15. Sonntag im Jahreskreis – A
1. Lesung: Jes 55,10–11
2. Lesung: Röm 8,18–23
Evangelium: Mt 13,1–23
Sprechen wir noch miteinander?
In den Ferien haben wir sicherlich mehr Zeit, um miteinander zu sprechen. Wir reden immer weniger miteinander. Laut den statistischen Angaben der Amerikanischen Zeitverwendungsforschung (ATUS) für die Jahre 2024–2025 gehen die täglichen Gespräche in den Familien nicht über eine halbe Stunde hinaus. Ältere Ehepaare (Senioren) kommen auf über eineinhalb Stunden. Jüngere, erwerbstätige Ehepaare erreichen an Werktagen lediglich 27 Minuten. Inhaltlich geht es meistens um den Haushalt und die Verwaltung von Terminen. Für Persönliches (Gespräche von Angesicht zu Angesicht) bleibt kaum Zeit. Noch weniger wird mit den Kindern im Rahmen der Kinderbetreuung gesprochen. Nimmt man den Wortaustausch „nebenbei“ heraus, zum Beispiel beim Essen, während einer Autofahrt, beim Erledigen der Hausaufgaben oder beim Spielen, bleiben für Gespräche mit dem Kind als eigene und selbstständige Tätigkeit etwa drei Minuten pro Tag. Das lässt nachdenklich werden.
Ist ein verbaler Austausch notwendig?
Verbale Kommunikation ist eine grundlegende Form menschlicher Begegnung. Durch das Wort teilen Menschen ihre Gedanken, Gefühle, Erfahrungen und Überzeugungen miteinander. Im Gespräch entsteht Verständnis, weil der Mensch nicht nur Informationen weitergibt, sondern auch sich selbst mitteilt. Worte können klären, ermutigen, trösten und Beziehungen stärken. Sie helfen, Konflikte zu lösen und Vertrauen aufzubauen. Ohne den Austausch durch das Wort bleiben viele innere Gedanken unausgesprochen und unverstanden. Darum ist die verbale Kommunikation für Ehe, Familie, Erziehung, Gemeinschaft und Gesellschaft unverzichtbar. Wo Menschen miteinander sprechen und einander zuhören, wächst echte Gemeinschaft.
Wie spricht Gott zu den Menschen?
Gott bedient sich des Wortes, um die Menschen anzusprechen. Seine Worte sind nicht nur Laute und Klänge. Wenn Gott spricht, will er etwas bewegen. Seine Worte haben Kraft und schaffen etwas Neues. Der Prophet Jesaja schreibt darüber:
„Wie der Regen und der Schnee vom Himmel fällt und nicht dorthin zurückkehrt, ohne die Erde zu tränken und sie zum Keimen und Sprossen zu bringen, dass sie dem Sämann Samen gibt und Brot zum Essen, so ist es auch mit dem Wort, das meinen Mund verlässt: Es kehrt nicht leer zu mir zurück, ohne zu bewirken, was ich will, und das zu erreichen, wozu ich es ausgesandt habe“ (Jes 55,10–11).
Dort, wo Menschen miteinander sprechen und einander zuhören, wächst echte Gemeinschaft.
Gottes Wort erfüllt den Auftrag, mit dem Gott es sendet. Der Mensch sieht diese Wirkung nicht immer sofort, aber Gottes Wort wirkt in der Tiefe. Es kann das Herz berühren, den Glauben stärken und zur Umkehr führen. Darum darf der Mensch dem Wort Gottes vertrauen, denn es kehrt nicht ohne Frucht zu Gott zurück.
Wann wird das Wort Gottes fruchtbar?
Das Wort Gottes kann nur dann im Menschen fruchtbar werden, wenn der Mensch es zulässt. Zunächst muss das Wort gehört, betrachtet, verstanden und verinnerlicht werden. Danach gilt es, dem Gotteswort zu folgen und dieses in die Taten, ins Leben umzusetzen. Jesus spricht im Evangelium darüber, wann und warum das Gotteswort unfruchtbar bleibt.
„Zu jedem Menschen, der das Wort vom Reich hört und es nicht versteht, kommt der Böse und nimmt weg, was diesem Menschen ins Herz gesät wurde; bei diesem ist der Samen auf den Weg gefallen. Auf felsigen Boden ist der Samen bei dem gefallen, der das Wort hört und sofort freudig aufnimmt; er hat aber keine Wurzeln, sondern ist unbeständig. Sobald er um des Wortes willen bedrängt oder verfolgt wird, kommt er sofort zu Fall. In die Dornen ist der Samen bei dem gefallen, der das Wort hört, und die Sorgen dieser Welt und der trügerische Reichtum ersticken es, und es bleibt ohne Frucht. Auf guten Boden ist der Samen bei dem gesät, der das Wort hört und es auch versteht; er bringt Frucht – hundertfach oder sechzigfach oder dreißigfach“ (Mt 13,19–23).
Lassen wir in den Ferien das menschliche Wort und das Wort Gottes zu größerer Wirkung kommen.