Demonstration in Goldap

Richtigstellung und unsere Antwort

30 Juli 2026, 14:00 Politik

Bei der Redaktion ist eine Richtigstellung von Paweł Czyż, dem stellvertretenden Vorsitzenden der Vereinigung Christlicher Familien (Zjednoczenie Chrześcijańskich Rodzin) und Kreistagsabgeordneten des Landkreises Goldap, eingegangen. Sie bezieht sich auf den Artikel „Goldap. Antideutsche Demonstration. Aufruhr im Kurort“, der in unserem Medium im Zusammenhang mit der Kundgebung vor dem „Haus der Heimat“ in Goldap am 25. Juli veröffentlicht wurde.

Der Verfasser der Richtigstellung nimmt unter anderem Stellung zur Organisation der Veranstaltung, zur Bezeichnung der Demonstration als „antideutsch“, zur Darstellung der Tätigkeit der Vereinigung Christlicher Familien (Zjednoczenie Chrześcijańskich Rodzin) sowie zu Informationen über seine Person und seine Äußerungen zu Stephan Grigat, dem stellvertretenden Vorsitzenden des Bundes der Vertriebenen (Związek Wypędzonych).

Wir veröffentlichen den Inhalt der Richtigstellung vollständig gemäß den Grundsätzen des Presserechts. Unter der Richtigstellung finden Sie die Antwort der Redaktion.

Inhalt der Richtigstellung:

„Erstens: In Goldap fand keine „antideutsche“ Demonstration statt. Die Veranstaltung bezog sich auf die Besuche des stellvertretenden Vorsitzenden des Bundes der Vertriebenen (Związek Wypędzonych), Stephan Grigat, in Goldap.

In der Verbandszeitschrift der Landsmannschaft Ostpreußen (Ziomkostwo Prus Wschodnich) „Heimatbrücke“ (Ausgabe 6/89) stellte sich der erwähnte Stephan Grigat den Mitgliedern seiner Organisation wie folgt vor, Zitat: „Ich engagiere mich in der Gemeinschaft des Kreises Goldap nicht nur wegen der Geschichte oder des unvergleichlichen Charakters Ostpreußens, sondern auch deshalb, weil ich glaube, dass es an der Zeit ist, ohne jedes Wenn und Aber Ja zu den deutschen Ostgebieten, unserem Ostpreußen und unserem Goldap zu sagen.“

Nach Angaben der 1947 gegründeten Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten (VVN-BdA) mit Sitz in Berlin heißt es, Zitat: „In den folgenden Jahren wurde Grigat durch programmatische Artikel in der Zeitung ‚Heimatbrücke‘ bekannt. So schrieb er beispielsweise 1991: ‚Polen wird andererseits einer Rückgabe auch nur eines Zolls seines Territoriums an Deutschland nicht freiwillig zustimmen; eine Abspaltung in einen neuen Staat ohne Feindbild könnte die Situation jedoch verändern. Jedenfalls ist der polnische Teil Ostpreußens ebenfalls eine vom Krieg und der anhaltenden Wirtschaftskrise schwer betroffene Region, weit entfernt vom Wohlstand der Vorkriegszeit‘“, so die VVN-BdA.

„Seit der Erleichterung der Reisemöglichkeiten nach Polen in den 1980er Jahren betrieb der Kreisausschuss Goldap (Kreisgemeinschaft Goldap Ostpreußen e.V.) eine systematische Arbeit im ehemaligen Kreis Goldap. 1989 schilderte Stephan Grigat seine Eindrücke einer Reise durch das beanspruchte Gebiet für die Zeitschrift „Heimatbrücke“. Der mehrteilige Bericht trug den programmatischen Titel: „Reise in ein besetztes Land““, erinnert die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten (VVN-BdA) mit Sitz in Berlin.

Am 11. Mai 2019 erklärte Herr Stephan Grigat auf dem Treffen der Landsmannschaft Ostpreußen (Ziomkostwo Prus Wschodnich) in Wolfsburg, Zitat: „Ich möchte eindeutig die Auffassung zurückweisen, dass die Deutschen durch ihre Verbrechen selbst schuld an ihrer Vertreibung seien“ und fügte hinzu: „Diese Vertreibung war aufgrund ihres Charakters, ihres Ausmaßes und ihrer Durchführung ein schreckliches, einmaliges Verbrechen, das an Völkermord grenzt.“

Zur Tätigkeit des Bundes der Vertriebenen (Związku Wypędzonych) äußerte sich auf meine Bitte auch der ausgewiesene Kenner der deutsch-polnischen Beziehungen, ordentliche Professor am Institut für Politische Studien der Polnischen Akademie der Wissenschaften (ISP PAN) in Warschau, wo er Leiter der Abteilung für Deutschlandstudien ist, Piotr Madajczyk:

„Als Historiker, der seit vielen Jahren dem wissenschaftlichen Beirat der Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung angehört, bin ich seit längerer Zeit mit den Aktivitäten des Bundes der Vertriebenen (Związku Wypędzonych) konfrontiert, die sicherlich nicht mit den Zielen und Grundsätzen des Vertrags über gute Nachbarschaft und freundschaftliche Zusammenarbeit vom 17. Juni 1991 zwischen der Republik Polen und der Bundesrepublik Deutschland übereinstimmen.

Der Bund der Vertriebenen, dessen stellvertretender Vorsitzender Stephan Grigat ist, kehrt zu einer über ein halbes Jahrhundert alten Erzählung zurück, in der das Leid und die Opfer der Deutschen in der Endphase des Krieges hervorgehoben werden. Die Ursache dafür, nämlich der Nationalsozialismus und der von Deutschland entfesselte Völkermordkrieg, wird hingegen ausgeblendet. Diese Perspektive ist insbesondere, aber nicht nur in Polen, nicht akzeptabel.

Es ist zu betonen, dass dies nicht nur eine polnische Position ist. Über die Pläne des Bundes der Vertriebenen berichteten auch deutsche Medien kritisch, und zuletzt protestierte der Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands, mit der Feststellung, dass „die geplante Umstrukturierung sowie der Paradigmenwechsel in der Erinnerungspolitik der Stiftung ‚Flucht, Vertreibung, Versöhnung‘ sowohl die europäische Verständigung als auch den gesellschaftlichen Zusammenhalt der Bundesrepublik Deutschland gefährdet“.

Stephan Grigat beteiligt sich aktiv an der Durchsetzung dieser Veränderungen, und entsprechende Versuche werden weiterhin unternommen. Grigat ist auch für die Wiederholung des Satzes „Ostpreußen lebt!“ bekannt. Ich bin der Ansicht, dass man im Umgang mit deutschen Partnern auch deren umfassendere Tätigkeit berücksichtigen sollte, die nicht mit Partnerschaften zwischen Gemeinden oder Kommunalpolitik verbunden ist.“

Zweitens: Ich war nicht der Organisator des im Artikel genannten Protests. Er wurde als öffentliche Versammlung ohne meine Beteiligung angemeldet.

Drittens: Die Vereinigung Christlicher Familien (Zjednoczenie Chrześcijańskich Rodzin) ist und war niemals eine nationalistische Organisation. Der Vorsitzende der Vereinigung Christlicher Familien, Dr. Bogusław Rogalski, war Abgeordneter des Sejmik der Woiwodschaft Ermland-Masuren der II. Wahlperiode sowie Abgeordneter des Europäischen Parlaments der VI. Wahlperiode aus Ermland und Masuren. Seit 2009 ist er kontinuierlich als Berater für internationale Angelegenheiten im Europäischen Parlament tätig.

Viertens: Die absichtliche Verbindung meiner Person mit irgendwelchen nationalistischen Bewegungen stellt eine bewusste Verfälschung dar, verletzt zudem Artikel 226 Absatz 1 des Strafgesetzbuches – stellt eine Beleidigung eines Amtsträgers dar – und verletzt außerdem Artikel 224 Absatz 1 des Strafgesetzbuches.

Im betreffenden Material wurde verschwiegen, dass mein Großvater Edward (Ewald) Cyrnal im Jahr 1940 als Bewohner des heutigen Kattowitzer Stadtteils Wełnowiec in das Konzentrationslager Auschwitz eingeliefert wurde (Häftlingsnummer 19974), außerdem Häftling des Konzentrationslagers Flossenbürg war und schließlich am 29. April 1945 im Konzentrationslager Dachau befreit wurde.

Genau 80 Jahre später äußerte ich mich in Ausübung meines Mandats als Kreistagsabgeordneter während einer Sitzung des Kreistages Goldap öffentlich zu den Besuchen des stellvertretenden Vorsitzenden des Bundes der Vertriebenen, Herrn Stephan Grigat, in unserer Stadt.

Diese Fakten wurden während der Pressekonferenz vor der beschriebenen Veranstaltung ausdrücklich dargestellt.

Paweł CZYŻ
STELLVERTRETENDER VORSITZENDER DER VEREINIGUNG CHRISTLICHER FAMILIEN (ZJEDNOCZENIE CHRZEŚCIJAŃSKICH RODZIN), KREISTAGSABGEORDNETER DES LANDKREISES GOLDAP

Unser Standpunkt

Im Artikel „Antideutsche Demonstration in Goldap“ wurde Paweł Czyż als eine Person genannt, die an der Organisation der Veranstaltung in Goldap beteiligt war. Dies geschah auf Grundlage der Informationen, die der Redaktion vor der Veröffentlichung vorlagen. Nach Erhalt der Gegendarstellung nehmen wir jedoch die Stellungnahme von Paweł Czyż zur Kenntnis, wonach er nicht der formelle Organisator der Versammlung gewesen sei, sondern lediglich an den mit ihrer Vorbereitung und der öffentlichen Thematisierung der Angelegenheit verbundenen Aktivitäten teilgenommen habe.

Die Gegendarstellung von Paweł Czyż führt außerdem ausführlich Äußerungen von Stephan Grigat aus verschiedenen Phasen seiner Tätigkeit sowie Einschätzungen zum Bund der Vertriebenen an, aber… Der in dem Artikel beschriebene Protest beschränkte sich nicht nur auf die Kritik an einer einzelnen Person. Die Redebeiträge der Teilnehmer umfassten eine deutlich breitere Erzählung über das heutige Deutschland, die deutsch-polnischen Beziehungen sowie die Tätigkeit der deutschen Minderheit.

Während der Kundgebung wurden unter anderem Parolen und Vorwürfe im Zusammenhang mit einem angeblichen deutschen Revisionismus und einer „Re-Germanisierung“ geäußert, was auf einem großen Transparent (auf dem Foto sichtbar) besonders hervorgehoben wurde. Gleichzeitig wurden auch abwertende Bezeichnungen gegenüber Personen verwendet, die mit Vertretern deutscher Kreise zusammenarbeiten. Dies sind aus Sicht der Redaktion ausreichende Gründe, um diese Demonstration als antideutsch zu bezeichnen. Es ist zudem zu betonen, dass die Bezeichnung der Veranstaltung in Goldap als antideutsche Demonstration sich auf den Charakter der während der Versammlung geäußerten Parolen und Aussagen bezog und nicht auf alle daran teilnehmenden Personen oder auf den formellen Zweck der angemeldeten Versammlung.

Das Motto der Kundgebung lautete: „Nein zur Regermanisierung.“
Foto: Lech Kryszałowicz

Bezüglich der Bezeichnung der Vereinigung Christlicher Familien (Zjednoczenie Chrześcijańskich Rodzin) erklärt die Redaktion, dass die im Artikel verwendete Formulierung zum Charakter dieser Organisation sich auf deren politische und öffentliche Tätigkeit bezog. Sie war hingegen weder eine Bewertung der Person Paweł Czyż noch eine Zuschreibung individueller Ansichten allein aufgrund seiner organisatorischen Zugehörigkeit. Es ist jedoch darauf hinzuweisen, dass der Verfasser der Gegendarstellung die Bezeichnung der Vereinigung Christlicher Familien als nationalistische Gruppierung infrage stellt. Die Einordnung politischer und gesellschaftlicher Gruppierungen ist jedoch häufig Gegenstand von Kontroversen sowie von Bewertungen durch Forscher des öffentlichen Lebens und Medien. Darüber hinaus stellte die im Artikel verwendete Bezeichnung eine publizistische Einschätzung dar, die sich auf die Tätigkeit und Rhetorik eines politischen Umfelds bezog und nicht auf die Familiengeschichte oder den Lebenslauf von Paweł Czyż.

Die Redaktion

 

 

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