Über 40 Minuten dauerte die antideutsche Demonstration vor dem deutschen Heimathaus in Goldap am Samstag, dem 25. Juli. Angeführt wurde sie von Robert Bąkiewicz – dem Vorsitzenden der Bewegung zur Verteidigung der Grenzen (Ruch Obrony Granic). Die Organisatoren der Demonstration richteten zahlreiche emotionale Appelle. Sie präsentierten darin ein umfangreiches Paket antideutscher Thesen und Parolen.
Anlass der Demonstration war das alljährliche Sommerpicknick, das im Garten des Heimathauses stattfindet – eines Gebäudes im Besitz der Landsmannschaft Ostpreußen. Es beherbergt Gästezimmer und ein kleines regionales Museum. Initiator des Picknicks ist seit vielen Jahren Stephan Grigat – Vorsitzender der Landsmannschaft Ostpreußen, dessen Vater aus Goldap stammte. Teilnehmer sind Nachkommen der Goldaper Bürger und einige wenige Mitglieder der deutschen Minderheit aus Goldap und der Region. Zum Picknick eingeladen wurden u. a. die Brüder Konrad Kazaniecki, Bürgermeister von Goldap, und Krzysztof Kazaniecki, Landrat des Kreises Goldap, Jarosław Słoma, aus Goldap stammender Abgeordneter des Sejmiks der Woiwodschaft Ermland-Masuren, Jacek Piorunek, Vorsitzender des Sejmiks der Woiwodschaft Podlachien, sowie Henryk Hoch, Vorsitzender des Verbandes der deutschen Gesellschaften in Ermland und Masuren. Gast des Picknicks war auch der stellvertretende Kulturminister Maciej Wróbel.
Als der Bürgermeister, der Landrat und der Abgeordnete Słoma das Grundstück des Heimathauses betraten, skandierten die Teilnehmer der Kundgebung: „Verräter!“, „Volksdeutsche!“, „Słoma nach Berlin!“.
Antideutsche Parolen und Anschuldigungen
Die Hauptteilnehmer der Demonstration waren Mitglieder der Bewegung zur Verteidigung der Grenzen – einer polnischen nationalistischen Organisation, die von Robert Bąkiewicz gegründet wurde und geleitet wird. Er ist ein Mann mit extrem nationalistischen und antideutschen Ansichten. Diesen Ansichten gab er auch während der Kundgebung in Goldap Ausdruck.

Robert Bąkiewicz wirft den Deutschen vor, heimlich darauf hinzuarbeiten, Polen Goldap und ganz Ostpreußen wieder zu entziehen.
Foto: Lech Kryszałowicz
Bąkiewicz warf vor: „Die Deutschen führen auf entschlossene, durchdachte, systematische Weise Aktivitäten durch, die in Zukunft dazu führen sollen, dass diese Gebiete wieder deutsch werden. Heute versuchen sie auf lockere, subtile Weise eine solche Politik zu betreiben, dass sie innerhalb von 20-30 Jahren erfolgreich sein wird. Wir leben in Zeiten gigantischer Veränderungen. Die Welt, die sich uns in den Weg stellt, ist eine Welt gigantischer Krisen, Kriege, Konflikte und geografischer Neuordnungen. Der Revisionismus dringt auf absolute Weise in diesen Raum ein“, versicherte er.
Goldap erwies sich als resistent gegen antideutsche Propaganda und die Verbreitung von Hass.
Das Wort ergriff auch Marian Piłka – ehemaliger Abgeordneter, Vorsitzender der Christlich-Nationalen Vereinigung (Zjednoczenie Chrześcijańsko-Narodowe). In seinen Ausführungen erzählte er, wie die Deutschen seit 1.000 Jahren auf offene oder verdeckte Weise die polnische Souveränität und das Polentum zerstört hätten. In den antideutschen Reden griffen andere Sprecher sogar auf das Beispiel der Schlacht bei Tannenberg (Grunwald) zurück. Sie forderten von Deutschland auch Kriegsreparationen. Sie argumentierten, dass sich der deutsche, hinterhältige Revisionismus nicht nur auf dem Gebiet des ehemaligen Ostpreußen ausbreite, sondern auch in Schlesien, in der Woiwodschaft Lebus, in Pommern und in der Dreistadt (Danzig/Gdingen/Zoppot).
Sie kündigten an, nicht zu ruhen im Kampf gegen die Regermanisierung. Polen, die Deutschland wohlgesinnt seien, bezeichneten sie als Verräter und als gedankliche Volksdeutsche.
Sie erhoben auch persönliche Vorwürfe gegen Stephan Grigat wegen dessen Äußerungen, in denen er die Zugehörigkeit Goldaps zu Polen infrage stellte und andeutete, dass Ostpreußen einst wieder in den Grenzen Deutschlands liegen könnte. Sie beriefen sich dabei auf Zitate aus Zeitungsartikeln.
Reaktion der Einwohner und Organisatoren
Was sagt Stephan Grigat, der von Beruf Rechtsanwalt ist, dazu?
„Solange es nicht durch das polnische Recht verboten ist, können sie sagen, was sie wollen. Das ist legal. Die Lautsprecher waren nicht zu laut, also hat uns diese Demonstration im Garten nicht gestört. Mir gefiel nur nicht, dass sie uns durch den Zaun fotografierten. Aber dagegen konnten wir nichts tun“, fasste Stephan Grigat das ganze Ereignis zusammen.

Die Teilnehmer des Goldaper Picknicks beobachteten die Kundgebung mit stoischer Ruhe.
Foto: Lech Kryszałowicz
Die Teilnehmer der Kundgebung mit polnischen Fahnen, Bannern und Westen mit der Aufschrift „Bewegung zur Verteidigung der Grenzen“ waren etwa 30 an der Zahl. Dazu kamen noch 15-20 Personen, die sich unter sie mischten und ebenfalls an der Kundgebung teilzunehmen schienen. Unter den Teilnehmern überwogen ältere Menschen. Am wenigsten waren Einwohner von Goldap vertreten. Aus den Gesprächen der Teilnehmer ging hervor, dass es sich um Zugereiste handelte. Einige machten in der Umgebung Urlaub.
Für Ordnung sorgte ein starkes Polizeiaufgebot.
Wie reagierten die Goldaper auf die Demonstration?
Mehrere Dutzend Menschen versammelten sich auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Als die Teilnehmer der Kundgebung skandierten: „Hier ist Polen“, antworteten die Goldaper: „Hier ist Goldap“. Als Bąkiewicz skandierte: „Reparationen“, rief Goldap: „Gib die Subventionen zurück“. Als die Kundgebung schrie: „Słoma nach Berlin“, konterten die Goldaper: „ROG raus aus Goldap“ oder „Haut ab!“. Manchmal übertönten sie die Äußerungen der Kundgebungsteilnehmer mit Vuvuzelas. Goldap erwies sich als resistent gegen antideutsche Propaganda und die Verbreitung von Hass.
Wer organisierte den Protest?
Wie kam es also in diesem sehr ruhigen Grenzkurort, bekannt für sein Skizentrum, sein Sanatorium und seine saubere Umwelt, zu dem antideutschen „Krawall“?
Sein Urheber war Paweł Czyż aus Benkheim (Banie Mazurskie), Kreisratsmitglied im Kreis Goldap. Er ist es, der seit einiger Zeit dem Landrat und dem Bürgermeister vorwirft, dem „Revisionisten“ Grigat wohlgesonnen zu sein. Er ist es, der sich als Verteidiger des Polentums von Goldap und als Patriot sieht. Und er lud Robert Bąkiewicz nach Goldap ein.

Paweł Czyż, Kreisrat des Landkreises Goldap. Er war es, der Robert Bąkiewicz nach Gołdap brachte.
Foto: Lech Kryszałowicz
Paweł Czyż ist Vizepräsident der Vereinigung Christlicher Familien (Zjednoczenie Chrześcijańskich Rodzin). Es handelt sich um eine marginale nationalistische Partei, die von Bogusław Rogalski gegründet wurde und geleitet wird. Er trat vor einem Vierteljahrhundert öffentlich in Erscheinung, als er gegen das Sommerfest der deutschen Minderheit in Allenstein protestierte. Später war er Sejm- und Europaabgeordneter.
Welche Beispiele für die Regermanisierung, die der Hauptgrund für die Kundgebung in Goldap war, könnte Paweł Czyż im „Bulletin des Verbandes der deutschen Minderheit in Ermland und Masuren“ nennen?
In seiner ausführlichen, über 20-minütigen Rede bezog sich Czyż auf die Zeit der Schlacht bei Tannenberg (Grunwald), den Zweiten Weltkrieg und die Gegenwart. Außer den Anschuldigungen, die während der Kundgebung fielen, nannte er keine konkreten Beispiele.
In der Nähe von Goldap bauen polnische und deutsche Soldaten gemeinsam den „Ostschild“ – ein System von Befestigungsanlagen gegen Russland.