Gestaltungswettbewerb in Berlin gestartet
Das Denkmal in Berlin für die polnischen Opfer des Zweiten Weltkriegs und der deutschen Besatzung nimmt Gestalt an. In einem internationalen Wettbewerb soll die Form des permanenten Denkmals festgelegt werden. Bislang ist im Berliner Regierungsviertel ein provisorischer Gedenkort zu sehen. Jetzt ist klar, welche Schritte zum dauerhaften Denkmal führen sollen.
Ein grauer Findling liegt im Berliner Regierungsviertel, gegenüber dem Reichstagsgebäude. Unspektakulär auf den ersten Blick, markiert er seit Juni 2025 einen Ort des Gedenkens: den provisorischen Erinnerungsort für die polnischen Opfer des Zweiten Weltkriegs und der deutschen Besatzung. Der Stein steht auf dem Gelände der früheren Kroll-Oper – jenem Ort, an dem Adolf Hitler am 1. September 1939 den Überfall auf Polen verkündete.
Nun soll an diesem Ort ein dauerhaftes Denkmal für die polnischen Opfer des Zweiten Weltkriegs und die Opfer der deutschen Besatzung in Polen 1939–1945 entstehen. Die Bundesregierung hat zu diesem Zweck einen internationalen Gestaltungswettbewerb gestartet. Bis Ende des Jahres soll damit feststehen, wie das Denkmal aussehen wird.
Künstlerinnen, Künstler und Architekturbüros hatte bis zum 5. Mai Zeit, um sich für die Teilnahme zu bewerben. Die ausgewählten Teams sollen ihre Entwürfe bis Oktober einreichen, eine Entscheidung des Preisgerichts ist für Dezember vorgesehen. Für Wettbewerb und Realisierung stellt der Bund insgesamt fünf Millionen Euro zur Verfügung.
„Dass wir heute hier sind, ist nicht zufällig geschehen. Das ist das Ergebnis von jahrelanger Arbeit, Gesprächen, Spannungen, Appellen, Debatten.“
Marta Cienkowska, polnische Ministerin für Kultur und nationales Erbe
Kulturstaatsminister Wolfram Weimer sprach zum Auftakt davon, dass mit dem Wettbewerb nun die „konkrete Ausgestaltung“ eines zentralen erinnerungspolitischen Projekts beginne. Mehr als 80 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs solle das Gedenken an die Millionen Opfer des deutschen Angriffskrieges und der Besatzung in Polen eine „sichtbare, dauerhafte Form“ erhalten.
Aus Anlass des Wettbewerbsstarts fand am 29. und 30. April auch eine Fachkonferenz in Berlin statt. Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wissenschaft und Erinnerungskultur diskutierten dort die inhaltlichen und konzeptionellen Grundlagen des Vorhabens. Die polnische Kulturministerin Marta Cienkowska betonte im Rahmen der Konferenz den langen Vorlauf: Der jetzige Schritt sei das Ergebnis „jahrelanger Arbeit, Gespräche, Spannungen, Appelle und Debatten“.
Das geplante Denkmal soll an die nationalsozialistischen Verbrechen in Polen erinnern und zugleich Raum für individuelles und gemeinsames Gedenken schaffen. Ergänzend ist eine frei zugängliche Ausstellung vorgesehen, die über die deutsche Besatzungsherrschaft informiert.
Mit dem gestarteten Wettbewerb tritt der Weg zu einem permanenten Denkmal in eine entscheidende Phase – ein Prozess, der bereits 2017 mit einer Initiative für ein „Polen-Denkmal“ begann, angeregt unter anderem durch Władysław Bartoszewski. Der heutige Findling steht damit nicht nur für das Erinnern an die Opfer, sondern auch für die jahrelange Entwicklung hin zu einem dauerhaften Denkmal.
Mauro Oliveira
An die polnischen Opfer der deutschen Besatzung wird nun auch in Berlin erinnert