Die Geschichte des Dorfes reicht bis ins Mittelalter zurück. Schawoine erscheint bereits zu Beginn des 13. Jahrhunderts in den Quellen und wird in lateinischen Dokumenten als Savon erwähnt. Seit 1242 gehörte es zum Kloster der Zisterzienserinnen in Trebnitz, und 1250 erhielt es die herzogliche Genehmigung zur Anlage nach deutschem Recht. Dieser Status währte jedoch nicht lange, denn in den historischen Dokumenten wurde Schawoine wieder als Dorf bezeichnet.
Interessanterweise stehen sich im Ortszentrum zwei Kirchen gegenüber. Sie sind wie Geschwister – die eine katholisch, die andere evangelisch – und beide haben die Stürme der Geschichte überdauert. Rund um die Kirche der heiligen Hedwig von Schlesien finden sich Epitaphien, aus denen sich beinahe ein Erinnerungsbild der für den Ort bedeutenden Menschen zusammensetzen ließe. Die zweite Kirche wurde vor einigen Jahren restauriert und zu einer Kulturstätte umgestaltet – zu einem Ort der Begegnung und kreativen Tätigkeit, in dem man mit der Gegenwart, aber auch mit der Geschichte in Berührung kommt. Diese Geschichte wird aber nicht nur durch wenige erhaltene historische Bauernhöfe, sondern auch durch das ehemalige Schulgebäude, die frühere Post, die Arztpraxis und die Villa von Dr. Poppe erzählt.

Um 1905-1909 entstand in Friedrich Pietschs Kunstanstalt in Breslau eine Postkarte aus der Reihe „Gruß aus …“. Solche Postkarten wurden typischerweise von Sommerfrischlern, Kurgästen oder Touristen erworben.
Quelle: polska-org.pl
Für die Bewohner des 20. Jahrhunderts waren diese mittelalterlichen Ereignisse vermutlich lediglich der ferne Hintergrund ihres Alltags. Ihre Welt wurde vor allem von Haus, Familie, Arbeit und Nachbarschaft bestimmt. Im Jahr 1936 wurde Schawoine in Blüchertal umbenannt. Umso wertvoller sind die erhaltenen Familienerinnerungen. In einem Bericht erinnert sich eine Enkelin an ihre Großmutter Margarethe Besler, geborene Schreiber, die aus Blüchertal stammte. Ihr Vater, Paul Schreiber, war Sattlermeister und führte eine eigene Werkstatt. In einer weiteren Familienerinnerung ist von einer Familie Reichelt die Rede, die ebenfalls aus Schawoine stammt. Zu den weiteren Namen im Adressbuch der Vorkriegszeit gehört unter anderem Bürgermeister Ernst Krause, aber auch eine ganze Reihe von Menschen mit Berufen, ohne die ein kleines Dorf nicht hätte funktionieren können: der Korbmacher Josef Barczik, der Bäckermeister Wilhelm Belke, der Fleischer Kurt Jentsch, die Müllermeister Josef Kischka und Robert Prior, der Ölschläger Johannes Schönfelder sowie mehrere Gastwirte – Oskar Jüttner, Fritz Nitschke, Adolf Stephan und Max Matulke. Auch weitere Fleischer und der Bäckermeister Max Vater sind verzeichnet.

Einer der ehemaligen Bewohner von Schawoine war Ölschläger. Heute ist dies ein eher aussterbendes Handwerk. Das Öl aus der Region verleiht jedoch einem Salat aus frischen Zutaten eine besondere geschmackliche Note.
Foto: Małgorzata Janik
Betrachtet man diese Liste, hört Schawoine auf, lediglich ein Punkt auf einer alten Landkarte zu sein. Das Dorf wird zu einem Ort, an dem der Duft von frisch gebackenem Brot in der Luft lag, Mühlen arbeiteten, Gasthäuser betrieben wurden und Handwerker morgens die Türen ihrer Werkstätten öffneten. Und nicht nur Einheimische trafen sich hier: In der historischen Presse finden sich Ankündigungen von Versammlungen verschiedener schlesischer Vereine, die gerade in Schawoine ihre Zusammenkünfte und andere wichtige Feierlichkeiten veranstalteten. Zu den örtlichen Gasthäusern gehörten das Gasthaus Max Matulke und das Gasthaus Nitschke mit einem Saal für Tanzveranstaltungen. Erhaltene historische Aufnahmen und Ansichtskarten ermöglichen einen Blick in die einstige Bebauung von Schawoine und erinnern daran, dass dieses kleine Dorf über eine erstaunlich gut ausgebaute gastronomische Infrastruktur, eigene Orte für gemeinsame Gespräche und seinen ganz eigenen Rhythmus des täglichen Lebens verfügte.
Und wenn es eine Bäckerei, Mühlen, Fleischereien und Gasthäuser gab, musste auch eine alltägliche, häusliche Küche existieren, die nur selten in offiziellen Dokumenten festgehalten wird. Gerade deshalb lohnt es sich, einen Blick in alte Kochbücher und Gartenratgeber zu werfen. Manchmal finden wir darin Pflanzen, die von unseren Tischen verschwunden sind, obwohl sie einst ganz selbstverständlich waren. Eine davon ist der Portulak, der in der alten kulinarischen Literatur als Gemüse und Bestandteil der alltäglichen Küche behandelt wurde. In dem 1834 erschienenen Buch Das neueste und einfachste Kochbuch für Mädchen und angehende Hausfrauen bürgerlichen Standes wird eine sehr einfache Zubereitungsart beschrieben: Die jungen Blätter wurden von den dicken, roten Stängeln gezupft, in Wasser gekocht, gut abtropfen gelassen und anschließend in einer Buttersauce erhitzt. Noch interessanter ist das Rezept für eine Portulaksuppe. Die Blätter wurden in Butter gedünstet und anschließend in heiße Fleischbrühe gegeben. Die Suppe wurde mit Ei und Mehl gebunden, mit Muskatblüte gewürzt und bei Bedarf mit etwas geriebenem Semmelmehl ergänzt.
Manchmal lohnt es sich nämlich, die Geschichte aus einer anderen Perspektive zu betrachten – und zwar anhand von Geschmäckern.
Portulak entsprach dabei einem grundlegenden Prinzip der früheren Küche: Nutze, was die Erde hervorbringt, und verschwende nichts. Vielleicht wuchs er irgendwo hinter dem Haus der Familie Schreiber, Reichelt oder einer anderen Familie, vielleicht wanderte er in den Kochtopf, und vielleicht aß jemand aus Schawoine eine solche Suppe, bevor er sich auf den Weg zur Werkstatt, Bäckerei, Mühle oder ins Gasthaus machte. Manchmal lohnt es sich nämlich, die Geschichte aus einer anderen Perspektive zu betrachten – und zwar anhand von Geschmäckern. Schawoine war schließlich nicht nur eine mittelalterliche Siedlung, später Blüchertal und heute Zawonia. Es war die Heimat von Hunderten von Menschen. Das Adressbuch von 1942 nennt 860 Einwohner, ihr Alltag ist längst verstummt, doch geblieben sind Fotografien, Namen, Zeitungsanzeigen und Familienerinnerungen. Und irgendwo dazwischen – vielleicht auch nur symbolisch – der Portulak. Eine unscheinbare Pflanze, die daran erinnert, dass die Geschichte der Küche oft nicht in großen Hotels und Restaurants beginnt, sondern im Garten hinter dem Haus, im Kochtopf auf dem Herd oder auf dem Teller an einem Tisch, an dem die Bewohner des einstigen Schawoine zusammenkamen.

Als pflegeleichte, schnell wachsende und winterharte Pflanze findet Portulak auch heute noch seinen Platz in der Kulinarik.
Foto: Małgorzata Janik
Da die Gurkensaison 2026 sich gerade ihrem Ende zuneigt, kommt ein erfrischender Salat gerade recht – einfach und schnell zubereitet, als Beilage zu einem Hauptgericht oder auch als leichtes Abendessen, ideal für die noch immer warmen Abende. Das Rezept dafür stammt aus der Augustausgabe des Gartenratgebers Der Lehrmeister im Garten und Kleintierhof aus dem Jahr 1911:

Wertvolle Einblicke in historische kulinarische Welt lassen sich den alten Kochbüchern entnehmen. Collage erstellt mit Canva.
Quelle: Digitale Sammlungen Goethe-Universität Frankfurt
Gurkensalat mit Portulak
Die Gurken werden geschält, gewaschen und in möglichst dünne Scheiben geschnitten. Nun vermische man dieselben sofort mit einigen Löffeln Öl und einer handvoll Portulak; der Essig, sowie Pfeffer und Salz werden kurz bevor der Salat zu Tisch kommt, hinzugefügt. Noch besser schmeckt der Salat, wenn fein gehackte Salatkräuter: Boretsch, Petersilie, Schnittlauch, Pimpinelle, Kresse, Zwiebelkraut, zarter Dill und Estragon in kleinen Gaben, je nach Geschmack, daran gegeben werden.