Einige Punkte sind korrekturbedürftig
Im Mai 2026 finden die Wahlen der neuen Führung des Verbands der deutschen sozial-kulturellen Gesellschaften in Polen (VdG) statt, was mit dem 35-jährigen Bestehen der Organisation zusammenfällt. Aus diesem Grund haben wir uns an die Mitglieder des noch amtierenden VdG-Vorstands gewandt, um ihnen Fragen zur laufenden Amtszeit zu stellen. Wir fragten auch, was im Hinblick auf die nächsten vier Jahre geändert, verbessert oder beibehalten werden sollte.
Unsere Serie beginnen wir mit einem Gespräch mit Martin Lippa, dem stellvertretenden Vorsitzenden des VdG:
Haben die VdG-Verantwortlichen in den vergangenen vier Jahren die gesetzten Ziele wirksam umgesetzt, und welche der erreichten Ziele halten Sie für prioritär?
Eine eindeutige Bewertung ist schwierig. Aus der Perspektive der Zentrale betrachtet konnten einige wichtige Dinge für die Deutsche Minderheit erreicht werden. Ich denke dabei an den Auf- und Ausbau bestimmter Einrichtungen wie das Dokumentations- und Ausstellungszentrum der Deutschen in Polen oder das Forschungszentrum der Deutschen Minderheit (FZDM), das wertvolle Materialien für die Minderheit sammelt, aufarbeitet und sichert. Beide Einrichtungen haben sich hervorragend und dauerhaft in das eingefügt, wofür die deutsche Minderheit, insbesondere in Oppeln, bekannt ist. Das funktioniert gut, und zudem konnten für die Arbeit dieser Einrichtungen finanzielle Mittel eingeworben werden, sodass sie die Ziele, für die sie geschaffen wurden, effizient umsetzen können.
Andererseits bin ich der Meinung, dass ein wenig die Möglichkeit verloren gegangen ist, solche Projekte zu unterstützen, die über Jahre hinweg von den Basisstrukturen durchgeführt wurden. Daher stellt sich die Frage, ob für den VdG die genannten großen Einrichtungen wichtiger sind oder ob es bedeutsamer ist, dass unsere Basisstrukturen funktionieren und zufrieden sind. Meiner Meinung nach haben diese großen Einrichtungen kein spezielles Angebot für unsere kleinen Gemeinschaften, und gleichzeitig binden sie erhebliche Mittel, sodass später Geld für die Umsetzung von Basisaktivitäten fehlt.
Andererseits bin ich der Meinung, dass ein wenig die Möglichkeit verloren gegangen ist, solche Projekte zu unterstützen, die über Jahre hinweg von den Basisstrukturen durchgeführt wurden. Daher stellt sich die Frage, ob für den VdG die genannten großen Einrichtungen wichtiger sind oder ob es bedeutsamer ist, dass unsere Basisstrukturen funktionieren und zufrieden sind.
Zusammenfassend – was die Hauptziele betrifft: Auf der einen Seite wurden gewisse Dinge erreicht, das ist Fakt. Ob dies jedoch den Erwartungen der Basisstrukturen entspricht, davon bin ich nicht ganz überzeugt…
Sollte der von der VdG-Führung in der zu Ende gehenden Amtszeit eingeschlagene Kurs Ihrer Meinung nach ohne jede Änderung fortgesetzt werden? Oder braucht er ein Lifting?
Der VdG hat sich vor allem auf den Erhalt und die Förderung der deutschen Sprache konzentriert, was meiner Meinung nach selbstverständlich ist. Das ist ein prioritäres Ziel. Man darf jedoch nicht vergessen, dass es auch einige Erwartungen der regionalen Strukturen gibt. Ja – der VdG mit Sitz in Oppeln ist in Ordnung, aber… Vom VdG sollte es auch einige stärker auf die Regionen konzentrierte Aktivitäten geben. Ich habe immer angeregt, dass die monatlichen Vorstandssitzungen des VdG abwechselnd irgendwo in den Regionen stattfinden sollten. Es wäre auch gut, wenn man bei solchen Außenterminen mit den lokalen Aktivisten sprechen und ihnen zuhören könnte.
Wo sehen Sie die Notwendigkeit für größere Korrekturen in der Arbeit des VdG und warum?
Der VdG wurde gegründet, um die deutsche Minderheit nach außen zu vertreten – hauptsächlich, um politische Gespräche zu führen oder Ziele und Funktionsprinzipien festzulegen. Deshalb vermisse ich häufigere Gespräche mit Vertretern sowohl der deutschen als auch der polnischen Ministerien. Zum Beispiel habe ich als stellvertretender VdG-Vorsitzender pro Jahr nur ein oder zwei Treffen in Berlin mit Personen, die für die Finanzierung oder das Funktionieren der deutschen Minderheit zuständig sind. Bei einem solchen Treffen werden hauptsächlich Projekte besprochen, weniger die programmatische Linie oder eine langfristige Strategie. Es gibt zu wenige solcher Treffen. Das vermisse ich, und das sollte sich ändern. Der VdG sollte häufigere Treffen einfordern und erwarten. Es ist möglich, dass der VdG-Vorsitzende solche Treffen regelmäßig wahrnimmt, aber ich empfinde eine gewisse Unzufriedenheit.
Was die Arbeit des VdG-Büros selbst betrifft, bin ich nicht ganz davon überzeugt, dass die seit einiger Zeit praktizierte Formel optimal ist. Ich meine damit, dass alle wichtigen Abstimmungen, insbesondere mit der deutschen Seite, auf den Mitarbeitern des VdG lasten. Mir scheint, dass an diesen Gesprächen auch Personen von außerhalb Oppelns teilnehmen sollten. Zwar werde ich als stellvertretender Vorstandsvorsitzender über die Ergebnisse solcher Gespräche informiert, aber post factum. Es ist etwas seltsam, dass niemand den Vorstand vor einem solchen Treffen nach seiner Position fragt, dessen Termin wir übrigens auch nicht kennen. Danach werden wir zwar über die Ergebnisse informiert, die wir in der Regel akzeptieren. Ich weiß nicht, ob sich das nicht ändern sollte.
Seit wann sind Sie Mitglied des VdG, und wie bewerten Sie Ihre eigene Aktivität in den letzten vier Jahren?
Ich nahm bereits sehr früh in den 1990er Jahren als Vertreter der Jugendorganisation an Sitzungen des VdG teil. Offizielles Mitglied bin ich ebenfalls schon seit mehreren Jahren. Was meine Aktivität in der vergangenen Amtszeit betrifft, nehme ich regelmäßig an allen Sitzungen teil (in den letzten Jahren habe ich nur eine verpasst), bemühe mich, an vielen verschiedenen Treffen und Konferenzen teilzunehmen, und vor allem vertrete ich die Interessen des DFK Schlesien und des Eichendorff-Zentrums in Lubowitz. Als Stellvertreter des Vorsitzenden übernehme ich auch oft repräsentative Aufgaben. Dennoch schränkt mein Wohnort außerhalb Oppelns die Möglichkeit einer noch aktiveren Tätigkeit für unsere deutsche Gemeinschaft etwas ein.
Werden Sie bei den nächsten Wahlen der neuen VdG-Führung für den Vorstand kandidieren?
Ja. Ich werde für den Vorstand kandidieren – aber nicht für den Vorsitz des VdG.
Das Gespräch führte Krzysztof Świerc

