Ein historisches Textil erzählt Geschichte

„Ein seltener Damast erzählt vom Frieden von Dresden”

13 Juni 2026, 12:00 Geschichte

Der Krieg ist vorbei – zumindest für einen Moment. Drei Herrscher stehen einander gegenüber, der Kriegsgott Mars hat seine Waffen niedergelegt, und aus Feinden sind Freunde geworden – so erzählt es zumindest ein fein gewebtes Stück Stoff. Das Schmucktuch zum Frieden von Dresden vom 25. Dezember 1745 ist kein lautes Denkmal. Es verkündet seinen Triumph nicht in Stein oder Bronze, sondern in Damast, in Rosa und Weiß, eingewebt mit Worten und Bildern. Gerade darin liegt seine besondere Wirkung.

Der Frieden von Dresden beendete den Zweiten Schlesischen Krieg zwischen Preußen, Sachsen und Österreich. Mit ihm wurde bestätigt, was auf den Schlachtfeldern zuvor hart umkämpft worden war: Schlesien fiel endgültig an Preußen. Für Friedrich II. bedeutete dies den Durchbruch zur europäischen Großmacht, für Maria Theresia eine schmerzhafte, aber notwendige Anerkennung der neuen politischen Realität. Dass dieser Friede ausgerechnet am ersten Weihnachtstag geschlossen wurde, verlieh ihm eine zusätzliche symbolische Aufladung – Frieden nicht nur als politischer Akt, sondern als verheißungsvolles Versprechen.

All dies spiegelt sich in dem etwa 96 × 82 Zentimeter großen Friedenstuch wider. In feinem Leinendamast erscheinen die drei „Götter dieser Erde“: König August III. von Sachsen, Maria Theresia von Österreich und Friedrich der Große. Unter ihnen steht in Reimform geschrieben, was man sehen soll: Friedrich führt den Frieden ein / Mars muss allhier ruhig sein. Das Tuch als Medium politischer Kommunikation übersetzt komplexe Diplomatie in eine leicht lesbare Bildsprache.

Das seltene Friedenstuch von 1745 erzählt in feinem Damast vom Frieden von Dresden und gehört zu den außergewöhnlichsten erhaltenen Textilien seiner Art.
Foto: Schlesien heute

Solche Friedenstücher waren im 18. Jahrhundert kostbare Erinnerungsstücke. Sie wurden nicht für den täglichen Gebrauch gefertigt, sondern zum Aufhängen, Betrachten, Erzählen und Würdigen. Entsprechend selten haben sie die Zeit überdauert. Vergleichbare Exemplare zum Frieden von Dresden befinden sich heute nur in wenigen Museen, etwa in Hamburg oder in Jelenia Góra (Hirschberg). Das nun bekannt gewordene Tuch unterscheidet sich jedoch von diesen Stücken in Farbgebung, Komposition sowie Ausführung und gilt bislang als einzigartig.

Seine Geschichte endet nicht im 18. Jahrhundert. Über viele Jahrzehnte befand sich das Friedenstuch im Besitz von Hans Juppe (1888–1973) und seiner Frau Lis, geborene Kurzbach (1892–1983), beide aus Schweidnitz in Schlesien. In der Familie wurde es von Generation zu Generation weitergegeben und gelangte von Schlesien nach Berlin, Nagold und Tübingen. So wurde aus einem politischen Erinnerungsobjekt ein familiäres, und ein Stück europäischer Geschichte fand ganz selbstverständlich Eingang in den Alltag. Für seinen letzten Eigentümer war der Anblick des Bilddamastes als Wandschmuck im Wohnzimmer seiner Mutter vertraut. Von ihm wurde das Friedenstuch dem Schlesischen Museum zu Görlitz zum Kauf angeboten.

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Hier ergänzt es die bestehende Sammlung frühneuzeitlicher Friedensdamaste in signifikanter Weise: Neben einem Tuch zum Frieden von Hubertusburg von 1763, der den Dritten Schlesischen Krieg beendete, sowie einem Exemplar zum Frieden von Teschen von 1779, der den Bayerischen Erbfolgekrieg zwischen Österreich und Preußen abschloss, markiert das Dresdner Friedenstuch nun den frühesten Punkt dieser Abfolge. Gemeinsam veranschaulichen diese Objekte die zentrale Rolle Schlesiens in den militärischen und diplomatischen Konflikten des 18. Jahrhunderts – und zeigen, wie Frieden nicht nur verhandelt, sondern auch eingewebt und dauerhaft sichtbar gemacht wurde.

Marian Reisinger

Dieser Artikel erscheint in Kooperation mit der Redaktion ‚Schlesien heute‘

www.schlesien-heute.de

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