Mehr als hundert Jahre lang stand es im Zentrum von Brinnitz und war ein stiller Zeuge wechselnder Grenzen, politischer Systeme und Generationen von Einwohnern. Es überstand den Zweiten Weltkrieg, die Nachkriegsversuche, deutsche Spuren aus der Landschaft Oberschlesiens zu entfernen, sowie Jahrzehnte des allmählichen Verfalls. Heute erstrahlt das historische Denkmal des Erzengels Michael wieder in seinem alten Glanz.
Am 14. Juli versammelten sich die Einwohner von Brinnitz am restaurierten Denkmal, um allen zu danken, die zu seiner Rettung beigetragen haben. Die abgeschlossene Restaurierung markiert nicht nur das Ende der Konservierungsarbeiten, sondern zugleich den Beginn eines neuen Kapitels in der Geschichte dieses besonderen Ortes.
Ein Denkmal, geboren aus dem Schmerz nach dem Großen Krieg
Das Denkmal wurde 1923 als Gedenkstätte für die im Ersten Weltkrieg gefallenen Einwohner von Brinnitz eingeweiht. Auf den Tafeln sind die Namen von 62 Dorfbewohnern eingraviert, die nicht von den Fronten zurückkehrten. Insgesamt wurden aus dem damals kleinen Ort mehr als 260 Männer zum Militär eingezogen.

Alte Postkarte, auf der das Denkmal abgebildet ist. Quelle: Krzysztof Marsolek
Das Entstehungsjahr des Denkmals war kein Zufall. Oberschlesien befand sich damals in einer besonders schwierigen Phase seiner Geschichte. Die drei Schlesischen Aufstände und die Volksabstimmung von 1921, die Oberschlesien zwischen Polen und Deutschland teilte, lagen bereits hinter der Region. Europa erholte sich langsam von den Folgen des Krieges, während Deutschland unter der Hyperinflation litt. Der Bau des Denkmals kostete 252 Millionen Mark – eine Summe, die heute astronomisch erscheint, damals jedoch die dramatische Geldentwertung widerspiegelte. Weitaus wichtiger als die Zahl war jedoch die Opferbereitschaft der Einwohner und Stifter, die trotz schwieriger Zeiten ein dauerhaftes Zeichen der Erinnerung an ihre Angehörigen schaffen wollten.
Initiator des Baus war der engagierte Bürger Franz Wosch. Die Statue des Erzengels Michael wurde in Ziegenhals (Głuchołazy) geschaffen. Hauptstifter war Graf Michael von Matuschka, Landrat des Kreises Oppeln.
Dank des Mutes erhalten geblieben
Nach dem Zweiten Weltkrieg war das Schicksal des Denkmals ungewiss. Viele ähnliche Monumente in Schlesien wurden als Symbole der deutschen Vergangenheit zerstört.
Das Denkmal in Brinnitz blieb dank des damaligen Pfarrers, Adam Polechoński, erhalten, der seine Zerstörung verhinderte. So erinnert es bis heute an die Einwohner des Dorfes, die – unabhängig von ihrer Nationalität oder Sprache – in die Armee des Deutschen Kaiserreiches eingezogen wurden und an den Fronten des Ersten Weltkriegs ihr Leben verloren.
Wie der Gemeinderat der Gemeinde Lugnian (Łubniany), Krzysztof Marsolek, betonte, erzählt das Denkmal die Geschichte ganz Oberschlesiens.

Die Namen der Einwohner von Brinnitz und Surowine, die im Ersten Weltkrieg ums Leben gekommen sind. Foto: G. Durecki
„Die Namen auf den Tafeln – manche klingen eher polnisch, andere eher deutsch, wieder andere sind typisch für das schlesische Grenzland – erzählen mehr als manches Geschichtsbuch. Sie zeigen, dass Brinnitz, wie ganz Schlesien, eine Gemeinschaft vieler Wurzeln, Sprachen und Traditionen war. Die Menschen lebten zusammen, und als der Krieg kam, standen ihre Namen nebeneinander auf demselben Denkmal“, sagte er während der Feierstunde.
Zugleich betonte er, dass das restaurierte Denkmal den Krieg keineswegs verherrliche. „Dieses Denkmal ruft nicht zum Krieg auf. Es warnt vor dem Krieg. Es verherrlicht keine Gewalt, sondern zeigt ihren Preis. Es erinnert daran, dass jedes Opfer einen Namen hatte, jede Familie ihre Trauer trug und jede Gemeinschaft das Recht hat, ihre eigene Erinnerung zu bewahren.“
Krzysztof Marsolek: „Die Namen auf den Tafeln – manche klingen eher polnisch, andere eher deutsch, wieder andere sind typisch für das schlesische Grenzland – erzählen mehr als manches Geschichtsbuch.“
Rettung statt weiterer Kostenvoranschläge
Viele Jahre lang blieb die Restaurierung des Denkmals lediglich ein Wunsch der Einwohner. Professionelle Kostenvoranschläge überstiegen die finanziellen Möglichkeiten der kleinen Gemeinde. Der Durchbruch gelang dank der Initiative von Ryszard Sobieszczanski, Mitglied des Dorfrates von Brinnitz.
„Das Thema war über viele Jahre vor allem aus finanziellen Gründen äußerst schwierig. Die Gemeinde konnte die Kosten einer professionellen Restaurierung nicht tragen. Ich kenne Frau Dr. Anna Zaręba seit einigen Jahren und rief sie deshalb an, um zu fragen, was wir in dieser finanziellen Situation tun könnten. Von einem Wort zum anderen fanden wir eine Lösung, und schließlich konnte eine Vereinbarung mit der Nikolaus-Kopernikus-Universität geschlossen werden“, erinnert er sich.
So entstand die Idee, die Restaurierung im Rahmen eines Geländepraktikums von Studierenden der Denkmalpflege an der Nikolaus-Kopernikus-Universität in Thorn (Toruń) durchzuführen.

Letzte Feinschliffe kurz vor der Einweihung. Die Restaurierung war ein gemeinsames Projekt von drei Stundentinnen aus Thorn. Quelle: K. Marsolek
Drei Wochen mühevoller Arbeit
Die Arbeiten leitete Dr. Anna Zaręba vom Lehrstuhl für Konservierung und Restaurierung von Architektur und Skulptur der Nikolaus-Kopernikus-Universität. Gemeinsam mit ihren Studentinnen arbeitete sie drei Wochen lang täglich am Denkmal – oft zehn Stunden am Tag, bei großer Hitze ebenso wie bei Regen.
Die größte Herausforderung stellte die Figur des Erzengels Michael dar.
„Die gesamte Figur war mit einer äußerst harten Zementschicht bedeckt. Rund 90 Prozent mussten von Hand gereinigt werden. Der Zement verfärbt den Stein, weshalb anschließend weitere konservatorische Maßnahmen erforderlich waren. Es war eine äußerst zeitaufwendige Arbeit, zugleich aber eine hervorragende Lehrstunde für die Studentinnen“, berichtet Anna Zaręba.

Die größte Herausforderung stellte die Figur des Erzengels Michael dar, die mit einer äußerst harten Zementschicht bedeckt war. Foto: G. Durecki
Wie sie ergänzt, hatte das Projekt von Anfang an auch einen pädagogischen Wert.
„Ich schlug vor, die Arbeiten im Rahmen eines Geländepraktikums mit den Studentinnen durchzuführen. Dadurch musste die Gemeinde lediglich die Material- und Unterkunftskosten übernehmen. Für uns war es ein äußerst wertvolles Übungsobjekt mit zahlreichen unterschiedlichen konservatorischen Herausforderungen.“
Mehr als nur ein Denkmal
Für die Einwohner von Brinnitz ist das restaurierte Denkmal weit mehr als ein weiteres historisches Bauwerk.
„Es ist kein großes monumentales Denkmal. Es erinnert weder an eine berühmte Schlacht noch an ein großes historisches Ereignis. Es erinnert an einfache Menschen – die Ururgroßväter unserer Nachbarn –, die keine Wahl hatten und in den Krieg ziehen mussten. 62 von ihnen kehrten nie zurück. Ihre Namen sind bis heute hier verewigt“, schrieb Ryszard Sobieszczanski nach Abschluss der Arbeiten.
Wie er betont, können selbst Menschen ohne familiäre Wurzeln in Brinnitz einen persönlichen Bezug zu dieser Geschichte finden.
„Ich stamme nicht aus Brinnitz, lebe aber in einem Haus, dessen frühere Bewohner mit den auf dem Denkmal genannten Gefallenen verwandt waren. Das zeigt, wie nah uns diese Geschichte ist und warum es sich lohnt, für solche kleinen, aber außerordentlich wertvollen lokalen Denkmäler einzutreten.“
Erinnerung, die verbindet
Die Restaurierung war ein gemeinsames Projekt der Einwohner, der Gemeinde, von Wissenschaftlern und Studierenden. Zahlreiche Bewohner und örtliche Unternehmer unterstützten die Arbeiten organisatorisch sowie bei der Unterbringung und technischen Vorbereitung.
Das Projekt zeigt, dass selbst eine kleine Dorfgemeinschaft einen wichtigen Teil ihres kulturellen Erbes bewahren kann.

Das Projekt zeigt, dass selbst eine kleine Dorfgemeinschaft einen wichtigen Teil ihres kulturellen Erbes bewahren kann. Foto: G. Durecki
Wie Krzysztof Marsolek während der Feierstunde sagte, ist es gerade diese Erinnerung, die lokale Identität stiftet.
„Heute wählen wir aus dieser Geschichte nicht nur die bequemen Teile aus. Wir nehmen sie als gemeinsames Erbe dieser Heimat vollständig an. Uns verbinden die Namen auf den Tafeln, unser gemeinsamer Ort, die Sorge um das kulturelle Erbe und die Verantwortung gegenüber den kommenden Generationen.“
Das restaurierte Denkmal des Erzengels Michael ist damit erneut zu einem der wichtigsten Wahrzeichen von Brinnitz geworden – nicht als Zeugnis des Krieges, sondern als Erinnerung an die Menschen, deren Schicksale die Geschichte dieses kleinen oberschlesischen Dorfes geprägt haben.