Die Bewohner der Stadt an der Küddow und der Umgebung sowie Gäste haben ein weiteres, bereits das vierte Museum erhalten, das sich zwischen den Gleisen auf Bahnsteig 1 des Hauptbahnhofs Piła Główna im Gebäude der ehemaligen Post- und Bahndienststelle befindet. Zahlreiche Pfosten mit farbigen Fotos dieses Bahnhofs aus längst vergangenen Jahren, die auf der Grünfläche nahe der Schutzpatronin der Eisenbahner, der heiligen Katharina, aufgestellt sind, informieren nicht nur, sondern weisen auch den Weg zum Eisenbahnmuseum in Schneidemühl. Es bereichert das Netz von mehr als fünfzehn Einrichtungen, die thematisch mit dem Eisenbahnwesen verbunden sind, ganz zu schweigen von zahlreichen Gedenkstätten und Lokschuppen in Polen.
„Ursprünglich planten wir, dafür den denkmalgeschützten, über hundert Jahre alten Lokschuppen zu nutzen, doch aus von uns unabhängigen Gründen war dies nicht möglich. Vor etwa zehn Jahren organisierte ich eine Freiluftausstellung vor dem Eingang zum alten, denkmalgeschützten Tunnel, der zum Hauptbahnhofsgebäude und zu den Bahnsteigen führt. Gezeigt wurden Modernisierungsentwürfe für den hier allgemein bekannten „Okrąglak“ (Rundbau) mit Drehscheibe und Ständen für 16 Lokomotiven! Es wurde sogar der Verein „Parowozownia Pilska Okrąglak“ gegründet, aber … leider endete es damit. So ein Objekt! Es ist unmöglich, dort ein Restaurant mit Diskothek einzurichten, denn auch solche, völlig unpassenden Ideen gab es“, sagt Artur Łazowy, Initiator des Projekts, Mitbegründer der neu entstandenen Einrichtung und Vorsitzender des Vereins für soziale Initiativen EFFATA.
Ergebnis gemeinsamer Anstrengungen
Dank des Wohlwollens der PKP-Leitung werden die Räumlichkeiten für diese Einrichtung gemietet. Etwas mehr Glück hatte in dieser Hinsicht Luba Zarembińska aus Samotschin, die ebenfalls an der Eröffnung der Einrichtung in Schneidemühl teilnahm. Vor vielen, vielen Jahren kam sie nach ihrem Schauspielstudium in Warschau in die Provinz. Ihr unruhiger Geist ermöglichte es ihr, der Bahnverwaltung das Gebäude des dortigen stillgelegten Bahnhofs „zu entreißen“. Mitte der 1990er-Jahre richtete diese Regisseurin und zugleich Sozialaktivistin dort … das Theater „Stacja Szamocin“ ein. Es ist ein kultureller Anziehungspunkt nicht nur für die Einheimischen. Sie wurde mehrfach mit staatlichen und ministeriellen Auszeichnungen geehrt, doch am meisten schätzt sie eine von der Eisenbahnerbruderschaft geschenkte Richtungstafel, wie man sie an Waggons findet, mit der scherzhaften Aufschrift: „Luba [R] Warszawa Wsch. (Poznań Główny) Stacja Szamocin“, die sie stets mit Stolz präsentiert. Zusammen mit der Bahnleitung aus der Hauptstadt und Posen sowie sogar aus Krakau nahm sie an der Eröffnung dieser neu entstandenen Einrichtung in Schneidemühl teil.

Das Team von Eisenbahnmodell-Enthusiasten aus Petzen-Hauland bei Moschin (Mosina), das auch den Lokschuppen Wollstein vertritt.
Foto: A.N.
In den Räumlichkeiten, die der am 3. Juli dieses Jahres offiziell gegründete Verein der Eisenbahnfreunde übernommen hat, gibt es noch sehr viel zu tun. Das Gebäude war lange Zeit ungenutzt, an einigen Stellen wuchsen sogar Sträucher, und es ist gut, dass es nun ein neues Leben und eine andere Funktion erhalten hat. Die Elektrik muss erneuert werden, neue und funktionale Sanitär- und Sozialräume müssen geschaffen werden usw. Aber es existiert und funktioniert! Mehr als 200 Exponate gibt es bereits, darunter einen Simulator des Typs EN-27 zum Führen eines Zuges. Dieses Gerät zieht junge Leute wie ein Magnet an, und auch ältere Besucher versuchen sich manchmal daran. Für die Jüngsten gibt es Malbücher mit dem Titel „Legenda o powstaniu Piły“ und Utensilien zum Gestalten.
Die Ausstattung wurde von wohlgesinnten ehemaligen Eisenbahnern, Freunden, Enthusiasten, Mitarbeitern der aufgelösten Eisenbahnausbesserungswerke (ZNTK) sowie zahlreichen Liebhabern der Eisenbahn und der Stadt gespendet. Sie leisteten auch organisatorische, materielle oder konkrete, rein handwerkliche Hilfe bei der Einrichtung dieses Ortes. Wie einer von ihnen in einem privaten Gespräch erwähnte: „Artur hat drei Nächte nicht geschlafen, um alles für diese Eröffnung zu ermöglichen. Und das Ergebnis der gemeinsamen Anstrengung ist sichtbar! Zwar ist es nicht auf dem Niveau des britischen Museums in York und Shildon, das unter dem gemeinsamen Namen National Railway Museum fast 300 Jahre Eisenbahngeschichte präsentiert, oder des ältesten und größten Eisenbahnmuseums in Polen, der „Stacja Muzeum w Jaworzynie Śląskiej“, aber es befriedigt bereits jetzt die kognitiven, intellektuellen und emotionalen Bedürfnisse der Besucher, denn es vergisst die ‚Wurzeln‘ nicht!“
60 km in 42 Minuten
„Ich habe das Museum finanziell unterstützt, aber auch einen Vorkriegsatlas der Eisenbahnstrecken in Deutschland, Karten, Bücher und andere Archivalien gespendet“, sagte eine der vielen Spenderinnen, Agnieszka Martenka aus dem nahe gelegenen Usch (Ujście). Estera Serówka, ebenfalls aus dieser Stadt, übergab eine große Sammlung von Unikaten aus dem Nachlass ihres verstorbenen Mannes Piotr, des letzten Direktors der ZNTK und Autors des Buches „Nasza historia …“.
Dieser Blick in die Vergangenheit fällt sofort auf. Die Dokumentation reicht bis in die Bauzeit der Königlichen Ostbahn und zur Ankunft des ersten Zuges in Schneidemühl aus dem nahe gelegenen Kreuz (heute Krzyż Wielkopolski) zurück. Weitere Phasen betreffen die Entstehung des Eisenbahnknotens und der dazugehörigen Anlagen sowie der Werkstätten der Königlichen Ostbahn (1874), später der Waggonreparatur und ab 1907 der Lokomotivreparatur, ab dem Ersten Weltkrieg der Reichsbahnausbesserungswerke und nach dem Zweiten Weltkrieg der ZNTK.

Vortrag von Dr. habil. Krzysztof Małachowski, Professor an der Technischen Universität Bromberg und Dozent an der Adam-Mickiewicz-Universität in Posen sowie Mitglied des TMMP. Im Hintergrund links: die Vorsitzende des TMMP Maria Bochan, danach Jacek Stróżyński, Magister der Geschichte mit archivwissenschaftlicher Spezialisierung, katholischer Sozialaktivist, Chefredakteur der Monatszeitschrift „Życie i Myśl“ (Posen) und stellvertretender Vorsitzender des TMMP; im Hintergrund Stadtrat Dr. Jan Szwedziński.
Foto: A.N.
Nach der Insolvenz im Jahr 2008 ereilte leider auch die weltweit bekannte Firma INTERLOK, die Lokomotiven und alte Dampflokomotiven reparierte und Dampfkessel baute, das Schicksal dieser Werke. Der Einsatz der Aktivisten bei der Schaffung dieser Einrichtung in der vielfältigen Museumslandschaft Polens wurde von der Bahnleitung und den Gesellschaften auf allen Ebenen, den bereits bestehenden Museen in Wollstein (Wolsztyn) und Königszelt (Jaworzyna Śląska) sowie dem Marschall der Woiwodschaft Großpolen, dem Woiwodschaftsdenkmalamt in Posen und einer langen Liste weiterer Institutionen unterstützt.
Ohne diese Hilfe wären auch die dreitägigen Jubiläumsfeierlichkeiten nicht so außergewöhnlich gewesen. Seit dem Samstagmorgen des heißen Tages am 25. Juli versammelten sich Reisende und Eisenbahnfreunde. Stände mit zahlreichen Kostbarkeiten und Andenken, darunter sogar Kajaks, die ebenfalls als Verkehrsmittel dienen und für eine Stadt, die vom Tourismus lebt, nicht ungewöhnlich sind, zogen Jung und Alt an. Es gab auch einen Stand mit Wettbewerben und Preisen.
Nach der offiziellen Begrüßung machten sich alle Inhaber eines Sonderfahrscheins und die Ehrengäste auf den Weg zum eigens bereitgestellten Schienenbus, der aus Posen gekommen war. Er war dicht gefüllt: 147 Erwachsene und Kinder saßen sogar auf den inneren Treppenstufen oder standen. Dies übertraf die kühnsten Erwartungen der Organisatoren. Die gut 60 Kilometer lange Strecke Schneidemühl–Kreuz wurde in der rekordverdächtigen Zeit von 42 Minuten zurückgelegt. Die Fahrt wurde durch Erzählungen von Prof. Krzysztof Małachowski über die vorbeiziehenden Bauwerke und die Geschichte dieser „Eisernen Bahn“ sowie des stillgelegten Bahnhofs „Piła Towarowa“ bereichert.
Es gab keinen Mangel an Interessierten
Am Bahnhof wurden die Reisenden von Trompetenklängen und Fahnenabordnungen empfangen, und alle gemeinsam bewegten sie sich in Richtung des Denkmals der heiligen Katharina bei der denkmalgeschützten Dampflokomotive. Es gab Kranzniederlegungen, eine festliche Ansprache der bezaubernden Bürgermeisterin Marta Kubiak sowie eine süße Bewirtung im Stadt- und Gemeindekulturzentrum mit der Präsentation zweier Ausstellungen: einer patriotischen und einer zweiten, die die Geschichte dieses Ortes aufgriff.
Die Strecke, die einst die deutsche Hauptstadt Berlin mit Königsberg (Preußen) verband, war fast 600 km lang und konnte Mitte der 1920er-Jahre mit einem Expresszug in etwas mehr als sechseinhalb Stunden zurückgelegt werden!
Auf der Rückfahrt wurden die Passagiere von Seiner Majestät Friedrich Wilhelm IV. (Marek Karpiński) besucht, von dessen Entscheidung und Finanzierung der Erfolg des Baus der historischen Eisenbahnstrecke abhing. Neben gelegentlichen Erzählungen bewirtete er seine „Untertanen“ mit Bonbons.
Es sei daran erinnert, dass die Strecke, die einst die deutsche Hauptstadt Berlin mit Königsberg (Preußen) verband, fast 600 km lang war und Mitte der 1920er-Jahre mit einem Expresszug in etwas mehr als sechseinhalb Stunden zurückgelegt werden konnte!
Vor Ort in Schneidemühl wurden die Aussteigenden von den munteren Klängen einer Blaskapelle aus dem nahe gelegenen Erpel (Kaczory) unter der Leitung von Kapellmeister Romuald Wiza begrüßt. Das Publikum ließ nicht locker und forderte immer wieder Zugaben.
An diesem Tag gab es noch einen Spaziergang durch die Bahnhofsanlagen, den der Reiseführer Piotr Rogoziński den Teilnehmern der Veranstaltung anbot. Ein solcher Spaziergang wurde auch am Sonntag angeboten. Es mangelte nicht an Interessierten für die Eröffnung des Museums und seine Exponate sowie für Gespräche mit dem kompetenten Kreis der Eisenbahnexperten. Sie konnten diese Aktivitäten auch am nächsten Tag fortsetzen.
Mit Erstaunen betrachteten die Ankommenden am Bahnhof die einzigartige Parkeisenbahn Pecna (Petzen-Hauland), die von Robert Bocian und seinen Freunden betrieben wird und über fahrende Dampflokomotiven im Maßstab 1:10 verfügt. Der Bau einer dieser Lokomotiven dauert etwa drei Jahre, die einzelnen Teile stellen sie selbst her. „Die Männer haben Geduld!“ und Leidenschaft.
Am letzten Tag fand unter der organisatorischen und fachlichen Betreuung von Maria Bochan, der Vorsitzenden des Vereins der Freunde der Stadt Schneidemühl, eine populärwissenschaftliche Konferenz statt.
Nicht nur ein Verkehrsfaktor
Über die Königliche Ostbahn sprach der Historiker und Archivar Jacek Stróżyński, während Herr Rogoziński einen Überblick über die Geschichte des Eisenbahnknotens Schneidemühl gab. Der Vortrag von Prof. Małachowski wiederum zielte darauf ab, die Bedeutung der Eisenbahn im Laufe der Jahrhunderte für die Entwicklung der Stadt aufzuzeigen.

Die Zuhörer bei der populärwissenschaftlichen Konferenz am Ort des ehemaligen Restaurants, heute eines Cafés, verbindet die Sympathie für die Stadt und die Eisenbahn sowie der Respekt vor der Geschichte.
Foto: A.N.
Zweifellos war und bleibt die Eisenbahn nicht nur ein Verkehrsfaktor, sondern auch ein stadtbildender Faktor, der den Transport von Gütern und Menschen, die Entwicklung von Handwerk und Industrie, Bauwesen und Architektur sowie Stadtplanung, Bildung, Kultur und Kunst ermöglicht. Sie bietet Arbeitsplätze und Möglichkeiten zur Selbstverwirklichung für die Bewohner und die in der Umgebung Ansässigen.
Es darf nicht übersehen werden, dass das Jubiläum in Schneidemühl mit dem 100. Jahrestag der Gründung der Polnischen Staatsbahnen und dem 15-jährigen Bestehen der Großpolnischen Bahnen zusammenfällt. Diese Spuren sind auch im Museum zu finden. Einmal mehr bestätigt sich das alte Sprichwort: Die Eisenbahn verbindet!