Eine schwierige, aktive Amtszeit

8 Mai 2026, 05:00 Politik 15

Wahl der neuen Führung des VdG steht bevor

Im Mai 2026 findet die Wahl der neuen Führung des Verbands der deutschen sozial-kulturellen Gesellschaften in Polen (VdG) statt, was mit dem 35-jährigen Bestehen der Organisation zusammenfällt. Aus diesem Grund baten wir die Mitglieder des noch amtierenden VdG-Vorstands um eine Einschätzung der zu Ende gehenden Amtszeit und fragten, was mit Blick auf die nächsten vier Jahre verändert, verbessert oder beibehalten werden sollte.

Heute sprechen wir mit dem Vorsitzenden des VdG-Vorstands, Rafał Bartek:

Herr Bartek, wurden in der vergangenen Amtszeit die gesetzten Ziele vom VdG-Vorstand effektiv umgesetzt, und welche der umgesetzten Ziele betrachten Sie als prioritär?

Die letzten vier Jahre waren stark von externen Faktoren abhängig. Im Jahr 2022 erlitten wir eine historische Diskriminierung der deutschen Minderheit in Polen, die zwei Jahre andauerte und darin bestand, dass die Anzahl der Unterrichtsstunden für Deutsch als Minderheitensprache von drei auf eine Stunde reduziert wurde. Das bestimmte natürlich die Arbeitsweise des VdG, denn viele unserer Aktivitäten standen im Zeichen der Bekämpfung dieser Diskriminierung. Das brachte unter anderem Proteste, Unterschriftensammlungen, Aktionen, Kampagnen, Gespräche und Treffen mit sich – einschließlich des Treffens mit dem damaligen Minister, der diese Diskriminierung einführte, Przemysław Czarnek. Man muss sich vor Augen führen, wie viele verschiedene Aktivitäten unternommen wurden, um die Diskriminierung der Kinder der deutschen Minderheit zu beenden. Denn wenn wir in diesem Bereich nicht so aktiv gewesen wären, wäre vielleicht die Rücknahme dieser Diskriminierung nicht eine der ersten Entscheidungen gewesen, die die neue polnische Regierung im Jahr 2024 getroffen hat!

Auf der anderen Seite hatten wir in der vergangenen Amtszeit mit Turbulenzen in der deutschen Politik zu kämpfen. Das war eine wirklich schwierige Zeit, denn wir hatten in Berlin eine instabile Regierung, was wir direkt zu spüren bekamen. Vor allem die Unsicherheit bezüglich des Gesprächspartners und der Versuche, über strategische Ziele zu sprechen, denn wenn sich die deutsche Regierung selbst unsicher war und sich nicht einigen konnte, wo war dann der Platz für Minderheiten und deren Unterstützung? Aber auch in diesem Fall zeigten wir großes Engagement. Wir hatten unter anderem häufigen Kontakt mit der damaligen Beauftragten der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, Natalie Pawlik, aber auch mit Politikern anderer Fraktionen, und wiederum hatte unsere Aktivität positive Auswirkungen.

„Im Zusammenhang mit der Diskriminierung oder der deutschen Politik mussten wir unsere Aktionen entsprechend anpassen und angemessen reagieren. Das haben wir auch getan – wir waren nicht untätig, und das darf sich meiner Meinung nach nicht ändern!“

Wir sollten auch nicht vergessen, dass wir in dieser Amtszeit das Dokumentations- und Ausstellungszentrum der Deutschen in Polen sowie einen Kindergarten mit Minderheitensprachunterricht in Chronstau eröffnet haben. Gleichzeitig haben wir viele neue Programme und Aktionen gestartet, auch zur Förderung der deutschen Sprache. Es war also eine sehr, sehr aktive und zugleich komplizierte Amtszeit. Auf der einen Seite gab es politische Schwierigkeiten und unsere Reaktion darauf, auf der anderen Seite haben wir unsere eigene Aktivität als Weg zur Bewältigung der in der vergangenen Amtszeit aufgetretenen Schwierigkeiten aufgebaut.

Sollte der Kurs, den die VdG-Führung in der zu Ende gehenden Amtszeit eingeschlagen hat, Ihrer Meinung nach ohne die geringsten Änderungen fortgesetzt werden?

Unser Kurs wird durch die Satzung vorgegeben, die sich in ihren grundlegenden Punkten nicht ändert. Im Laufe der Jahre wurden nur Details geändert, die Art der Stimmenauszählung oder sogenannte „Technikalien“. Grundsätzlich bleibt der VdG jedoch eine Dachorganisation, der Vertreter der deutschen Minderheit nach außen, und das wird sich nicht ändern. Es hat sich in der letzten Amtszeit nicht geändert, hat sich vorher nicht geändert und wird sich auch in Zukunft nicht ändern. Was sich jedoch ändern muss, ist die Art und Weise, wie wir auf eingetretene Situationen und Umstände reagieren. Wie bereits im Zusammenhang mit der Diskriminierung oder der deutschen Politik erwähnt, mussten wir unsere Aktionen entsprechend anpassen und angemessen reagieren. Das haben wir auch getan. Wir waren nicht untätig, und das darf sich meiner Meinung nach nicht ändern.

Rafał Bartek, Vorsitzender des Verbandes der deutschen sozial-kulturellen Gesellschaften in Polen.
Foto: Tomasz Chabior

Untätigkeit ist meiner Ansicht nach das, was uns immer bedroht. Konkret meine ich eine Herangehensweise nach dem Motto: Es ist einigermaßen ruhig, es gibt keine größeren Forderungen, also lassen wir es gut sein, so wie es ist. Das ist gefährlich! Sehr gefährlich. Denn die Welt hat die Eigenschaft, sich ständig zu verändern, sie ist sehr dynamisch, und dabei finden demografische Prozesse statt, die uns beeinflussen, ebenso wie globale Prozesse, die ebenfalls auf uns einwirken, manchmal vielleicht mehr als die deutsch-polnischen Faktoren. All das hat Einfluss auf uns, und aus dieser Perspektive müssen wir uns ständig neu anpassen. Der Schlüssel zur Anpassung muss unsere eigene Aktivität und das Hören auf die Forderungen und Bedürfnisse der Menschen sein.

Sehen Sie irgendwo die Notwendigkeit, größere Korrekturen an der Tätigkeit des VdG vorzunehmen? Wenn ja, warum?

Bitte bedenken Sie, dass wir uns bereits sehr stark verändert haben. Von einem Büro, das eher für die Vertretung der deutschen Minderheit nach außen zuständig war, hin zu einem Büro und einer Organisation, die nicht nur vertritt, sondern auch Projekte koordiniert und verwaltet. Das hat uns vor eine große Herausforderung gestellt, die gut bewältigt werden muss. Unter anderem müssen all diese Prozesse, Verfahren, Termine, Projekte und Verträge überwacht werden – da lernen wir ständig dazu. Darüber hinaus schaffen wir neue Formate, zum Beispiel Projektformate wie in diesem Jahr „DMi-Aktiv“. Das ist eine große Herausforderung. Eine Herausforderung, die meiner Meinung nach weitere Arbeit, Korrekturen und Analysen erfordert. Auf der anderen Seite sind wir verpflichtet, wachsam zu sein im Kontext des politischen Lebens und mit Politikern im Kontakt zu stehen. In dieser Hinsicht müssen wir auf der Ebene des VdG versuchen, die Organisationen außerhalb der Woiwodschaft Oppeln zu dieser Aktivität zu animieren.

Ich sage das nicht als Chef der Oppelner Organisation oder um sie zu loben, denn das ist nicht mein Ziel. Es geht darum, dass wenn die externe Wahrnehmung so ist, dass sich in dieser Region viel tut, wir auch dafür sorgen müssen, dass Akzente in anderen von der deutschen Minderheit in Polen besiedelten Regionen gesetzt werden. Aber… das können wir nicht allein verwirklichen. Wir können zwar einen Rahmen, Anreize und Werkzeuge dafür geben, aber die Menschen in diesen Regionen müssen diese Aktivität selbst entfalten. Hier müssen wir uns auf jeden Fall überlegen, wie wir sie zu größerem Engagement ermutigen können.

Werden Sie bei der anstehenden Wahl der neuen VdG-Führung für den Vorstand und für den Vorsitz kandidieren?

Ja. Wenn es der Wille der Delegierten ist, bin ich bereit, weiterhin für den VdG-Vorstand zu kandidieren, aber auch für den Vorsitz, weil eine gewisse Mission, die ich mir persönlich stelle, in dieser – wie bereits gesagt – schwierigen Amtszeit erst begonnen hat. Im Moment gibt es noch viele Themen, die weiterentwickelt, analysiert und geordnet werden müssen. Vergessen wir nicht, was unser Hauptziel ist: die Pflege der deutschen Sprache, Kultur und Identität. In diesem Bereich ist der Schlüssel auf der einen Seite immer die Aktivität, auf der anderen Seite die Schaffung geeigneter Instrumente. Hier haben wir in den letzten Jahren viel Arbeit geleistet, aber jetzt ist es für mich selbstverständlich, dass diese Arbeit fortgesetzt werden muss.

Das Gespräch führte Krzysztof Świerc

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