Am heutigen 8. August feiert eine der prägendsten Persönlichkeiten unserer Region und ein unermüdlicher Streiter für den Dialog seinen 94. Geburtstag: Erzbischof em. Prof. Dr. Alfons Nossol. Für die Deutsche Minderheit in Polen ist er weit mehr als ein ehemaliger Oberhirte – er ist der Architekt der Versöhnung und die Stimme, die uns das „Beten in der Sprache des Herzens“ zurückgegeben hat.
Erzbischof Nossol, am 8. August 1932 in Broschütz geboren, hat sein Leben dem Leitspruch „Veritatem facere in caritate“ (Die Wahrheit in Liebe tun) gewidmet. Sein Wirken hat Grenzen überwunden – sowohl konfessionelle als auch nationale und akademische.
Anerkannter Gelehrter und mehrfacher Ehrendoktor
Alfons Nossol ist weit mehr als ein kirchlicher Würdenträger; er ist ein herausragender Theologe und Wissenschaftler. Sein Ruf als Wegbereiter zwischen den Denkschulen spiegelt sich in den zahlreichen Ehrendoktorwürden (Dr. h. c.) wider, die ihm von renommierten Universitäten verliehen wurden – darunter die Universitäten in Münster, Mainz, Bamberg, Olmütz sowie die Christliche Theologische Akademie in Warschau und die Universität Oppeln. Im Jahr 2025 wurde er zum Ehrensenator der Universität Oppeln ernannt, was seine lebenslange Verbundenheit mit der Wissenschaft unterstreicht.
Höchste staatliche Ehren in Polen und Deutschland
Es gibt nur wenige Persönlichkeiten, die in beiden Ländern gleichermaßen als moralische Instanz gelten. Sein Einsatz für die Verständigung wurde durch höchste Orden gewürdigt:
In Polen: Er erhielt das Großkreuz des Ordens Polonia Restituta (2013) sowie die Goldene Medaille „Gloria Artis“ für seine Verdienste um die Kultur.
In Deutschland: Er wurde mit dem Großen Verdienstkreuz mit Stern des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet.
Erzbischof Nossol sieht diese Ehrungen stets als Auftrag für den Dialog: „Es geht um einen spirituellen Brückenschlag zwischen den Religionen, Konfessionen und Nationen im Sinne einer Gemeinschaft des Geistes.“
Die Rückkehr der „Sprache des Herzens“
Ein historischer Meilenstein seines Wirkens bleibt die Rückkehr der deutschen Sprache in die Liturgie. Die erste deutsche Messe auf dem St. Annaberg am 4. Juni 1989 markierte das Ende einer jahrzehntelangen Zeit des Schweigens. Gegenüber Widerständen der damaligen Machthaber blieb Nossol standhaft, gestärkt durch Papst Johannes Paul II., der ihm riet: „Berufen Sie sich ruhig auf meine Friedensbotschaft.“

Erzbischoff Nossol und Bernard Gaida, 2025 in Groß Stein.
Foto: Stefani Kopre-Golomb
Nossol erinnerte sich später an diesen wegweisenden Moment: „Wir Geistlichen sind dazu da, um den Menschen zu dienen, und unser Papst hat uns nicht nur dazu ermächtigt, sondern quasi geheißen.“
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Ein Plädoyer für das Menschsein
Für seinen lebenslangen Einsatz für die Minderheit und die deutsch-polnische Versöhnung wurde er 2025 vom Verband Deutscher Gesellschaften (VdG) mit dem Sonderpreis „Gratias Agimus“ geehrt.

Statuetka „Gratias Agimus”
Foto: Stefani Korpek-Golomb
In seiner Dankesrede in Groß Stein richtete er einen flammenden Appell an uns alle, die Würde des Einzelnen zu achten: „Ein Mensch, das klingt hoch. Und wir sollten stolz sein. Gerade hier bei uns, und hier auf dieser Erde, in diesem Teil des Landes, wo in dieser Hinsicht schon so viel getan wurde. Aber es ist nie zu viel. Denn ein Mensch muss hoch klingen.“ Er erinnerte auch an die tragische Vergangenheit und die Lehren daraus: „Wir haben vergessen, dass wir Christen uns gegenseitig überhaupt nicht bekämpfen können, weil es unchristlich wäre und auch in gewisser Hinsicht unmenschlich.“
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Wir wünschen Erzbischof Alfons Nossol zu seinem 94. Geburtstag Gottes Segen, Gesundheit und weiterhin die Kraft, uns mit seinem wachen Geist zu inspirieren. Ad multos annos!