Mutter-Anna-Wallfahrt in Neviges

Schlesier feiern Glauben und Heimat

30 Juli 2026, 11:00 Kirche

Es gibt Orte, an denen Geschichte, Glaube und Heimat auf besondere Weise zusammenfinden. Der Mariendom in Neviges ist ein solcher Ort. Seit 1995 kommen hier die Schlesier, ihre Nachkommen und Freunde zur Mutter-Anna-Wallfahrt zusammen. Was vor mehr als 30 Jahren begann, ist heute eine der größten Wallfahrten im Erzbistum Köln – und für viele Schlesier ein fester Termin im Jahreskalender. Von Beginn an liegt die organisatorische Leitung der Mutter-Anna-Wallfahrt in den Händen von Damian Spielvogel, der diese verantwortungsvolle Aufgabe seit vielen Jahren mit großem Engagement wahrnimmt.

Am Sonntag, dem 26. Juli 2026, dem Festtag der Heiligen Anna, machten sich erneut rund 5.000 Menschen aus nah und fern auf den Weg nach Neviges. Viele von ihnen kamen mit Erinnerungen an die Heimat ihrer Eltern und Großeltern. Manche trugen die Namen schlesischer Orte in ihren Herzen, andere kamen, um die schlesische Heimat ihrer Vorfahren neu zu entdecken. Sie alle verband an diesem Tag der gemeinsame Glaube und die Liebe zu Schlesien.

Glaube, Erinnerung und Gemeinschaft

Der Mariendom war bis auf den letzten Platz gefüllt. Gemeinsam wurde gebetet, gesungen und Eucharistie gefeiert. Besonders beim Gesang wurde die tiefe Verbundenheit der Pilger spürbar. Viele Lieder, die seit Generationen zum religiösen Leben der Schlesier gehören, erklangen mit großer Inbrunst und ließen den Mariendom zu einem eindrucksvollen Ort des Glaubens werden. Verstärkt wurde dieser Eindruck durch die musikalischen Darbietungen des Oberschlesischen Blasorchesters Ratingen und des Organisten Marc-David Schwarz.

Anzünden der Wallfahrtskerze.
Foto: Carsten Becher

Das Hochamt zelebrierte und predigte erneut Abbé Thomas Diradourian. Als leitender Pfarrer und Wallfahrtsleiter von Neviges ist er der „Hausherr“ dieses traditionsreichen Wallfahrtsortes. Bereits 2022 hatte er der Mutter-Anna-Wallfahrt vorgestanden. Dass er auch in diesem Jahr wieder als Zelebrant und Prediger gewonnen werden konnte, entsprach dem ausdrücklichen Wunsch vieler Pilger.

Für Abbé Thomas Diradourian ist die Mutter-Anna-Wallfahrt eine ganz besondere Wallfahrt – es ist seine „Lieblingswallfahrt“. Der gebürtige Pariser wurde 2003 in der Gemeinschaft St. Martin zum Priester geweiht. Seit September 2020 ist er gemeinsam mit Mitbrüdern der Gemeinschaft Sankt Martin leitender Pfarrer und Wallfahrtsleiter in Velbert-Neviges.

Ein besonders berührender Augenblick war die Segnung der Wallfahrtskerze zu Beginn des Gottesdienstes. Kinder waren dabei und standen in diesem Jahr ebenfalls besonders im Mittelpunkt der Wallfahrt. Ihre Anwesenheit machte deutlich: Die Mutter-Anna-Wallfahrt ist nicht nur ein Treffen der älteren Generationen. Sie ist auch ein Zeichen der Hoffnung und der Zukunft. Das schlesische Erbe soll weitergegeben werden – im Glauben, in den Familien und in der Begegnung der Generationen.

Ein Fest der Begegnung und der Verbundenheit

Nach dem Gottesdienst wurde der Pilgerparkplatz zu einem Ort der Begegnung. Die Pilger nutzten die Zeit zum Austausch, trafen Freunde und Bekannte und kamen miteinander ins Gespräch. Ein Platzkonzert des Oberschlesischen Blasorchesters Ratingen sorgte für die passende musikalische Begleitung. Bei schlesischen Fleisch- und Backwaren der Fleischerei Golly und der Bäckerei Müller wurde schließlich gemeinsam gegessen und gefeiert. Der Getränkestand wurde von Mitgliedern des Jungen Schlesiens betreut.

 

Abbé Thomas Diradourian.
Foto: Carsten Becher

So wurde die Mutter-Anna-Wallfahrt auch in diesem Jahr zu einem eindrucksvollen Fest des Bekenntnisses zum Glauben und zu Schlesien. Für einen Tag war Schlesien in besonderer Weise in Neviges gegenwärtig: in den Gebeten und Liedern, in den Gesprächen und Erinnerungen, in den schlesischen Spezialitäten und vor allem in den Menschen selbst.

Besonders erfreulich ist, dass die Mutter-Anna-Wallfahrt längst nicht nur von Menschen besucht wird, die familiäre Wurzeln in Schlesien haben. Auch zahlreiche Menschen ohne persönlichen oder familiären Bezug zu Schlesien nehmen an der Wallfahrt teil und fühlen sich von ihrer besonderen Atmosphäre, ihrem Glauben und ihrer gelebten Gemeinschaft angesprochen.

Zeichen der Verständigung und der gemeinsamen Erinnerung

Ein besonderer Moment prägte die diesjährige Mutter-Anna-Wallfahrt: Erstmals in ihrer Geschichte nahm der polnische Generalkonsul Marek Głuszko an der traditionsreichen Wallfahrt teil. Seine Anwesenheit verlieh der Veranstaltung eine besondere Bedeutung für die deutsch-polnischen Beziehungen. Gerade vor dem Hintergrund der wechselvollen deutsch-polnischen Geschichte setzte seine Teilnahme ein bemerkenswertes Zeichen der Begegnung und der Verständigung. Die Stadt Velbert repräsentierte der stellvertretende Bürgermeister Nico Schmidt.

Auch die Bundesleitung der Landsmannschaft Schlesien war bei der Wallfahrt vertreten. Bundesvorsitzender Stephan Rauhut nahm gemeinsam mit dem Bundesschatzmeister Tobias Schulz, dem Bundesschriftführer Peter Damaschek und dem stellvertretenden Bundesschatzmeister Ralf Skrzipietz an der Wallfahrt teil. Ihre Anwesenheit unterstrich die Bedeutung, die die Bundesleitung der Mutter-Anna-Wallfahrt und ihrer verbindenden Wirkung beimisst.

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Auch die schlesische Presse war bei der Wallfahrt vertreten. Monika Schultze berichtete für die Schlesischen Nachrichten, während Carsten Becher die Schlesische Bergwacht repräsentierte. Damit war auch die mediale Begleitung der traditionsreichen Veranstaltung sichergestellt.

Auf großes Interesse stießen zudem die Informationsstände der Landsmannschaft Schlesien und des Oberschlesischen Landesmuseums. Zahlreiche Besucher nutzten die Gelegenheit, sich über die Arbeit der Landsmannschaft, die Geschichte und Kultur Schlesiens sowie die vielfältigen Angebote des Museums zu informieren. Die Stände erfreuten sich während der gesamten Veranstaltung großer Beliebtheit und wurden zu wichtigen Orten des Austauschs und der Begegnung.

Ebenso erfreulich ist die ökumenische Verbundenheit, die bei der Mutter-Anna-Wallfahrt sichtbar wird. Jahr für Jahr nehmen auch zahlreiche evangelische Christen an der Wallfahrt teil. Gemeinsam mit den katholischen Pilgern setzen sie ein eindrucksvolles Zeichen für den verbindenden Charakter des christlichen Glaubens und für ein gelebtes Miteinander über konfessionelle Grenzen hinweg.

Die Mutter-Anna-Wallfahrt zeigt jedes Jahr aufs Neue: Heimat kann verloren gehen, aber sie kann nicht ausgelöscht werden. Sie lebt in den Erinnerungen, in den Familien und in der Gemeinschaft weiter.

Und wenn sich die Pilger am Ende des Tages wieder auf den Heimweg machen, nehmen sie die Gewissheit mit, dass sie nicht allein sind. Sie gehören zu einer großen Gemeinschaft, die ihre Wurzeln in Schlesien hat und diese Wurzeln auch an die kommenden Generationen weitergeben möchte.

Die nächste Mutter-Anna-Wallfahrt im Mariendom zu Neviges findet am 25. Juli 2027 statt.

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