Die Gemeinde Walzen im Landkreis Krappitz gehört zu den Finalisten des European Village Renewal Award 2026 (EV!RA) – einem der bedeutendsten europäischen Wettbewerbe für ländliche Entwicklung und Dorferneuerung. Nur drei Gemeinden aus ganz Polen haben es in die Endrunde geschafft, Walzen ist eine davon.
Jury-Bereisung: Eindrücke aus der Region
Im Rahmen der Jury-Bereisung am Donnerstag, den 21. Mai, wurde die gesamte Region einer intensiven Begutachtung unterzogen. Die internationale Kommission besuchte die Orte Walzen, Straduna und Broschütz und gewann dabei nicht nur Eindrücke von Infrastruktur und Investitionen, sondern vor allem vom gesellschaftlichen Leben vor Ort. Fahrräder, regionale Küche, Musik und spontane Gespräche prägten den Tag – und hinterließen bei den Gästen sichtbare Eindrücke.
„Die Gemeinde Walzen zeichnet sich durch ihre sehr engagierten Einwohner aus“, sagte Bürgermeister Rafał Miczka (Schlesische Regionalpolitiker). Er verwies zugleich auf die wirtschaftliche und investive Entwicklung der Kommune: „Ich bin stolz auf unsere Gemeinderäte, Mitarbeiter und Einwohner. Im Jahr 2025 haben wir in der Woiwodschaft Oppeln im Bereich der Investitionsausgaben pro Kopf einen sehr guten Platz erreicht. Auch das ist ein wichtiger Baustein unserer Entwicklung.“
Der Wettbewerb wird von der ARGE – Europäische Arbeitsgemeinschaft für Landentwicklung und Dorferneuerung – organisiert. Insgesamt wurden 25 Gemeinden aus Europa für das Finale ausgewählt. Walzen vertritt dabei nicht nur den Landkreis Krappitz, sondern auch die gesamte Region Oppeln.

Im Rahmen der Jury-Bereisung am Donnerstag wurde die gesamte Region einer intensiven Begutachtung unterzogen.
Foto: Dominika Bassek
Vielfalt der Projekte und starke Jury
Die Jury – bestehend unter anderem aus Lisa Landert (Schweizer Bundesamt für Landwirtschaft), Zlatica Šimoňáková (Umweltministerium der Slowakischen Republik) und dem Architekten Frank Weber aus Südtirol – begann ihren Besuch in Walzen selbst.
Auf dem Programm standen unter anderem lokale Wandgestaltungen, Sportanlagen sowie Bildungs- und Betreuungseinrichtungen. Im Kultur- und Lesecenter präsentierten sich zudem lokale Gruppen, darunter das Ensemble „Walczanki“.
Großen Eindruck hinterließ auch das Zentrum für Betreuung und Wohnen. Hier wurde deutlich, wie stark die Gemeinde in soziale Strukturen investiert – insbesondere in Unterstützungssysteme für ältere und hilfsbedürftige Einwohner.
„Das ist für uns eine große Ehre, aber auch eine Verpflichtung“, betonte Bürgermeister Miczka. „Unsere Einwohner haben gezeigt, dass sie dieses Projekt wirklich tragen.“

Feuerwehr Straduna.
Foto: Dominika Bassek
Straduna und Broschütz als Höhepunkte der Bereisung
Ein besonderes Element des Besuchs erwartete die Jury in Straduna. Dort wurde bewusst auf eine ungewöhnliche Form der Ortsbesichtigung gesetzt: Die Gäste stiegen auf Fahrräder um.
Im Mittelpunkt standen Projekte rund um Biodiversität, Grünflächen und gemeinschaftlich genutzte Räume. Stationen waren unter anderem der Park Lesiany, das Sportgelände sowie das Feuerwehrhaus.
Ortsvorsteherin Anna Faszynka zeigte sich zufrieden mit dem Verlauf des Besuchs: „Wir konnten unseren Ort von seiner besten Seite zeigen. Unsere Bewohner haben großartig mitgearbeitet – ich sage immer: Straduna ist die beste Ortschaft.“ Sie wies zudem auf die enge Zusammenarbeit lokaler Organisationen hin, die sich symbolisch auch durch mehrere Fahnen an der Feuerwehr ausdrückt.
„Ich bin stolz auf unsere Gemeinderäte, Mitarbeiter und Einwohner. Im Jahr 2025 haben wir in der Woiwodschaft Oppeln im Bereich der Investitionsausgaben pro Kopf einen sehr guten Platz erreicht. Auch das ist ein wichtiger Baustein unserer Entwicklung.“
Rafał Miczka
Den Abschluss der Bereisung bildete Broschütz, wo die historische Kirche sowie das Zentrum für kulturelles Erbe und Tourismus vorgestellt wurden. Musikalisch begleitet wurde der Besuch durch den Kinderchor „Rondino“ und die Kindertanzgruppe „Przecinek“.
Auch kulinarisch präsentierte sich die Ortschaft. Besonders große Aufmerksamkeit erhielt eine traditionelle Erbsensuppe, die von den Landfrauen aus Grocholub zubereitet wurde.
„Das ist unser Rezept noch von der Großmutter – mit geräuchertem Speck schmeckt sie einfach am besten“, sagte Maria Kubis, Ortsvorsteherin aus Grocholub, während sie die Suppe aus dem Kessel servierte.

Historische Kirche Broschütz.
Foto: Dominika Bassek
Europäisches Motto und Ausblick
Das Motto der diesjährigen Wettbewerbsrunde lautet: „Alle verschieden. Alle gemeinsam.“ Entsprechend lag der Fokus der Jury nicht nur auf baulichen Projekten, sondern auch auf gesellschaftlichen Strukturen.
„Wir bewerten viele Aspekte – auch wie die Entwicklung entstanden ist und ob sie Zukunft hat“, erklärte Frank Weber, Jurymitglied aus Südtirol. Entscheidend sei zudem, ob eine Gemeinde als Vorbild für andere dienen könne und ob echte Zusammenarbeit zwischen den Einwohnern bestehe.
Besonders hervorgehoben wurde die kulturelle Vielfalt der Region. „Man spürt hier eine sehr natürliche Form der Multikulturalität“, so Weber. „Und positiv fällt auf, dass auch junge Menschen aktiv eingebunden sind.“
Die Entscheidung über den Gewinner des EV!RA 2026 wird im September kommenden Jahres bekanntgegeben. Unabhängig vom Ergebnis hat Walzen bereits jetzt einen wichtigen Schritt gemacht: Die Gemeinde gehört offiziell zur europäischen Spitzengruppe der ländlichen Entwicklung – und hat sich mit einem lebendigen, bürgernahen Konzept präsentiert, das weit über Infrastruktur hinausgeht.
Dominika Bassek