aufgegeben. Der Kreislauf des Lebens – möchte man meinen.
Doch bei jedem Umbau, der darauf abzielt, das Alte durch das Neue zu verdrängen, verlieren wir ein Stück unserer Identität und unseres Erbes – denn, so überraschend es klingt, auch das Industrieerbe ist wichtig. Wussten Sie, dass das Vorhandensein einer Bahnhofswartehalle heute zunehmend eine Überraschung ist und nicht mehr zur Selbstverständlichkeit gehört?
Solche Modernisierungen – der Bau neuer Bahnsteige, das Verdrängen der alten Infrastruktur in einen vernachlässigten Schatten und schließlich ihr Verkauf – mögen zwar die Infrastrukturentwicklung vorantreiben, lassen zugleich aber die Seele des Bahnhofs verschwinden. Früher gehörten zu einem Bahnhof eine Bahnhofsgaststätte, eine Wartehalle, Wärme und gelegentlich auch eine etwas mürrische Fahrkartenverkäuferin. Heute lohnt es sich aus „Entwicklungsgründen“ für niemanden mehr, Bahnhöfe in kleineren Orten zu unterhalten. Ich sage darauf nur: „Fahrt nach Gogolin!“ Dort gelang es, den Bahnhof zu renovieren, eine Zweigstelle der Bibliothek darin unterzubringen und das Gebäude zu einem Ort zu machen, den man gerne besucht – und nicht nur zum Warten zwischen zwei Zügen. Dies gelang nicht ohne das Engagement der Gemeinde – der vielgliedrige Organismus der PKP ist nicht unbedingt ein Freund von Bahnhofsrenovierungen in Gemeinden. Viel einfacher ist es heute, ein Bahnhofsgebäude zu verwalten, wenn es keine Kosten verursacht, ergo: wenn es nicht existiert.

Der Bahnhof in Gogolin ist meiner Meinung nach eine der gelungensten Revitalisierungen eines Bahnhofsgebäudes in der Woiwodschaft Oppeln. Das ist das Ergebnis einer gelungenen Zusammenarbeit zwischen der Gemeinde und einem durchdachten Konzept.
Foto: Kamil Czaiński, bazakolejowa.pl
Früher oder später werden unsere klassischen Bahnhofsgebäude aus rotem Backstein verschwinden. Um diesen Teil der deutschen Eisenbahnarchitektur noch zu sehen, müsste man nach Oppeln fahren und seinen Kindern zeigen: „Ein Bahnhof ist nicht nur zwei graue Bahnsteige, ein Vordach und ein paar Pfosten.“ Wenn es nur möglich wäre – Bahnhöfe sollten wieder vor Leben pulsieren. Wäre das nicht der ideale Ort zum Beispiel für die immer beliebteren „Brotautomaten“?
„Viel einfacher ist es heute, ein Bahnhofsgebäude zu verwalten, wenn es keine Kosten verursacht, ergo: wenn es nicht existiert.“
Denen, die diesem Gedanken ablehnend gegenüberstehen, empfehle ich einen Besuch direkt südlich der Grenze. Die Tschechen haben immer noch nicht „von den Polen gelernt“, dass Bahnhofsgebäude verschlossen, verkauft oder am besten abgerissen gehören. Dort findet man noch eine Gaststätte, ein kühles Bier oder gebratenen Käse. Wer nicht in Hlučín (Hultschin) war, dem empfehle ich einen Besuch des dortigen Bahnhofs. Von Bohumín (Oderberg) oder Opava (Troppau) ganz zu schweigen – das sind bereits größere Städte, aber wenn ich mich schon an Hlučín festklammere, dann mit aller Macht. Züge verkehren dort nicht viele, Gäste gibt es in der dortigen Gaststätte jedoch genügend, um so manchem Haushalt Gewinn zu bescheren.

Der Bahnhof in Hlučín ist ein gutes Beispiel dafür, dass man einen Bahnhof reisefreundlich gestalten kann, wenn man es wirklich will.
Foto: Muzeum Hlučínska, hlucinske-pamatky.cz
Lasst uns das Industrieerbe in Schlesien im Auge behalten, sonst verschwindet es Stück für Stück. Selbst die übermalten deutschen Namen an den Bahnhofsgebäuden können Anlass für eine größere Erzählung darüber sein, was hier einmal war, was hier nicht mehr ist und was hier noch sein könnte.