Wenn in Goethes „Faust“ der große Mephistopheles die Gestalt eines schwarzen Pudels annimmt und beginnt, um den berühmten Gelehrten und seinen Diener Wagner herumzukreisen, muss man unweigerlich schmunzeln. Warum sollte ausgerechnet der Herrscher der Unterwelt die Gestalt eines Pudels wählen?
Dass es sich um einen schwarzen Hund handelt, verwundert kaum. In der Volkstradition wird der schwarze Hund sehr häufig mit höllischen Mächten gleichgesetzt. Und wenn er dann auch noch Feuer speit, ist ohnehin klar, dass man von ihm nichts Gutes zu erwarten hat. Aber ein Pudel? Gerade das ist typisch für Goethe – schließlich ist „Faust“ einer der „sehr ernsten Scherze“, die ihm gelungen sind, und das Bild des Mephisto als schwanzwedelnder Pudel verdeutlicht Goethes ironischen Blick auf sein eigenes Lebenswerk.
Hunde als Lehrmeister
Denkt man an Hunde in der Literatur, werden sich wohl alle, die in Polen zur Schule gegangen sind, an Roman Pisarskis „O psie, który jeździł koleją“ („Der Hund, der mit der Eisenbahn fuhr“) erinnern – ein Buch, das das Bild des treuen Hundes tief im kollektiven Gedächtnis verankert hat. In gewisser Weise gilt das auch für „Gump – pes, který naučil lidi žít“ („Gump – der Hund, der die Menschen leben lehrte“) des tschechischen Schriftstellers Filip Rožek – eine Erzählung, die so beliebt wurde, dass sie sogar verfilmt wurde. Auch hier ist der titelgebende Hund ein Symbol bedingungsloser Treue und Liebe. Zugleich ist es aber nicht nur eine Geschichte über einen Hund, sondern auch die Geschichte eines Hundes. Als Erzähler äußert er scheinbar banale, tatsächlich aber zutiefst wahre Beobachtungen. So wundert er sich etwa darüber, dass seine geliebte Herrin so viel Zeit mit einem leuchtenden rechteckigen Ding verbringt – sie blickt es fast ununterbrochen an und spricht sogar mit ihm. Gumps Sicht auf die Welt ist von entwaffnender Einfachheit, und gerade das macht sie so glaubwürdig. Ohne belehrend oder moralisierend zu wirken, zeigt der Mischling aus dem Tierheim den Menschen, was es heißt, wirklich zu leben.

Bonitka – der Hund der Autorin des Artikels.
Quelle: privates Archiv
Ein Hund – treu über den Tod hinaus
Die Redewendung „treu wie ein Hund“ ist längst mehr als eine bloße Floskel. Sie steht für eine Welt, in der Liebe der höchste Wert ist – eine Liebe, die Bestand hat, selbst wenn das Leben endet. Theodor Fontane beschreibt dies außerordentlich eindringlich, wenn ausgerechnet der Hund seiner Herrin treu bleibt – ihre Angehörigen hingegen nicht. Als die Titelheldin seines berühmtesten Romans „Effi Briest“ stirbt, verweigert ihr vierbeiniger Freund Rollo das Futter und legt sich an ihr Grab. Denn fehlgeleitete Vorstellungen von Ehre und Moral, die Effi selbst nach ihrem Tod zur Einsamkeit und zum gesellschaftlichen Ausschluss verurteilen, bedeuten ihm nichts.
„Gumps Sicht auf die Welt ist von entwaffnender Einfachheit, und gerade das macht sie so glaubwürdig.“
Interessant ist, dass der Hund auch in Theodor Storms berühmter Novelle „Der Schimmelreiter“ in einem ähnlichen Zusammenhang erscheint – im Konflikt zwischen dem Individuum und der Gesellschaft. Ihr Hauptheld Hauke Haien ist ein genialer Baumeister und Visionär mit aufklärerischem Weltbild. Doch er stößt auf den Widerstand einer Dorfgemeinschaft, die an Traditionen und Aberglauben festhält. Als die Dorfbewohner nach altem Brauch beschließen, einen Hund zu opfern und ihn lebendig in den neu errichteten Deich einzumauern – was dem Bauwerk Haltbarkeit verleihen soll –, widersetzt sich Hauke entschieden und rettet dem Tier das Leben. Von da an wird es zum treuen Gefährten seiner behinderten Tochter. Hund, Pferd und zuvor auch die Katze – Tiere, die Hauke in verschiedenen Lebensphasen bei sich aufnimmt – gelten den Dorfbewohnern lediglich als Besitz: Man kann sie verkaufen, eintauschen oder beseitigen. Für Hauke dagegen sind sie Mitgeschöpfe, die das Recht haben, ihren eigenen Weg zu gehen.

Chihuahua – höchstwahrscheinlich tritt genau dieser sehr zarte Hund bei Siegfried Lenz auf.
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Zottelige Ironie
Zum Schluss kehren wir zu jener Art von Literatur zurück, die das Hundethema mit einem Augenzwinkern behandelt. Auch Siegfried Lenz beherrscht die Kunst der Ironie meisterhaft. Besonders deutlich zeigt sich das in „Der Geist der Mirabelle. Geschichten aus Bollerup“. Unter den kurzen Prosastücken verdient vor allem „Ein sehr empfindlicher Hund“ besondere Aufmerksamkeit. Der titelgebende Hund ist winzig und äußerst sensibel. Den pelzgefütterten Rucksack seines Herrchens darf er höchstens sechs Minuten verlassen. Überschreitet er diese Zeit, besteht die Gefahr, dass er sich erkältet und nicht mehr seine volle Leistung bringen kann. Und Leistungsfähigkeit ist in seinem Fall eine Schlüsselqualität. Er ist nämlich ein sehr wertvoller (und sehr teurer!) Bezwinger der Füchse, die Bollerup um sein örtliches Geflügel bringen. Wie die Geschichte endet, in der der sehr empfindliche kleine Hund gegen eine ganze Schar tödlicher Raubtiere antritt, möge jeder selbst herausfinden – idealerweise mit dem eigenen Hund zu Füßen.