Einsamer Kampf für die Freiheit

18 April 2026, 17:00 Kultur 23

Vortrag von Dr. Sebastian Rosenbaum über Eduard Pant und den Anti-Hitler-Widerstand in Oberschlesien

Im Dokumentations- und Ausstellungszentrum der Deutschen in Polen – einer Abteilung der Öffentlichen Woiwodschaftsbibliothek in Oppeln – fand eine Veranstaltung aus der Reihe „Goldener Vortrag“ statt. Diese vom Forschungszentrum der Deutschen Minderheit (FZDM) organisierte Veranstaltung bot Gelegenheit zur Präsentation einer monumentalen Publikation: „Das wahre Deutschtum ist nicht in den Reihen des Nationalsozialismus“. Deren Herausgeber, Dr. Sebastian Rosenbaum, stellte während seines Vortrags nicht nur den Inhalt des Buches vor, sondern vor allem die dramatische Figur des Eduard Pant – eines Mannes, der in Oberschlesien einen einsamen Kampf gegen die totalitäre Maschinerie des Dritten Reiches aufnahm.

Die Publikation ist eine Auswahl publizistischer Texte aus der Kattowitzer Wochenzeitung „Der Deutsche in Polen“ aus den Jahren 1934–1939. Wie Dr. Rosenbaum während des Vortrags betonte, handelt es sich nicht um eine klassische Monografie, die man von vorne bis hinten durchliest. Es ist eine reichhaltige Quelle von Texten, die im originalen Wortlaut der deutschen Sprache belassen wurden.

„Pant nahm einen einsamen Kampf gegen die totalitäre Maschinerie des Dritten Reiches in Oberschlesien auf.“

Die Entscheidung, die Texte in der Originalsprache zu belassen, war bewusst und geschah aus Respekt vor dem historischen Kontext: „In dieser Publikation bewahren wir die Sprache, in der diese Texte entstanden sind, also das Deutsche, das in der Zwischenkriegszeit in der Woiwodschaft Schlesien tatsächlich Alltagssprache der damaligen deutschen Minderheit war“, betonte der Forscher.

Eduard Pant: Intellektueller auf der Barrikade

Die zentrale Figur des Vortrags war Dr. Eduard Pant. Geboren 1887, ausgebildeter Philologe und aus Überzeugung gläubiger Katholik, war er ein Mensch mit einer äußerst komplexen Innenwelt: „Er hatte als praktizierender und gläubiger Katholik spezifische Interessen, nämlich war er ein Liebhaber Nietzsches. Nietzsche offenbarte die Krise der europäischen Zivilisation, und Pant war überzeugt, dass diese Krise tatsächlich deutlich ist“, beschrieb Dr. Rosenbaum.

Ein Moment für die Leser – der Autor Dr. Sebastian Rosenbaum signiert Exemplare des neuen Buches nach dem Vortrag. Foto: Manuela Leibig

Pant, Mitglied der deutschen Minderheit in Polen, war ein Politiker von gesamtpolnischem Format: Abgeordneter des Schlesischen Sejm, dessen Vizemarschall sowie Senator der Republik Polen. Alles änderte sich 1933. Während ein großer Teil der Führungspersönlichkeiten der deutschen Minderheit begann, eine Verständigung mit dem neuen Regime zu suchen, nahm Pant eine unversöhnliche Haltung ein. Wie Rosenbaum sagte: „Pant vertritt in diesem Moment eine völlig andere Position, nämlich: Wir als Deutsche und als Christen müssen Hitler und diese Bewegung, also die NSDAP, beim Namen nennen, das heißt anerkennen, dass dies etwas ist, das protoverbrecherisch ist.“

Der Preis für das „Nein“

Der Preis für diese Unbeugsamkeit war enorm. Berlin verhängte eine finanzielle Blockade und sandte ein klares Signal an die Minderheitenorganisationen: „Jede deutsche Institution, die auch nur die geringste Zusammenarbeit mit Pant aufnimmt, bekommt keine einzige Reichsmark. Wenn jemand eine Veranstaltung mit Pant macht, ist es aus – ihr bekommt kein Geld.“

Dr. Sebastian Rosenbaum während seiner spannenden Erzählung über das Schicksal von Eduard Pant. Moderiert wurde das Treffen von Dr. Michał Matheja, Vorsitzender des Forschungszentrums der Deutschen Minderheit (FZDM) in Oppeln. Foto: Manuela Leibig

In der Folge wurde Pant aus allen Minderheitenstrukturen verdrängt: „Er wird nach und nach von allem abgedrängt. Er wird aus der Redaktion geworfen, ist nicht mehr Chefredakteur. Im Rahmen einer Intrige wird er aus dem Bund der Deutschen Katholiken entfernt. Bereits um die Wende der Jahre 1933/34 ist er praktisch ein völlig marginalisierter Mensch“, beschrieb Dr. Rosenbaum.

Genau in diesem Moment entstand „Der Deutsche in Polen“. Obwohl die Auflage nur etwa 5.000 Exemplare betrug, wurde die Zeitschrift zu einem Magneten für die herausragendsten Köpfe der deutschen Emigration gegen Hitler, wie Dietrich von Hildebrand oder Waldemar Gurian. Die Zeitschrift wurde unter anderem an Universitäten und Forschungszentren in Deutschland verschickt.

Die Wochenzeitung wurde zu einem intellektuellen Zentrum, in dem – so der Forscher – „Gurian ein neues thematisches Element einbringt, nämlich den Vergleich des Nationalsozialismus mit dem Bolschewismus. Er zeigt Ähnlichkeiten und geradezu verwandte Elemente.“

Gegengift für die Giftstoffe der Sprache

Pants wichtigste Mission war jedoch der Kampf um die Seele und die Sprache der Nation: „Das ist eine Wochenzeitung, die zu einer Zeit, als die deutsche Sprache auf schreckliche Weise mit den Giftstoffen dieser vollkommen verbrecherischen Ideologie getränkt wird, eine Art Gegengift schafft. Sie liefert eine Sprache, auf die man wird zurückgreifen können, wenn Hitler nicht mehr da ist.“

Publikacja „Das wahre Deutschtum ist nicht in den Reihen des Nationalsozialismus” – owoc wnikliwych badań dr. Sebastiana Rosenbauma.

Die Autoren der Zeitschrift sagten die kommende Katastrophe mit erstaunlicher Genauigkeit voraus. Dr. Rosenbaum zeigte sich bewegt: „Ich war erschüttert, als ich darauf stieß. Als sie 1937 behaupten, dass das gesamte antisemitische Programm Hitlers auf Vernichtung abziele.”

Tragische Einsamkeit und Vergessenheit

Rosenbaums Vortrag war auch eine schmerzhafte Reflexion über die Undankbarkeit der Geschichte. Pant kämpfte an zwei Fronten: gegen den Nationalsozialismus und gegen die polnische Sanacja, die ihn nach dem Nichtangriffspakt von 1934 als unbequemen „Störenfried“ betrachtete.

Eduard Pant starb 1938. Heute ist er eine nahezu völlig vergessene Figur: „Wir hatten wunderbare, engagierte Menschen in Kattowitz, und niemand erinnert sich daran.”

Fazit: Ein Ruf in der Wüste

Der Abschluss des „Goldenen Vortrags“ enthielt einen wichtigen Appell. Die vom FZDM herausgegebene Publikation ist nicht nur eine wissenschaftliche Arbeit, sondern ein Akt der Gerechtigkeit gegenüber Menschen, die alles riskierten.

Heute, dank des Engagements von Forschern wie Dr. Sebastian Rosenbaum, kann die Stimme von Eduard Pant wieder erklingen. Die darin enthaltenen Artikel aus dem „Deutschen in Polen“ sind auch nach 90 Jahren ein eindringliches Memento und erinnern daran, dass Würde und Meinungsfreiheit Werte sind, für die es sich lohnt, jeden Preis zu zahlen.

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