5. Sonntag nach Trinitatis
Lesungen: 1. Mose 12,1–4a; 1. Korinther 1,18–25
Predigttext: Lukas 5,1–11
Da Simon Petrus das sah, fiel er Jesus zu Füßen und sprach: Herr, geh weg von mir! Ich bin ein sündiger Mensch. Denn ein Schrecken hatte ihn erfasst und alle, die mit ihm waren, über diesen Fang, den sie miteinander getan hatten.
Lukas 5,8–9
Selbstbewusster Petrus
Liebe Leserinnen und Leser,
Petrus ist schon eine besondere Person im Neuen Testament. Aber nicht wegen seiner Anerkennung in der katholischen Kirche als Prototyp des Papstes und des Papsttums. Es gibt unterschiedliche Theorien über ihn. Eine besagt, dass Petrus ursprünglich ein Jünger von Johannes dem Täufer war. Es kann sein, dass er Jesus schon eine Weile vor der Begegnung am Ufer des Sees Genezareth kannte. Über die Einzelheiten können wir spekulieren. Die Bibel legt dies nicht eindeutig fest und gibt Raum zum Nachdenken. Wesentlich ist das jedoch nicht. Wesentlich ist die Geschichte über den unerwarteten Fischfang und dessen Folgen.
Mich interessiert hier am meisten die oben zitierte Aussage des Petrus und sein Verhalten. Jesus predigte das Evangelium in seinem Fischerboot. Als die Menschenmengen gekommen waren, nutzte Jesus die natürliche Eigenschaft des Wassers, nämlich den Schall zu tragen. Petrus, auch wenn er müde war, hörte zu. Er saß ja direkt neben dem Herrn.
Und dann … unterbrach Jesus seine Predigt und ermutigte die Fischer zu ihrer Arbeit. Ein gewaltiger Erfolg! Aber Petrus ging es nicht um die Fische und den Gewinn. Er erkannte die Göttlichkeit Jesu. Die Verbindung von Wort und Wirken Jesu verstand er als das Handeln Gottes. Er war sich bewusst, dass der Mann, der in seinem Boot saß, ein außergewöhnlicher Prediger war. Er verkündigte das Evangelium mit Macht.
Die Nähe Jesu führt nicht nur zur Freude, sondern auch zur ehrlichen Selbsterkenntnis.
Deswegen fiel er vor Jesus auf sein Angesicht. Diese Haltung nahm man vor dem König, dem Kaiser oder vor Gott ein, um ihn zu verehren. Petrus sagt noch mehr: „Herr, geh weg von mir! Ich bin ein sündiger Mensch.“ Er erkennt seine eigene Unwürdigkeit, die es ihm nicht erlaubt, vor Jesu Angesicht zu bestehen. Er ist sich seiner Sünde bewusst. Die Begegnung mit Jesus ist zugleich eine Gelegenheit zur Auseinandersetzung mit dem eigenen Gewissen, die uns erkennen lässt, dass wir aus uns selbst heraus vor Jesus nicht gerecht werden können.
Diese Geschichte erzählt vom Anfang der Bekanntschaft, Freundschaft und Zusammenarbeit zwischen Jesus und Petrus. Sie hatte später ihre Höhen und Tiefen, trug aber zum Erfolg der Auferstehungsbotschaft und zur Aussendung des Heiligen Geistes bei.
Die Haltung des Petrus ist eine Einladung für uns. Auch wir begegnen Jesus – im Gebet, im Gottesdienst, im Gespräch mit anderen Menschen und in der Bibellektüre. Wie reagieren wir auf ihn? Wie lautet unsere Antwort auf seine Einladung zu Freundschaft, Zusammenarbeit und Gemeinschaft?
Amen.