25. Sonntag im Jahreskreis – A
26. Lesung: Jes 55,6-9
27. Lesung: Phil 1,20-24.27a
Evangelium: Mt 20,1-16
Wie immer an Sonn- und Feiertagen hören wir in der katholischen Liturgie, in der Hl. Messe, drei Lesungen. Üblicherweise sind es: die erste Lesung aus dem Alten Testament, die zweite Lesung aus den Schriften der Apostel und der frühen Kirche. Das Evangelium wird einer der vier Überlieferungen nach Matthäus, Markus, Lukas und Johannes entnommen. Alle diese Texte sind ideenreich. Heute lasst uns in den Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Philippi hineinhören.
Die Christen in Philippi
Die christliche Gemeinde in Philippi entstand auf der zweiten Missionsreise des Apostels Paulus, wahrscheinlich um 49/50 nach Christus. Zu den ersten Glaubenden gehörte Lydia, eine Purpurhändlerin aus Thyatira. Ihr Haus wurde zu einem wichtigen Begegnungsort der jungen Gemeinde. Auch der Gefängnisaufseher von Philippi und seine Familie ließen sich taufen. Schon diese Anfänge zeigen die soziale Vielfalt der Gemeinde: eine wirtschaftlich selbständige Frau, Hausgemeinschaften, möglicherweise Angehörige der unteren und mittleren Schichten und Menschen mit römischem Hintergrund. Die Christen in Philippi lebten in einer Umwelt, in der römische Ordnung, Kaisertreue und gesellschaftliches Ansehen wichtig waren. Für sie bedeutete der Glaube an Christus deshalb eine neue Zugehörigkeit: Paulus erinnert sie daran, dass „unsere Heimat im Himmel ist“ (Phil 3,20).
„Liebe fragt nicht zuerst nach dem eigenen Vorteil. Sie bleibt, wenn ihr Dasein für andere zum Segen werden kann. So wird das Leben zur Gabe.“
Die Beziehung zwischen Paulus und den Philippern war besonders herzlich. Er nennt sie seine „Freude und seinen Siegeskranz“ (Phil 4,1). Sie unterstützten ihn wiederholt auch materiell und begleiteten seine Missionsarbeit mit großer Treue. Paulus spricht deshalb von ihrer „Gemeinschaft am Evangelium“ (Phil 1,5). Der Philipperbrief ist insgesamt weniger von Auseinandersetzungen geprägt als etwa die Briefe an Korinth oder Galatien. Er ist ein Brief großer Nähe, Dankbarkeit und Freude.
Christus ist das Leben selbst
Paulus sagt nicht nur: Christus hilft mir zu leben. Er sagt: „Für mich ist Christus das Leben.“ Sein ganzes Dasein hat von Christus her Sinn, Richtung und Mitte. Leben bedeutet für ihn, Christus Raum zu geben, damit Er im eigenen Leib, im Handeln und im Zeugnis sichtbar wird. Christlicher Glaube ist deshalb mehr als Überzeugung. Er ist Lebensgemeinschaft mit Christus. Wer so lebt, fragt nicht nur: Was will ich aus meinem Leben machen? Er fragt tiefer: Was will Christus in meinem Leben werden lassen? Dann werden auch gewöhnliche Tage zu einem Ort seiner Gegenwart. Freude und Mühe, Arbeit und Ruhe können von Ihm erfüllt sein. Christus steht nicht am Rand des Lebens. Er wohnt in seiner Mitte.
Dank Christus verliert der Tod seine Macht
„Sterben ist Gewinn“ ist keine Geringschätzung des Lebens. Paulus liebt das Leben und seine Aufgabe. Aber er weiß: Der Tod ist für den Glaubenden nicht das letzte Wort. Er ist der Übergang in die vollendete Gemeinschaft mit Christus. Deshalb kann Paulus ohne Verzweiflung auf den Tod schauen. Wer Christus gehört, verliert im Sterben nicht alles, sondern geht auf den zu, der schon jetzt sein Leben trägt. Der Glaube nimmt dem Tod nicht seinen Ernst. Aber er nimmt ihm seine Endgültigkeit. Hinter der Grenze steht nicht das Nichts, sondern Christus. Darum kann christliche Hoffnung auch dort leuchten, wo menschlich alles dunkel wird. Der Tod schließt die Tür des irdischen Lebens und öffnet sie zugleich auf die Gemeinschaft mit dem Erlöser.
Liebe hält, solange der andere mich braucht
Paulus sehnt sich danach, bei Christus zu sein. Doch zugleich erkennt er: Die Gemeinde braucht ihn noch. Darum wird sein Bleiben zum Dienst. Das ist eine sehr reife Form christlicher Liebe. Nicht das eigene Verlangen entscheidet allein, sondern die Frage: Wem kann mein Leben noch dienen? Daraus folgt sein letzter Ruf: „Lebt als Gemeinde so, wie es dem Evangelium Christi entspricht!“ Der Glaube an Christus muss Gestalt annehmen – in Gemeinschaft, Treue, Verantwortung und Liebe.
Liebe fragt nicht zuerst nach dem eigenen Vorteil. Sie bleibt, wenn ihr Dasein für andere zum Segen werden kann. So wird das Leben zur Gabe. Und die christliche Gemeinde wird glaubwürdig, wenn Christus nicht nur verkündet, sondern miteinander gelebt wird. Wo Menschen einander tragen, vergeben und stärken, dort bekommt das Evangelium ein Gesicht.
Lasst uns gemeinsam zum Gesicht des Evangeliums in unserem Umfeld werden.