Die Villa Wiesenstein, das ehemalige Haus des Literaturnobelpreisträgers Gerhart Hauptmann, wird am 5. September zum Ort einer außergewöhnlichen Zeitreise. Das Städtische Museum in Agnetendorf eröffnet die Ausstellung „Erich Fuchs. Ethnograf des Riesengebirges“ – eine einmalige Gelegenheit, einzigartige Werke zu sehen, die das Leben der einstigen Bewohner der Sudeten dokumentieren.
Die Villa Wiesenstein, der historische Wohnsitz des Nobelpreisträgers Gerhart Hauptmann, wird im September zum Zentrum regionalen Gedenkens. Die Wahl des Ortes ist kein Zufall – Erich Fuchs (1890–1983) war nicht nur der Nachbar des Nobelpreisträgers im benachbarten Hain, sondern auch ein Künstler, der Hauptmanns literarische Vision bildlich ergänzte.

Villa Wiesenstein in Agnetendorf. Foto: Aleksandra Kania
Gemeinsame Sensibilität: Fuchs und „Die Weber“
„Erich Fuchs war eine Person, die das Leben dokumentierte – das damalige Leben der Menschen am Fuße des Riesengebirges, also der Weber, Hüttenarbeiter und Handwerker, ihre Arbeiten und ihren Alltag“, erklärt Katarzyna Nadzieja Soboczyńska, Direktorin des Städtischen Museums „Gerhart-Hauptmann-Haus“. „Ähnlich wie Hauptmann in seinen Werken konzentrierte sich Fuchs auf das, was hier, in unserer Nähe, geschah. Man kann sagen, dass beide dieselbe ethnografische Leidenschaft für die Verewigung einer Welt teilten, die vor ihren Augen langsam der Vergangenheit angehörte.“
Eine besondere Stellung in der Beziehung der beiden Künstler nimmt das Drama „Die Weber“ ein. Gerade Fuchs wurde dank seiner Kenntnis der regionalen Gegebenheiten zu einem seiner bedeutendsten Illustratoren. Wie Direktorin Soboczyńska betont: „Er war ein Künstler, der direkt nebenan in Hain lebte – einen großen Teil seines Lebens verbrachte er ganz in der Nähe von Agnetendorf. Er war stark mit der Riesengebirgsregion verbunden, aber das Wichtigste für uns ist die Tatsache, dass er es war, der in den 1920er Jahren Hauptmanns „Weber“ illustrierte. Seine Grafiken bilden das visuelle Fundament für das Verständnis der Dramen des Nobelpreisträgers.“
Schätze aus privaten Familienarchiven
In der Ausstellung werden fast 100 Arbeiten gezeigt, darunter Grafiken, Aquarelle und Zeichnungen. Die Ausstellung ist einzigartig, da ein Großteil der Exponate und persönlichen Erinnerungsstücke direkt von den Erben des Künstlers stammt und bisher nie einer breiten Öffentlichkeit zugänglich war.

Quelle: Aus den Sammlungen des Städtischen Museums „Gerhart-Hauptmann-Haus“ in Hirschberg, Foto: Aleksandra Kania
„Die Ausstellung hat den Anspruch, das Schaffen des Künstlers in größtmöglichem Umfang zu zeigen“, so die Museumsdirektorin. „Dass diese Arbeiten – oft von der Familie des Künstlers ausgeliehen – für einen Moment nach Agnetendorf zurückkehren, ist ein großes Ereignis. Es ist die einzige Chance, diese außergewöhnliche Sammlung an dem Ort zu sehen, an dem sich diese beiden großen Künstler treffen konnten.“
Die Bereicherung der Ausstellung wurde auch durch Ankäufe ermöglicht, die das Städtische Museum selbst im Rahmen des Programms „Ausbau der Museumsbestände“ des Nationalen Museumsinstituts getätigt hat. Partner des Projekts ist die Stiftung Kulturwerk Schlesien aus Würzburg.
Kurze Zeit für eine Begegnung mit der Geschichte
„Dies ist die einzige Chance, diese Grafiken in dieser Zusammenstellung zu sehen“, betont Direktorin Soboczyńska. „Aufgrund konservatorischer Auflagen und der Tatsache, dass die wertvollen Erinnerungsstücke nach der Ausstellung an die Familie zurückgegeben werden, können diese Arbeiten nicht über einen längeren Zeitraum ausgestellt werden. Es ist ein einzigartiger Moment, um Geschichte zu berühren, die im Alltag in privaten Händen bleibt.“
„Erich Fuchs war eine Person, die das Leben dokumentierte – das damalige Leben der Menschen am Fuße des Riesengebirges, also der Weber, Hüttenarbeiter und Handwerker, ihre Arbeiten und ihren Alltag.“
Katarzyna Nadzieja Soboczyńska, Direktorin des Städtischen Museums „Gerhart-Hauptmann-Haus“
Für diejenigen, die nicht persönlich nach Agnetendorf kommen können oder die Erinnerung an Fuchs’ Werke bewahren möchten, hat das Museum einen umfangreichen, zweisprachigen Katalog (Polnisch–Deutsch) vorbereitet. Die Publikation enthält Reproduktionen von über 200 Arbeiten und eine ausführliche Biografie des Künstlers. „Die außergewöhnliche Sammlung wird nur für diesen kurzen Moment entstehen. Nach der Schließung der Ausstellung bleibt dieser Katalog die wichtigste dauerhafte Spur unseres Projekts“, fügt Katarzyna Nadzieja Soboczyńska abschließend hinzu.
Die Vernissage der Ausstellung findet am 5. September 2026 (Samstag) um 12:00 Uhr statt.

Informationen:
- Vernissage: 5. September 2026, 12:00 Uhr
- Technische Daten: 100 Exponate (Grafiken, Aquarelle, Zeichnungen, Archivmaterialien, Memorabilien)
- Ausstellungsautoren: Karolina Matusewicz-Górniak, Cezary Romaczyk
- Bestände: eigene Werke sowie Leihgaben der Erben von Erich Fuchs, privater Sammler und der Stiftung Kulturwerk Schlesien
- Ort: Städtisches Museum „Gerhart-Hauptmann-Haus“ in Hirschberg, ul. Michałowicka 32, Hirschberg-Agnetendorf
- Finanzierung: Das Projekt „Riesengebirge des Erich Fuchs“ wird aus Mitteln der Stiftung für Deutsch-Polnische Zusammenarbeit kofinanziert.
Die Ausstellung ist bis zum 25.10.2026 geöffnet.