Gewürdigt für den Dialog

Die Preisträger der „Brücken des Dialogs 2026“

4 Juni 2026, 12:00 Kultur , Nachrichten

Im Jan-Kochanowski-Theater in Oppeln erklangen erneut Gespräche über Verständigung, gemeinsame Geschichte und eine Zukunft, die über Grenzen hinweg gestaltet wird. Die Gala „Brücken des Dialogs 2026“ versammelte Vertreterinnen und Vertreter aus Kultur, Wissenschaft, Politik und gesellschaftlichen Organisationen und wurde damit zu einem der wichtigsten Ereignisse des Jahres in der Region – insbesondere für die deutsche Minderheit. In diesem Jahr erhielt die Idee der Annäherung der Völker eine besonders starke Stimme.

Der Preis „Brücken des Dialogs“ ist keine gewöhnliche offizielle Auszeichnung wie viele andere im Kulturkalender. In Oberschlesien – einem Gebiet mit einer komplexen, vielschichtigen Geschichte – besitzt er den Rang eines Symbols höchster Anerkennung für Verdienste um den deutsch-polnischen Dialog und die europäische Integration. Seit Jahren verliehen, hat er sich zu einem prestigeträchtigen Wegweiser entwickelt, der zeigt, dass Respekt vor dem Anderen, Pflege der eigenen Identität und Offenheit gegenüber dem Nachbarn grundlegende Werte sind.

Alle Preisträger der Brücken des Dialogs 2026, v.l.n.r.: Dr. habil. Joanna Ryszka, Prof. Joanna Rostropowicz, Dr. Christoph Bergner, Tomasz Siemoniak, Heinrich Hering, Jan Spindler, Paulina Widera.
Foto: Stefani Koprek-Golomb

Die Jury stand vor einer äußerst schwierigen Aufgabe, als sie die Preisträger in mehreren Kategorien auswählte. Jede Nominierung stand für jahrelange Arbeit, doch die diesjährigen Auszeichnungen gingen an jene, die den Dialog besonders sichtbar in den Alltag übersetzen.

Wissenschaft über Grenzen hinweg

In der Kategorie „Institutionen“ war der Wettbewerb besonders ausgeglichen. Unter den Nominierten befanden sich das Oppelner Wissenschaftszentrum sowie das Museum des Oppelner Schlesiens, das seit Jahrzehnten das multikulturelle Erbe der Region pflegt. Den Preis erhielt schließlich die Universität Oppeln für den einzigartigen trinationalen Studiengang EUROPA MASTER.

Den Preis in der Kategorie „Institutionen“ erhielt die Universität Oppeln für den trinationalen Studiengang EUROPA MASTER. Die Auszeichnung nahm Dr. habil. Joanna Ryszka entgegen.
Foto: Stefani Koprek-Golomb

Dieses gemeinsam von Polen, Deutschland und Frankreich getragene Programm ist ein lebendiger Beweis dafür, wie moderne Bildung Grenzen überwinden kann. Bei der Entgegennahme der Auszeichnung betonte Dr. habil. Joanna Ryszka von der Universität: „Ich möchte, dass unsere Jugend weiterhin auf eine so universelle, breite und internationale Weise ausgebildet wird. Wir werden alles tun, damit dieser Studiengang fortgeführt wird und junge Menschen weiterhin für Europa öffnet“, erklärte Prof. Ryszka.

Bescheidenheit, Engagement und 35 Jahre Identitätsarbeit

Sehr spannend war die Liste der Nominierten in der Kategorie „Nichtregierungsorganisationen“. Neben dem Verband Schlesischer Bauern und der Deutschen Bildungsgesellschaft stand auch der Bund der Jugend der Deutschen Minderheit in der Republik Polen (BJDM). Schließlich ging die Brücken-des-Dialogs-Statuette 2026 an die Vertreter der jungen Generation.

„Dialog ist für unsere Jugend kein leeres Schlagwort – wir leben ihn jeden Tag in der Praxis. Wir möchten diese Arbeit mit demselben Engagement weitere 35 Jahre fortsetzen.“
Paulina Widera

Die Auszeichnung würdigt die Rolle der Organisation in der gesellschaftlichen Arbeit in Oberschlesien und ganz Polen: die Aktivierung junger Menschen, Sprachförderung sowie die Pflege von Kultur und Identität. Der Verband erhielt die Auszeichnung im Jahr seines 35-jährigen Jubiläums.

Die Vorsitzende des BJDM, Paulina Widera, bedankte sich für den Preis in der Kategorie „Nichtregierungsorganisationen“, den der Bund der Jugend der Deutschen Minderheit in der Republik Polen (BJDM) erhalten hat.
Foto: Stefani Koprek-Golomb

Die Vorsitzende des BJDM, Paulina Widera, bedankte sich sichtlich bewegt: „Ich bin sehr gerührt, aber stehe hier auch mit großer Bescheidenheit, denn der BJDM existiert bereits seit 35 Jahren. Ich denke an die tausenden jungen Menschen, die in dieser Zeit ihre Freizeit, Energie und ihr Herz in den Aufbau von Brücken des Dialogs, Sprache und Kultur investiert haben. Das ist eine Mission, die wir bis heute fortführen. Dialog ist für unsere Jugend kein leeres Schlagwort – wir leben ihn jeden Tag in der Praxis. Wir möchten diese Arbeit mit demselben Engagement weitere 35 Jahre fortsetzen.“

„Dialogos“ – Verständigung durch Gespräch

Auch die individuelle Kategorie sorgte für große Emotionen. Nominiert waren herausragende Persönlichkeiten: Waldemar Gielzok, Prof. Joanna Rostropowicz sowie Henryk Juretko, die seit Jahren zur Entwicklung der deutsch-polnischen Beziehungen beitragen.

Den Preis in der Kategorie „Menschen“ erhielt Prof. Joanna Rostropowicz (im Bild v.l.n.r.: Henryk Juretko, Prof. Joanna Rostropowicz, Waldemar Gielzok).
Foto: Stefani Koprek-Golomb

Die Auszeichnung in der Kategorie „Menschen“ erhielt Prof. Joanna Rostropowicz – eine bedeutende Forscherin, Klassische Philologin und Wissenschaftlerin, die ihr gesamtes Leben der Erforschung und Vermittlung der komplexen Geschichte Schlesiens gewidmet hat.

In ihrer Dankesrede zeigte sie sich überrascht und tief geehrt. Sie erinnerte daran, dass das altgriechische Wort „dialogos“ für die Griechen die gemeinsame Suche nach Verständigung durch das Gespräch bedeutete. Sie betonte, dass Oppeln als historische Hauptstadt diese Funktion hervorragend erfülle, da Konsens hier tatsächlich durch Dialog entstehe.

Sonderpreis

Ein besonderer Programmpunkt war die Verleihung des Sonderpreises an den Partnerschaftsverband Rheinland-Pfalz. Dessen Vertreter Heinrich Hering betonte, dass der Erfolg der langjährigen Partnerschaft mit der Region Oppeln auf Respekt und Neugier gegenüber dem Anderen beruhe.

„Dieser gute Dialog ist offen, demokratisch und vorbildlich. Wenn wir Menschen kennenlernen, überwinden wir Gräben. Mit jedem gelungenen Dialog entzünden wir ein Licht.“
Heinrich Hering

Er verwies zudem auf den direkten Zusammenhang zwischen dieser Zusammenarbeit und dem Studiengang Europa Master, dessen Entstehung Ergebnis dieser regionalen Partnerschaft war. Einer der Absolventen des Programms ist der heutige Geschäftsführer des Verbandes, Jan Spindler.

Den Sonderpreis nahmen für den Partnerschaftsverband Rheinland-Pfalz/4er-Netzwerk nahmen der Präsident Heinrich Hering und der Geschäftsführer Jonathan Spindler entgegen.
Foto: Stefani Koprek-Golomb

„Dieser gute Dialog ist offen, demokratisch und vorbildlich. Wenn wir Menschen kennenlernen, überwinden wir Gräben. In Zeiten vieler dunkler Orte sollten wir den Optimismus bewahren. Mit jedem gelungenen Dialog entzünden wir ein Licht und erhellen das Leben der Menschen. Ich glaube, dass Demokratie und echter Dialog letztlich stärker sind als die Kräfte der Dunkelheit“, sagte Hering.

Goldene Brücken des Dialogs

Die höchsten Auszeichnungen des Abends – die Goldenen Brücken des Dialogs – gingen an zwei zentrale Persönlichkeiten des deutsch-polnischen Dialogs: Tomasz Siemoniak und Christoph Bergner. Eine ausführliche Laudatio hielt Bernard Gaida.

Mit der Goldenen Brücke des Dialogs wurden Tomasz Siemoniak und Dr. Christoph Bergner ausgezeichnet (im Bild v.l.n.r.: Szymon Ogłaza, Tomasz Siemoniak, Dr. Christoph Bergner, Ryszard Galla, Bernard Gaida).
Foto: Stefani Koprek-Golomb

Die Preisträger erinnerten in ihren Reden mit Humor und Nostalgie an gemeinsame Jahre der Zusammenarbeit, insbesondere im historischen Unterausschuss für Minderheiten (Runder Tisch). Christoph Bergner bezeichnete die Woiwodschaft Oppeln als „Woiwodschaft des Dialogs und der Vielfalt“ und wandte sich direkt an seinen polnischen Kollegen: „Tomasz, du hattest immer Respekt vor der Sichtweise des anderen – das war entscheidend für unseren Dialog“, sagte Bergner und beendete seine Rede mit einem herzlichen „Danke“.

Oppeln als Raum der Begegnung

Die Gala „Brücken des Dialogs 2026“ zeigte, dass die Idee des regionalen und internationalen Verständnisses in Oppelner Schlesien lebendig ist. Die Veranstaltung, organisiert mit Unterstützung des Hauses der Deutsch-Polnischen Zusammenarbeit und des Marschallamts der Woiwodschaft Oppeln, bestätigte den hohen Stellenwert der Multikulturalität der Region.

Eindrücke von der Verleihung der Brücken des Dialogs 2026
Die besten Bilder von der Gala

Eindrücke von der Verleihung der Brücken des Dialogs 2026

Mehr lesen →
30 Jahre im Dienst der Nächstenliebe
Wohltätigkeitsgesellschaft der Deutschen in Schlesien

30 Jahre im Dienst der Nächstenliebe

Mehr lesen →

Die Vielfalt der diesjährigen Preisträger – vom jugendlichen Engagement des BJDM über den akademischen Erfolg von EUROPA MASTER bis hin zur langjährigen Partnerschaft mit Rheinland-Pfalz und der politischen Verantwortung von Siemoniak und Bergner – zeichnete ein geschlossenes Bild der Region Oppeln als Raum des Dialogs.

Für die deutsche Minderheit ist dies ein klares Signal: Die gemeinsame Arbeit für Toleranz ist von großer Bedeutung, und die in Schlesien errichteten Brücken stehen auf einem stabilen Fundament.

Teilen:
Medikamente bald leichter zu haben
vorheriger Artikel

Medikamente bald leichter zu haben

„Poldi“ übernimmt die Macht: Wie Górnik Hindenburg verkauft wurde
nächster Artikel

„Poldi“ übernimmt die Macht: Wie Górnik Hindenburg verkauft wurde

Werbung

Ansichtssache