Michał Matheja sprach mit Kindern über Erinnerung, Familienfotos und die Suche nach den eigenen Wurzeln.
Welche Geschichten kann man aus der frühesten Kindheit bewahren? Woran und an wen erinnern die Fotografien im Familienalbum? Und wie weit kann man in die Vergangenheit zurückgehen, wenn man nach den Wurzeln der eigenen Familie sucht? Diese und viele weitere Fragen beantwortete Dr. Michał Matheja, Direktor des Forschungszentrums der Deutschen Minderheit in Oppeln, bei einem Treffen im Dokumentations- und Ausstellungszentrum der Deutschen in Polen in Oppeln.
Das Treffen richtete sich an die jüngsten Teilnehmer. Für die Kinder war es nicht nur eine Gelegenheit, Geschichten zu hören, sondern auch darüber nachzudenken, was es eigentlich bedeutet, Zeitzeuge zu sein.
Jeder von uns ist Zeitzeuge
Eine der wichtigsten Botschaften des Treffens war, dass ein Zeitzeuge nicht ausschließlich jemand sein muss, der große historische Ereignisse erlebt hat. Geschichte entsteht auch durch die alltäglichen Erfahrungen von Familien, durch Erinnerungen, Fotografien und Erzählungen, die von Generation zu Generation weitergegeben werden. „Ich wollte den Kindern vor allem erklären, wer eigentlich ein Zeitzeuge ist. Tatsächlich ist jeder von uns ein Zeitzeuge. Je älter wir sind, desto mehr können wir uns natürlich erinnern. Aber auch Kinder können ihre Umgebung beobachten und dieses Wissen später an die nächsten Generationen weitergeben“, sagte Dr. Michał Matheja.

Foto: S. Koprek-Golomb
Wie er betonte, ist es besonders wichtig, mit den ältesten Familienmitgliedern zu sprechen. Kinder haben heute noch die Möglichkeit, mit ihren Großeltern und in vielen Fällen auch mit ihren Urgroßeltern zu sprechen. Ihre Erinnerungen können eine äußerst wertvolle Quelle für das Wissen über die eigene Familiengeschichte sein. „Es lohnt sich, mit Eltern, Großeltern und den ältesten Familienmitgliedern zu sprechen. Man sollte sie fragen, wer auf alten Fotografien zu sehen ist, wie diese Menschen hießen, wann sie geboren wurden und wo sie gelebt haben. Auf diese Weise bewahren wir Erinnerungen”, betonte Matheja.
Familienfotos als Quelle der Geschichte
Ausgangspunkt des Gesprächs waren unter anderem Familienfotos und Erinnerungen. Michał Matheja erzählte den Kindern auch von seinen eigenen Erfahrungen. Als Kind und Jugendlicher fragte er seine Großeltern nach den Personen auf den Fotografien und nach früheren Generationen der Familie. Einige Informationen schrieb er damals auf. Jahre später konnte er auf diese Notizen zurückgreifen und seinen Stammbaum weiter ausbauen.
„Ich wollte den Kindern vor allem erklären, wer eigentlich ein Zeitzeuge ist. Tatsächlich ist jeder von uns ein Zeitzeuge. Je älter wir sind, desto mehr können wir uns natürlich erinnern. Aber auch Kinder können ihre Umgebung beobachten und dieses Wissen später an die nächsten Generationen weitergeben.“
Dr. Michał Matheja
Diese persönlichen Erfahrungen zeigten den Kindern, dass Geschichte nicht unbedingt in einem Schulbuch beginnen muss. Sie kann in einem Album im Regal, auf der Rückseite einer alten Fotografie oder in der Erinnerung einer Großmutter oder eines Großvaters verborgen sein.
Geschichte, die von Generation zu Generation weitergegeben wird
Das Treffen mit Michał Matheja war Teil des Projekts „Tradition im Dialog“, das vom Verband der deutschen sozial-kulturellen Gesellschaften in Polen (VdG) durchgeführt wird. Wie Bogna Piter vom Dokumentations- und Ausstellungszentrum der Deutschen in Polen erklärte, gehören Zeitzeugengespräche zum Tätigkeitsbereich der Einrichtung. „Wir organisieren eigentlich seit Beginn der Tätigkeit des Zentrums Treffen mit Zeitzeugen, wann immer sich eine solche Möglichkeit bietet. Die heutige Veranstaltung fand im Rahmen des Projekts „Tradition im Dialog“ statt, in dem wir eine Reihe verschiedener Aktivitäten geplant haben, sagte sie.

Foto: S. Koprek-Golomb
Das Projekt umfasst nicht nur Gespräche mit Zeitzeugen. Geplant sind auch weitere Treffen, generationenübergreifende Veranstaltungen, Autorenbegegnungen und Ausstellungseröffnungen.
Eine der nächsten Veranstaltungen im Rahmen des Projekts ist „Tradition im Dialog: Ausstellung. Gespräch. Autorentreffen“, die am Mittwoch, dem 2. September 2026, um 11.00 Uhr im Dokumentations- und Ausstellungszentrum der Deutschen in Polen, ul. Szpitalna 11, in Oppeln stattfindet.

Johannes Kwapis opisuje osobiste doświadczenia swojej rodziny na Śląsku i stawia pytanie o sposób podejścia do historii i odpowiedzialności.
Foto: Manuela Leibig
Zu Gast wird diesmal Johannes Kwapis, Autor des Buches „Mein Opa, mein Vater und ich. Eine etwas andere Familiengeschichte“, sein. Mit dem Autor wird Monika Wittek über Erinnerungen, Familiengeschichten und die Suche nach den eigenen Wurzeln sprechen.
Ein weiterer Programmpunkt ist die Eröffnung der Ausstellung „Aus der Schublade der Erinnerungen meiner Großeltern“. Initiatorin und Koordinatorin des Projekts ist Dr. habil. Gabriela Jelitto-Piechulik, Professorin an der Universität Oppeln. Mit der Initiatorin des Projekts über die Ausstellung sprechen wird Barbara Saczko-Bomba.
Die Themen der Veranstaltung knüpfen damit unmittelbar an das an, worüber die Kinder mit Michał Matheja gesprochen haben: an familiäre Erinnerungen, Fotografien, persönliche Geschichten und Geschichte, die von einer Generation an die nächste weitergegeben wird.

Das Treffen mit Dr. Michał Matheja war Teil des Projekts „Tradition im Dialog“, das vom Verband der deutschen sozial-kulturellen Gesellschaften in Polen (VdG) durchgeführt wird.
Ausgangspunkt des Gesprächs waren unter anderem Familienfotos und Erinnerungen. Michał Matheja erzählte den Kindern auch von seinen eigenen Erfahrungen.
Es lohnt sich, mit Eltern, Großeltern und den ältesten Familienmitgliedern zu sprechen, betonte der Gast des Treffens.