Der St. Annaberg ist seit Jahrhunderten ein besonderer Ort auf der Landkarte Schlesiens. Am 7. Juni 2026 wird dieser heilige Ort erneut zu einem Raum der Begegnung der Nationalitäten und Kulturen. Die Wallfahrt der nationalen und ethnischen Minderheiten ist ein Ereignis, das Generationen verbindet, die Pflege heimischer Traditionen ermöglicht und – wie Pfarrer Dr. habil. Andrzej Anderwald, Seelsorger der Minderheiten in der Diözese Oppeln, sagt – „den Glauben im Lichte des Erbes der Vorfahren belebt“.
Das „Beten mit den Füßen“ und das Bedürfnis des Herzens
Für die Gemeinschaft der deutschen Minderheit sowie anderer ethnischer Gruppen ist das jährliche Treffen zu Füßen der heiligen Anna weit mehr als nur ein Termin im Kalender. Es ist Ausdruck der christlichen Natur, die untrennbar mit dem „Unterwegssein“ verbunden ist.

Für die Gemeinschaft der deutschen Minderheit sowie anderer ethnischer Gruppen ist das jährliche Treffen zu Füßen der heiligen Anna weit mehr als nur ein Termin im Kalender.
Foto: Stefani Koprek-Golomb
„Das Pilgern ist in die Natur des Christseins eingeschrieben. Der Christ ist ein Mensch, der unterwegs ist, und für einen Christen ist eine solche Anwesenheit auf dem St. Annaberg etwas, das aus einem Bedürfnis des Herzens entspringt“, betont Pfarrer Prof. Andrzej Anderwald. Er fügt lächelnd hinzu, dass das traditionelle „Beten mit den Füßen“ es erlaube, Abstand vom täglichen Stress zu gewinnen.
Begegnung in der „Sprache des Herzens“
Einer der wichtigsten Pfeiler dieser Wallfahrt ist die Liturgie in deutscher Sprache. Diese Tradition wurde vor Jahren von Erzbischof Alfons Nossol initiiert und besteht bis heute als Schlüsselelement der Identität der Bewohner Oberschlesiens fort.
„Diese Sprache ist dort an diesem Ort ein solches Element der Identität der Bewohner Oberschlesiens. Jener, die sich mit diesem aus der deutschen Kultur stammenden Erbe der Vergangenheit dieses Gebiets identifizieren. Es ist eine Möglichkeit, an diesem Tag die Liturgie in deutscher Sprache zu erleben, mit Gesängen und musikalischer Umrahmung“, erklärt Pfarrer Anderwald.

Annaberg.
Foto: Stefani Koprek-Golomb
Ein Programm voller Gemeinschaft
Die für den 7. Juni 2026 geplante Veranstaltung bietet ein reiches Programm, das die Ernsthaftigkeit des Gebets mit der Freude am gemeinsamen Feiern verbindet:
· 10:00 Uhr – Gemeinsames Gebet zu Beginn des Treffens.
· 11:00 Uhr – Zentraler Punkt: Eucharistiefeier in der Lourdes-Grotte, in einem besonderen Rahmen unter Mitwirkung von Chören und Orchestern.
· 13:00 Uhr – Festival der Kinder- und Jugendgruppen der deutschen Minderheit beim Pilgerheim. Eine Zeit, in der die junge Generation ihre Talente und ihre Verbundenheit zur Kultur präsentiert.
· 14:30 Uhr – Andacht zu Ehren der heiligen Anna in der Basilika.
Hier wird das „Licht nicht ausgeschaltet“
In Zeiten, in denen oft von einer Glaubenskrise die Rede ist, vermittelt die Wallfahrt der Minderheiten auf dem St. Annaberg ein ganz anderes Bild von Gemeinschaft. Der Anblick von Mehrgenerationenfamilien, von Kindern bis hin zu Senioren, die gemeinsam beten, erfüllt mit Optimismus.
Die jährliche Wallfahrt auf den St. Annaberg bleibt ein wichtiges Zeichen von Gemeinschaft, gelebtem Glauben und lebendiger Tradition, das Generationen der nationalen und ethnischen Minderheiten in der Region miteinander verbindet.
„Obwohl wir vielleicht weniger Menschen bei der Sonntagseucharistie in der Heimatpfarrei erleben, können wir dort doch eine beachtliche Gruppe von Menschen treffen, die sich in verschiedenen Altersgruppen zum Glauben bekennen. Das belebt, es steht im Kontrast zu den verschiedensten pessimistischen Botschaften, dass wir im Grunde schon das Licht ausschalten. Auf dem St. Annaberg nicht – dort ist ein bisschen mehr Leben“, so Pfarrer Anderwald.

Einladung für jeden
Die Organisatoren – der Verband der deutschen sozial-kulturellen Gesellschaften in Polen (VdG) sowie die Seelsorge der nationalen und ethnischen Minderheiten der Diözese Oppeln – laden alle herzlich ein: Nicht nur die Vertreter der Minderheiten, sondern jeden, der die Multikulturalität und den Reichtum des Oppelner Schlesiens erleben möchte.
Die Veranstaltung wird durch das Bundesministerium des Innern und für Heimat (BMI) finanziert.
Bis bald am 7. Juni auf dem Annaberg!
Manuela Leibig