Das weniger bekannte Niederschlesien birgt zahlreiche Schätze – tief im Erdreich oder unmittelbar unter seiner Oberfläche. Dabei denke ich nicht an Gemüse-, Obst- oder Kräuteranbau, auch wenn diese Themen aus kulinarischer Sicht zweifellos reizvoll sind. Ebenso wenig soll heute von den Zisterziensern die Rede sein, die sich hier einst niederließen, fruchtbare Böden urbar machten und die regionale Wirtschaft nachhaltig prägten. Unsere kulinarische Geschichte führt vielmehr in die Umgebung von Kamenz (Kamieniec Ząbkowicki), wo sich einst ein bedeutendes Kloster der weißen Mönche befand – ein Ort, der heute vor allem mit dem romantischen Schloss der Prinzessin Marianne von Oranien-Nassau verbunden wird.
Kamenz zwischen Erinnerung und Entdeckung
Unsere erste Begegnung mit dem Städtchen fand während eines Sommerurlaubs im Glatzer Kessel statt. Auf dem Heimweg wollten wir das Schloss besuchen, das damals zunehmend mediale Aufmerksamkeit erhielt. Daraus wurde jedoch nichts, denn wir reisten mit unserer Kaninchendame Zuzia. Am Eingang erfuhren wir, dass Haustiere keinen Zutritt hatten – selbst dann nicht, wenn sie, wie unsere Zuzia, brav in einer Transportbox saßen und neue Orte liebten. So blieb uns nur ein Spaziergang durch den weitläufigen Schlosspark. Auch die anschließende Suche nach einem Mittagessen verlief enttäuschend, denn in unmittelbarer Nähe des Schlosses gab es lediglich Fast Food.
Der niederschlesische Chrysopras war einst so wertvoll wie Diamanten und fasziniert bis heute durch seine einzigartige grüne Farbe.
Kamenz blieb dennoch ein wichtiger Punkt auf meiner persönlichen Landkarte. Nicht nur wegen der außergewöhnlichen Prinzessin Marianne von Oranien, sondern auch wegen einer Kindheitserinnerung meiner besten Freundin, übrigens einer einzigartigen Frau. Oft erzählte sie uns von Ferien bei ihrer Großmutter, bei denen sie gemeinsam mit ihrem Vater auf alten Abraumhalden wunderschöne grüne Steine fand. Als Liebhaberin schlesischer Kulinarik und niederschlesischer Mineralien verspürte ich irgendwann den Wunsch, selbst einmal auf die Suche nach diesen Schätzen zu gehen.

Das neugotische Schloss der Prinzessin Marianne von Oranien wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erbaut und nach Entwürfen von Karl Friedrich Schinkel errichtet.
Foto: Jacek Halicki
Quelle: Wikipedia
Eines Tages war also der richtige Zeitpunkt gekommen, meinem Sohn etwas zu zeigen, das mich seit meiner Kindheit fasziniert und bis heute begeistert: die geheimnisvollen Kräfte der Steine, die nicht nur das Riesengebirge, sondern auch das wesentlich sanftere Habelschwerdter Gebirge und die Umgebung von Kamenz verbergen. So führte uns unser Weg nach Gläsendorf (Szklary), wo wir gemeinsam mit einem Guide und einer großartigen Gruppe Gleichgesinnter begannen, selbst nach mineralischen Schätzen zu graben. Diese Geo-Exkursion zeigte uns, dass das Entdecken und Kennenlernen einer Landschaft eine völlig neue und faszinierende Dimension annehmen kann.

Lithografie des Schlosses in Kamenz aus der Zeit um 1880.
Quelle: Schlesische Digitale Bibliothek
Der grüne Schatz Niederschlesiens
Reisen wir daher von der Zeit der Prinzessin Marianne noch einmal hundert Jahre weiter zurück. Damals erfasste Niederschlesien ein regelrechter „grüner Goldrausch“, nicht zuletzt dank König Frederick the Great, einem leidenschaftlichen Liebhaber des Chrysoprase – jener einzigartigen grünen Quarzvarietät, die einst zu den wertvollsten Edelsteinen Europas zählte und damals sogar mit dem Preis von Diamanten konkurrierte. Zugleich war Chrysopras äußerst selten und kam vor allem in der Umgebung von Gläsendorf und Frankenstein in Schlesien (Ząbkowice Śląskie) vor. Der Monarch schätzte den Stein so sehr, dass er einen großen, von Diamanten umgebenen Chrysoprasring ständig bei sich trug. Für sein Schloss Sanssouci Palace ließ er sogar eine Chrysopraskammer gestalten und kostbare Konsoltische mit Platten aus dem grün schimmernden Mineral anfertigen.

Der Chrysoprase galt über Jahrhunderte als besonders wertvoller Edelstein.
Quelle: Mineralogisches Museum der Universität Breslau
Auch andere Persönlichkeiten verfielen dem Reiz des Chrysoprases. Pope Leo XII trug einen Ring mit niederschlesischem Chrysopras, Queen Victoria bevorzugte dagegen Broschen und Schmuckstücke, und Johann Wolfgang von Goethe, selbst begeisterter Geologe, legte eine bedeutende Chrysoprassammlung an, die heute in Weimar zu sehen ist. Sogar bei der Ausschmückung der St. Wenceslas Chapel auf dem Prague Castle fand das Mineral Verwendung.
Ein Dessert in Chrysopras-Grün
Während die Welt vor dreihundert Jahren vom satten Grün der Chrysoprase begeistert war, liegt heute die zartgrüne Pistazie im Trend. Spätestens seit dem Erfolg der Dubai chocolate und der unzähligen Pistaziencremes hat sie Konditoreien und soziale Medien gleichermaßen erobert. Gegen diesen Strom möchte ich ein feines, mehrschichtiges Dessert vorschlagen, das von der Farbe des einzigartigen niederschlesischen Chrysoprases inspiriert wurde.

Ein erfrischendes Dessert für heiße Tage: eine goldene Geleeschicht und feine Minzmousse, ge-krönt mit frischen Früchten der Honigbeere.
Foto: Małgorzata Janik
Darin vereinen sich drei Schätze des Frühsommers: Holunderblüten, Minze und Honigbeeren. Die untere Schicht aus goldenem Holunderblütengelee erinnert an die leuchtende Tiefe des Chrysoprases, während die cremige Frischkäse-Minz-Mousse seine charakteristische grünliche Färbung aufgreift. Die angenehm säuerlichen Honigbeeren durchbrechen die Süße des Desserts und verleihen der Komposition eine erfrischende Leichtigkeit.
Schichtdessert mit Gelee in Chrysopras-Grün
Für das Holunderblütengelee benötigen wir 500 ml heißen Holunderblütenaufguss, dem wir 2 Esslöffel Akazienhonig und 1 Esslöffel Zitronensaft hinzufügen. 10 g Gelatine lösen wir in einem Teil des Aufgusses auf, geben sie anschließend zum restlichen Aufguss und verrühren alles gründlich, bis sich die Gelatine vollständig aufgelöst hat. Nach kurzem Abkühlen füllen wir die Flüssigkeit in vier Dessertgläser oder kleine Einmachgläser und stellen sie kalt.

In einem schattigen Winkel des historischen Parks in Kamenz ist ein erfrischendes Dessert die perfekte Idee für eine Pause nach der Besichtigung der weitläufigen Schlossanlage. Foto: Małgorzata Janik
Anschließend bereiten wir die Minzcreme zu: Eine Handvoll Minzblätter wird mit 1 Esslöffel Honig und einer Prise Salz zu einer glatten Masse püriert (für eine intensivere grüne Farbe kann etwas Minzlikör hinzugefügt werden).
Im nächsten Schritt lösen wir 8 g Gelatine in 50 ml warmem Wasser auf. Während die Gelatine quillt, schlagen wir 250 g Frischkäse mit 2 Esslöffeln Puderzucker zu einer luftigen Creme auf und geben anschließend das Minzpüree sowie die Gelatine hinzu.
100 ml Sahne (30 % Fett) schlagen wir halbsteif und heben sie vorsichtig unter die Frischkäse-Minz-Masse. Die Creme wird auf das gekühlte Gelee verteilt und anschließend für mindestens 2 Stunden erneut in den Kühlschrank gestellt.
Vor dem Servieren dekorieren wir das Dessert mit Honigbeeren, einer gefrorenen Himbeere und frischen Minzblättern.