Interview

Positive Energie beflügelt

31 Mai 2026, 11:00 Politik

Mit Sylwia Kus, stellvertretende Vorsitzende des VdG-Vorstands, Vorsitzende des Kreisrats von Rosenberg, Schriftführerin der Gemeinde Radlau und Schriftführerin der SKGD Oppeln, sprach Krzysztof Świerc.

Mir wird oft gesagt, dass Sylwia Kus eine „Frau für alles“ sei, der aufgrund der Vielzahl ihrer Aufgaben der Tag kaum ausreiche. Bitte sagen Sie uns, welche Funktionen bekleiden Sie?

Vor allem bin ich Schriftführerin der Gemeinde Radlau, wo ich täglich arbeite. Dazu bin ich seit vier Wahlperioden Kreisrätin des Kreises Rosenberg, und in der aktuellen Periode bekleide ich die ehrenvolle Rolle der Vorsitzenden des Kreisrats. Was meine Funktionen in der deutschen Minderheit betrifft, so ist hervorzuheben, dass ich stellvertretende Vorsitzende des Verbands der deutschen sozial-kulturellen Gesellschaften in Polen (VdG) bin. Außerdem bin ich seit drei Wahlperioden im Vorstand der SKGD Oppeln, wo ich das Amt der Schriftführerin ausübe.

Sylwia Kus.
Foto: Tomasz Chabior

Uff … Wie kommen Sie mit einer so großen Anzahl von Aufgaben zurecht?

Da oben ist jemand, der mir sehr hilft. Außerdem habe ich die starke Unterstützung meiner Familie und eines ausgezeichneten Chefs. Ich meine damit den Gemeindevorsteher Włodzimierz Kierat, der mich bei all meinen Aktivitäten außerhalb der Arbeit unterstützt. Das schätze ich sehr, denn so kann ich alle Pflichten miteinander vereinbaren. Ich möchte an dieser Stelle hinzufügen, dass ich in Bezug auf meine Vorgesetzten großes Glück habe, denn sie sind mir gegenüber sehr verständnisvoll, hilfsbereit und wohlwollend. Diese Worte beziehen sich nicht nur auf Gemeindevorsteher Włodzimierz Kierat, sondern auch auf den Vorsitzenden der SKGD und des VdG, Rafał Bartek.

Wann entstand in Ihnen diese Leidenschaft oder vielleicht Berufung für gesellschaftliches Engagement und Politik? Waren solche Neigungen in Sylwia Kus‘ Mentalität bereits von klein auf erkennbar – in der Grundschule, in der Mittelschule – oder traten sie erst im Studium oder später auf?

Ich glaube, dass alles im Elternhaus beginnt, dass dort die Wiege all dessen ist, was wir später nach außen tragen, und so war es auch bei mir. Mein Großvater war ein sehr engagierter Gesellschaftsmensch und einer der Gründer des DFK Biskupitz. Meine Mutter war ebenfalls eine sehr aktive Person, die nicht nur im DFK Biskupitz tätig war, sondern auch das Amt einer Gemeinderätin von Radlau ausübte. Zusammengefasst: mein Elternhaus hat meine Persönlichkeit und meinen Charakter geprägt. Dadurch konnte ich bereits in der Grundschule mit anderen zusammenarbeiten, was unter anderem dazu führte, dass ich zur Klassensprecherin gewählt wurde. In der Mittelschule war es ähnlich: Ich stand nie abseits, ich engagierte mich immer und zeigte Initiative. Sicherlich hatte mein Charakter, der mich antrieb und weiterhin antreibt, Schritt für Schritt in Richtung immer größerer und noch ernsthafterer Aktivitäten zu gehen, Einfluss darauf.

Sylwia Kus.
Foto: Tomasz Chabior

Aber im Studium hat sich etwas geändert.

Das stimmt. Ich war nicht mehr die Person, die sich so stark in die Aktivitäten verschiedener Organisationen einbrachte. Das lag daran, dass ich gleichzeitig zwei Studiengänge belegte – Geschichte in Oppeln und dazu Politikwissenschaft in Warschau. Später kam noch noch Verwaltung und Management dazu. Ich hatte wirklich viel zu lernen, was ein ernsthaftes gesellschaftliches Engagement unmöglich machte.

„Da oben ist jemand, der mir sehr hilft. Außerdem habe ich die starke Unterstützung meiner Familie und eines ausgezeichneten Chefs. Ich meine damit den Gemeindevorsteher Włodzimierz Kierat, der mich bei all meinen Aktivitäten außerhalb der Arbeit unterstützt. Das schätze ich sehr, denn so kann ich alle Pflichten miteinander vereinbaren.“

Doch nach dem Studium, als ich mein Berufsleben begann, blühte mein Einsatz für das gesellschaftliche Leben wieder auf. Es begann mit der Landwirtschaftszählung, bei der ich eine der Zählerinnen war. Damals ging ich mit großer Freude ins Feld, denn ich spreche sehr gern mit Menschen, und gleichzeitig war ich weiterhin Mitglied des DFK. Dadurch wurde ich immer bekannter. Hinzu kam, dass mir diese Tätigkeit von Tag zu Tag, von Woche zu Woche besser gefiel, dass mich jeder noch so kleine Erfolg motivierte, was sich natürlich in einem immer größer werdenden Engagement niederschlug.

Infolgedessen sind Sie bei den Wahlen zum Kreisrat angetreten.

Ja, aber vom letzten Platz auf der Liste. Trotzdem wurde ich in den Kreisrat gewählt! Das war eine große Überraschung, ich glaube, nicht nur für mich. Aber so ist es gekommen, und so ist es geblieben.

Danach ging es bergauf?

Nicht unbedingt. Die erste Amtszeit war wegen ihres Debütcharakters nicht einfach – ich musste mich in die Feinheiten der politischen Tätigkeit usw. einarbeiten. Aus heutiger Sicht erwies sie sich jedoch als einfacher als die folgenden. Warum? In den weiteren Amtszeiten erwarteten die Menschen mehr von mir. Auch ich selbst erwartete mehr von mir, außerdem wollte ich noch mehr bewirken, deutlicher zeigen, wozu ich fähig bin, um niemanden zu enttäuschen und gleichzeitig für den mir entgegengebrachten Vertrauensvorschuss zu danken. Ich werde nicht verheimlichen, dass dies für mich ein Antriebsmotor war und ist.

Trotzdem gibt es immer Kritiker. Sind Sie darauf vorbereitet?

Mir ist bewusst, dass nicht immer alles, was ich tue, von allen akzeptiert wird. Die Gründe können unterschiedlich sein und müssen nicht unbedingt Neid sein. Einfach gefällt dem einen meine Herangehensweise und Prioritäten mehr, einem anderen weniger. Seit ich mir das jedoch klargemacht habe, bin ich mental stärker und ruhiger. Außerdem bin ich gegen offene Kritik abgehärtet.

Sylwia Kus.
Foto: Tomasz Chabior

Bedeutet das, dass Sylwia Kus keinerlei Bedenken bezüglich ihres weiteren Engagements hat?

Ich habe Bedenken! Ich bin ein emotionaler Mensch, und es gibt bei mir Krisenmomente. Wenn meine Emotionen ihren Höhepunkt erreichen, setze ich mich an einen Ort, wo mich niemand sieht, und weine. Aber am nächsten Tag stehe ich auf, schminke mich und gehe meinen Weg weiter. Das ist seit Jahren so. Trotzdem habe ich manchmal Angst, dass ich es nicht schaffe, dass ich nicht wieder aufstehen kann. In solchen Momenten fürchte ich vor allem das Ausbrennen, das Erstarren in einer starren Hülle, das Handeln nach „Schema F“. Ich fürchte auch, dass meine Kreativität nachlässt und mir die Ideen ausgehen. Im Moment aber beklage ich mich nicht über mangelnden Willen und mangelnde Ideen. Das liegt wahrscheinlich daran, dass mir das Setzen neuer Ziele, die Suche nach etwas Neuem zum Wohle der Menschen, des Mitmenschen, Energie und Kraft zum Handeln gibt.

Eine enorme Stütze ist auch Ihre bereits erwähnte Familie.

Sie ist ein überragender Motivator für mich. Wenn ich schlechtere Tage habe, kann ich mich immer auf sie verlassen – auf meine 17-jährige Tochter und meinen 19-jährigen Sohn. Auf der anderen Seite versuche ich, meine Berufsarbeit und mein Engagement vom Familienleben zu trennen. Ich übertrage keine Emotionen von der Arbeit nach Hause.

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Gelingt das?

Man müsste meine Angehörigen fragen, aber meiner Meinung nach gelingt mir die Vereinbarkeit bisher. Vielleicht liegt das daran, dass meine Kinder es verstehen, denn sie haben neben der Schule auch viele andere Aufgaben. Sie engagieren sich unter anderem im BJDM, spielen in der Gemeindeblasmusikkapelle in Radlau und sind Messdiener. Nun ja – ähnlich wie mich treibt sie wohl die angeborene positive Energie an und verleiht ihnen Flügel. Deshalb verstehen wir uns gut, fühlen uns miteinander wohl, was uns ermöglicht, uns zu verwirklichen. Natürlich reden wir auch sehr oft miteinander. Das ist für uns sehr wichtig, denn wir besprechen unsere Probleme und Zweifel, wodurch wir leichter schlechtere Tage überwinden. Auf keinen Fall unterdrücken wir Emotionen – das wäre meiner Meinung nach ein Fehler.

Sylwia Kus nach der Arbeit.
Foto: Tomasz Chabior

Sylwia Kus nach der Arbeit:

An wen wenden Sie sich in Krisensituationen, wenn es schwer ist?

An Gott. Der Glaube hat für mich eine enorme Bedeutung. Er hilft mir in allen Lebensmomenten.

Größter Traum?

Vor allem gesund zu sein.

Lebensprioritäten?

Eine liebevolle Familie zu haben.

Was sind Ihre Hobbys?

Floristik. Ich möchte hinzufügen, dass ich seit über 25 Jahren ehrenamtlich die Dekoration für die Kirche mache. Außerdem liebe ich Automobile, ich fahre unheimlich gern Auto.

Wie sorgen Sie für Ihre Fitness – Fitnessstudio, Fahrrad, Tennis, Schwimmbad oder etwas ganz anderes?

Ich finde, ich habe mich etwas vernachlässigt, deshalb fahre ich jetzt regelmässig Rad.

Lieblingsfilm, Lieblingsschauspieler, Lieblingsbuch?

Film: „Die grüne Meile“, Buch: „Das Jahrhundert der Schuldigen“/„Stulecie winnych“. Was den Schauspieler betrifft, war und ist es immer Robert Redford.

Was schätzen Sie an Menschen am meisten, und was können Sie nicht ausstehen?

Am meisten schätze ich Offenheit und aufrichtigen Dialog. Falschheit kann ich nicht akzeptieren.

Wem würden Sie eine reinhauen, wenn sich die Gelegenheit dazu böte?

Ich hege gegen niemanden einen solchen Groll, dass ich ihm auf irgendeine Weise wehtun möchte. Das würde meinen Emotionen keinen Ausdruck verleihen.

Was schätzen Sie an Männern, und was akzeptieren Sie nicht?

Ich schätze vor allem Aufrichtigkeit. Verlogenheit kann ich nicht ausstehen.

Krzysztof Świerc

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