Kommentar von Krzysztof Świerc

Wem sei Dank?

4 August 2026, 05:00 Kommentar , Politik

Nach den islamistischen Terroranschlägen in Deutschland und den Reaktionen darauf in Polen überschlugen sich die deutschen Medien. „Die Welt“ berichtete in ihrer Online-Ausgabe über die Reaktionen in Polen auf die Nachricht, dass das Todesopfer des Anschlags während der Pride-Parade in Berlin eine 65-jährige Polin war. Die deutsche Tageszeitung betont, dass die polnische Regierung auf diese Tragödie besonnen reagiert habe, ohne den in den polnischen sozialen Netzwerken vorherrschenden Tendenzen zu erliegen.

Zugleich wird jedoch auf die Tatsache hingewiesen, dass neben den Beiträgen mit Kondolenzbekundungen in den sozialen Netzwerken polnische Kommentatoren die Tragödie in der deutschen Hauptstadt zum Anlass nehmen, die falsche Migrationspolitik der Bundesrepublik in scharfen Worten zu kritisieren. Den Täter des Anschlags bezeichnen sie ironisch als „Kulturbereicherer“ oder „Ingenieur“, und Deutschland selbst stellen sie als ein Land dar, in dem aufgrund der Masseneinwanderung niemand mehr sicher sein könne.

Dennoch lässt sich – unabhängig davon, ob die PiS in Polen an der Macht ist oder nicht – leicht erkennen, dass es um die deutsch-polnischen Beziehungen nicht gut steht.
Foto: Wikipedia

In den Kommentaren lautet die Hauptbotschaft: Polen ist sicher, Deutschland nicht, und dessen Politiker sind naiv. Diese Botschaft könnte in Polen noch deutlicher ausfallen, wenn die PiS an der Macht wäre, die dieses Thema schon lange gegen Deutschland instrumentalisiert hat und weiterhin instrumentalisiert. Zum Glück ist das nicht der Fall. Doch trotzdem und unabhängig davon, ob die PiS in Polen an der Macht ist oder nicht, lässt sich leicht erkennen, dass es um die deutsch-polnischen Beziehungen nicht gut steht. Mehr noch: Der Anschlag in Berlin fügt sich in das ziemlich düstere Bild Deutschlands ein, das heute bei vielen Polen vorherrscht, nicht nur bei denen, die mit der PiS sympathisieren. Man muss auch feststellen, dass in den Netzwerken Beiträge über angebliche weitere polnische Opfer terroristischer Gewalt in Deutschland geteilt werden. Nicht alles lässt sich verifizieren, daher möchte ich diese Informationen nicht bestreiten, aber in den polnischen Netzwerken ist dies ein großes Thema, und auch die „Welt“ schweigt dazu nicht.

„Schmerzlich ist auch, dass die ganze Wut in solchen Momenten nicht nur gegen die deutschen Behörden, sondern auch gegen die Menschen in Deutschland gerichtet wird.“

Die deutsche Tageszeitung erinnerte unter anderem daran, dass 2023 ein polnischer Tourist an einer U-Bahn-Station in München von einem Afghanen vergewaltigt wurde, worüber in Polen mit Entsetzen berichtet und diskutiert wird, sobald man von polnischen Opfern islamistischer Angriffe in der Bundesrepublik hört. Ich verstehe diese Reaktion und habe Mitgefühl, es ist schrecklich, aber … Schmerzlich ist auch, dass die ganze Wut in solchen Momenten nicht nur gegen die deutschen Behörden, sondern auch gegen die Menschen in Deutschland gerichtet wird. Manche Kritiker schimpfen ohne jegliche Reflexion und Empathie, im Rausch des Hasses über die Deutschen, ohne zu bedenken, dass bei Terroranschlägen an Rhein oder Spree auch, und vielleicht sogar am häufigsten, eben Deutsche sterben. Dies geschieht, obwohl sie in diesem Teil der Welt am großzügigsten ihre Häuser, Herzen und Geldbeutel für Gäste aus fremden Kulturen geöffnet haben. Warum geschieht das? Weil sich eine Gelegenheit bietet, dem westlichen Nachbarn eins auszuwischen und seine Gesellschaft zu demütigen? Dies geschieht, obwohl Deutschland für eine große Zahl von Polen seit Jahrzehnten die zweite Heimat ist, wohlhabend, sicher und bequem.

Als würde man der Hydra den Kopf abschlagen…
Kommentar von Michał Florek

Als würde man der Hydra den Kopf abschlagen…

Mehr lesen →
Hetze nicht gegen den Nachbarn
Kommentar von Krzysztof Świerc

Hetze nicht gegen den Nachbarn

Mehr lesen →

Zusammenfassend: Das Schüren einer ungünstigen Atmosphäre gegenüber Deutschland in Polen und das Schüren von Angst vor einer angeblichen Lebensgefahr in diesem Land ist eine Überinterpretation, die bei vielen Polen Entsetzen hervorgerufen hat. Die Folge: Im Jahr 2025 sind zum ersten Mal seit Jahrzehnten mehr Polen aus Deutschland nach Polen zurückgekehrt als umgekehrt nach Deutschland ausgewandert. Einer der wichtigsten Beweggründe für diesen Zustand ist die Angst vor dem Leben in der Bundesrepublik. Ist es denn wirklich so gefährlich, dass man sein bisheriges bequemes, und wenn man allein das Gesundheitssystem betrachtet, auch sicheres Leben in einem der wohlhabendsten Länder Europas aufgibt und versucht, sich in Polen neu einzurichten? Viele der Rückkehrer haben diese Entscheidung bereits bereut … Wem können sie dafür danken? Denen, die bei jeder Gelegenheit antideutsche Propaganda verbreiten. Denen, die hinter jeder Ecke in Deutschland einen von bösen Absichten erfüllten Terroristen sehen. Denen, die das Wort „Übel“ durch „Deutscher“ ersetzt haben.

Teilen:
„Sonderausgabe”
vorheriger Artikel

„Sonderausgabe”

Oberschlesier pilgerten zum 72. Mal nach Altötting
nächster Artikel

Oberschlesier pilgerten zum 72. Mal nach Altötting

Werbung

Ansichtssache

Neues Wochenblatt - Gazeta Niemców w Rzeczypospolitej Polskiej
Datenschutz-Übersicht

Diese Website verwendet Cookies, damit wir dir die bestmögliche Benutzererfahrung bieten können. Cookie-Informationen werden in deinem Browser gespeichert und führen Funktionen aus, wie das Wiedererkennen von dir, wenn du auf unsere Website zurückkehrst, und hilft unserem Team zu verstehen, welche Abschnitte der Website für dich am interessantesten und nützlichsten sind.