Wohltätigkeitsgesellschaft der Deutschen in Schlesien

30 Jahre im Dienst der Nächstenliebe

2 Juni 2026, 17:30 Kultur

Das Schloss in Stubendorf bot den würdigen Rahmen für ein besonderes Ereignis: Die Wohltätigkeitsgesellschaft der Deutschen in Schlesien hatte ihre 30. Jahresversammlung abgehalten und feierte dabei gleichzeitig ihr 30-jähriges Bestehen. Im Zentrum der Feierlichkeiten standen jene, ohne die diese Hilfe niemals möglich gewesen wäre: die engagierten Delegierten und ehrenamtlichen Helfer, die für ihr jahrzehntelanges ehrenamtliches Engagement geehrt wurden.

Seit ihrer Gründung im Jahr 1996 und der Registereintragung im November desselben Jahres hat sich die Wohltätigkeitsgesellschaft der Deutschen zu einem Netzwerk der Nächstenliebe in ganz Polen entwickelt. Agata Baron, Direktorin des Büros, blickt auf fast drei Jahrzehnte Tätigkeit zurück: „Ich arbeite in dieser Gesellschaft fast 30 Jahre. 1997 wurde ich eingestellt, und ich freue mich, dass ich so lange den Leuten Hilfe leisten kann. Für viele Menschen ist die Gesellschaft ein Synonym für Verlässlichkeit geworden“, so Baron. Sie betont, dass der Schlüssel für die Auszeichnungen die Initiative des Vorstandes war: Jede der 43 Zweigstellen durfte eine oder zwei besonders engagierte Personen vorschlagen.

Helmut Paisdzior der Mitbegründer der Wohltätigkeitsgesellschaft der Deutschen in Schlesien
Foto: Manuela Leibig

Die Geburtsstunde einer Vision

Einer der Väter dieser Erfolgsgeschichte ist Helmut Paździor, ehemaliger Abgeordneter im polnischen Sejm und Mitbegründer der Wohltätigkeitsgesellschaft. Er erinnert sich an den Drang, etwas Bleibendes zu schaffen: „Als Mitglied des Sozialausschusses spürte ich, dass die Menschen Unterstützung brauchten – gesundheitlich, finanziell oder bei Alltagsangelegenheiten, die sie allein nicht bewältigen konnten.“

Agata Baron: „Ich arbeite in dieser Gesellschaft fast 30 Jahre. 1997 wurde ich eingestellt, und ich freue mich, dass ich so lange den Leuten Hilfe leisten kann. Für viele Menschen ist die Gesellschaft ein Synonym für Verlässlichkeit geworden“.

Paździor war der Antreiber, der Menschen in den Gemeinden mobilisierte. Dabei war ihm eines von Anfang an wichtig: Hilfe kennt keine Nationalität. „Es ist eine deutsche Gesellschaft, aber die Hilfe ist für jeden da, der in Not ist und vielleicht nicht den Mut hat, selbst irgendwo anzuklopfen“, betont er.

Ein Netzwerk der Ehrenamtlichkeit

Gemäß der Satzung unterhält die Gesellschaft heute 43 Zweigstellen in ganz Polen. Wo keine eigenen Strukturen existieren, arbeitet man eng mit den DFKs zusammen. Diese Arbeit wäre ohne den unermüdlichen Einsatz der Ehrenamtlichen undenkbar. Jan Lenort, einer der Ausgezeichneten, bleibt bescheiden: „Ich habe die Auszeichnung bekommen, aber das sind Verdienste der gesamten Gesellschaft. Es ist ein Geschenk für alle Mitglieder, die über 30 Jahre ehrenamtlich mitgemacht haben. Die Feier heute ist vor allem eine große Freude, sich wieder zusammenzutreffen und ein paar Worte austauschen zu können“, sagt Lenort.

Jan Lenort wurde für sein Engagement bei der Wohltätigkeitsgesellschaft der Deutschen geehrt.
Foto: Manuela Leibig

Auch Vorstandsmitglied Oswald Salla aus Schulenburg unterstreicht die Opferbereitschaft der Anfangsjahre: „Ich mache das alles für die Leute, die wirklich Hilfe brauchen. Und das mache ich schon so viele Jahre.“ Er erinnert sich, wie er oft aus eigener Tasche für Benzin bezahlte, um Lebensmittelpakete zu verteilen: „Ich hatte kein Auto, doch die Lebensmittel mussten irgendwie an die Menschen gefahren werden, also bat ich immer jemanden, der ein Auto hatte.“

Oswald Salla aus Schulenburg, Vorstandsmitglied der Wohltätigkeitsgesellschaft der Deutschen in Schlesien
Foto: Manuela Leibig

Meilensteine der Hilfe

Ein entscheidender Wendepunkt war das Hochwasser 1997, bei dem die Gesellschaft sofort mobilisierte. In den Folgejahren prägten Kooperationen mit dem Deutschen Roten Kreuz (DRK) und der Caritas die Arbeit. Seit 2004 ist die Gesellschaft als gemeinnütziger Verein anerkannt, was es Steuerzahlern ermöglicht, 1,5 % ihrer Steuer zu spenden.

Renate Zajączkowska von der DSKG Breslau, hat die Wohltätigkeitsgesellesellschaft als langjährige Vorsitzende (2003–2021) geprägt.
Foto: Manuela Leibig

Renate Zajączkowska, die die Gesellschaft als langjährige Vorsitzende (2003–2021) prägte, hob die internationale Unterstützung hervor: „Dies alles wäre nicht zustande gekommen, wenn wir keine finanzielle Hilfe von der Bundesrepublik Deutschland über die Stiftung für die Entwicklung Schlesiens und den Verband der deutschen sozial-kulturellen Gesellschaften in Polen erhalten hätten. Aber was wären Finanzen ohne das Herzblut unserer Ehrenamtlichen?“ Die 95-Jährige wurde in Stubendorf ebenfalls für ihr Lebenswerk geehrt.

Neue Wege: Seniorenclubs und Nachbarschaftshilfe

Die Arbeit der Gesellschaft war von Anfang an vielfältig: von Seniorenkuren und Kinderfreizeiten über die Verteilung von Lebensmitteln aus der Lebensmittelbank. Seit einigen Jahren organisiert die Wohltätigkeitsgesellschaft Informations- und Gesundheitsveranstaltungen für Senioren sowie Studienreisen ins Dokumentations- und Ausstellungszentrum in Oppeln.

Vor einigen Jahren sind auch Seniorenclubs entstanden, u. a. in Nakel, Sowade, Dombrowka, Radlau, Tworkau, Broslawitz, Antonia oder Zlönitz. Dort verbringen Senioren Zeit miteinander auf verschiedene Weise: Gymnastik, Fahrradausflüge, Singen, Basteln, Busausflüge ins Theater oder Schwimmbad etc.

Klaus Leschik aus Sczedrzik gehört ebenfalls zu dem Ausgezeichneten
Foto: Manuela Leibig

Seit 2024 ist die Gesellschaft Partner im Projekt mit dem Titel: „Nicht-Selbst-Ständig (Nie-Sami-Dzielni) – Entwicklung von sozialen Diensten sowie zur Unterstützung pflegebedürftiger Personen“ – Zugang zu hochwertigen Gesundheits- und Sozialleistungen im Bereich der Sozialdienste – Unterstützung pflegebedürftiger Personen durch die Erbringung von Nachbarschaftspflegediensten. Dieses Projekt wird im Rahmen des Programms „Europäische Fonds für die Region Oppeln 2021–2027“ umgesetzt. Die Gesellschaft beschäftigt im Rahmen des Projekts 30 geschulte Betreuungskräfte für 30 pflegebedürftige Personen, die in der Woiwodschaft Oppeln leben.

Teresa Chluba, Mitglied des Seniorenclubs Nakel gehört auch zu den Ausgezeichneten
Foto: Manuela Leibig

Die Feier in Stubendorf, musikalisch untermalt von Oskar Koziołek-Goetz, war mehr als nur ein Rückblick. Sie war ein Versprechen für die Zukunft. Delegierte wie Maria Wodara aus Kreuzburg schöpfen aus der Hilfe selbst neue Kraft: „Solange ich kann, mache ich weiter. Es gibt so viel Freude zurück, wenn man Menschen glücklich sieht.“ Dem pflichtet Margaretha Lepsy aus Ober Kunzendorf bei: „Es war nicht immer leicht, aber für einen Willigen gibt es nichts Schweres.“

Durch die Wohltätigkeitsgesellschaft der Deutschen in Schlesien geleistete Hilfe (1997–2025)

  •  Zuschüsse der Bundesregierung (BRD) für Senioren-Rehabilitation und Kindererholung:
    o 1998–2005: Zuschüsse in Höhe von 6.700.000 PLN an die Caritas der Diözese Oppeln; die Wohltätigkeitsgesellschaft übernahm die Rekrutierung. 11.185 Senioren nutzten die Kuren, 2.890 Kinder besuchten Ferienlager.
    o Seit 2006: Direkte Zuschüsse an die Wohltätigkeitsgesellschaft in Höhe von 6.028.133 PLN. Davon profitierten 9.734 Senioren (Kuren) und 140 Kinder (Ferienlager).
  • Finanzielle Unterstützung (BRD-Mittel): Für Personen mit einem Einkommen unter dem Existenzminimum seit 1999: insgesamt 7.101.856 PLN für 11.083 Personen.
  • Medikamenten-Rückerstattung (BRD-Mittel): Für bedürftige Personen: 38.823 PLN für 273 Personen.
  • Lebensmittelpakete (BRD-Mittel): Für Personen unter dem Existenzminimum: 201.028 PLN für 1.071 Personen.
  • Gesundheitsvorträge und Studienreisen für Senioren (2022–2025): Zuschüsse der Bundesregierung in Höhe von 66.771 PLN.
  • Betrieb von Seniorenclubs (2023–2025): Zuschüsse der Bundesregierung in Höhe von 314.453 PLN.
  • Kulturelle Darbietungen (Konsulat der BRD): Während der Senioren-Reha-Kuren: 127.145 PLN.
  • Notfallhilfe bei schweren Schicksalsschlägen: (Krankheit, Katastrophen etc.): 156.800 PLN für 462 Personen.
  • 1,5 % Steuerspenden (seit 2004): Als gemeinnützige Organisation (OPP) wurden 86.708,60 PLN an 212 Personen in schwierigen Lebenslagen ausgezahlt.
  • Mitgliedsbeiträge und sonstige Spenden: (u. a. von Kurteilnehmern): 2.178.943 PLN; Hilfe für 6.578 Personen.
  • Spenden für Hochwasseropfer (1997): 119.094 PLN von Spendern aus dem In- und Ausland für 238 Familien.
  • Öffentliche Sammlung (2015): In Zusammenarbeit mit dem VdG während des Kulturfestivals in Breslau für die behinderten Kamila und Bartosz: 9.350 PLN.
  • Spenden der Caritas der Diözese Oppeln (1998–2004): 128.105 PLN für 246 Personen in finanzieller Not.
  • Spenden des Wahlkomitees der Deutschen Minderheit: 134.703 PLN für 274 Personen in schwierigen finanziellen Situationen.
  • Sachspenden ausländischer Institutionen: Gesamtwert 2.091.144 PLN (Schulausstattung, Computer, Kleidung, Rollstühle etc.).
  • Medizinische Geräte für Krankenhäuser (1999–2001): Im Wert von 2.699.313 DM (Deutsche Mark).
  • Sachspenden der Lebensmittelbank (Bank Żywności) Oppeln: Gesamtwert 3.129.407,91 PLN. Jährlich erhielten früher 1.800 Personen kostenlos Lebensmittel, derzeit sind es 195 Personen.
  • Studienreise nach Warschau (2019): Für 50 Personen; Zuschuss von 4.748 PLN.
  • Projekt „Opolski Senior“ (Nachbarschaftshilfe): Betreuung für 40 alleinstehende, hilfsbedürftige Personen (2019–2023); Projektwert: 747.952 PLN.
  • Projekt „Nie-Sami-Dzielni“ (Nachbarschaftshilfe): Betreuung für 30 alleinstehende, hilfsbedürftige Personen (2024–2025); Projektwert: 586.622 PLN.
  • Zuschüsse der Stiftung für die Entwicklung Schlesiens (2021–2025): 23.800 PLN für satzungsgemäße Zwecke.
  • Kommunale Zuschüsse (Gemeinden/UG):
    o Gogolin (2023): 86.238 PLN für Assistenzdienste.
    o Ozimek (2023–2025): 22.406 PLN für den Seniorenclub.
    o Prószków (Proskau) (2023–2025): 88.413 PLN für den Seniorenclub.
    o Chrząstowice (Chronstau) (2023): 39.996 PLN für den Seniorenclub.
    o Krapkowice (Krappitz) (2022–2023): 9.000 PLN für den Seniorenclub.
  • Marschallamt der Woiwodschaft Oppeln (2022): 5.000 PLN für Infrastruktur.
    Gesamtbilanz:
  • Gesamtwert der geleisteten Hilfe: 35.656.177 PLN
  • Anzahl der unterstützten Personen: 49.194 (viele davon mehrfach/zyklisch)

 

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