Im schlesichen Aschenputtleschloss

Fest zum Todestag von Johanna Schaffgotsch

2 Juli 2026, 17:00 Geschichte

Die jahrzehntelang vergessenen und vernachlässigten Ruinen des Schlosses Koppitz erstrahlen dank der laufenden Renovierung in neuem Glanz. Nach erfolglosen Versuchen verschiedener Investoren aus ganz Polen übernahm der Oppelner Joachim Wiesiollek im Jahr 2022 das zerstörte Anwesen und führt schrittweise dessen Wiederaufbau durch. Wie bereits bei seinem Gut in Zyrowa verwirklicht er weitere Phasen der Rekonstruktions- und Konservierungsarbeiten.

Wer war Johanna Gryzik?

Das schlesische Aschenputtel war Johanna Gryzik (1842–1910). Ihr Vater starb, als sie drei Jahre alt war, woraufhin die Familie in finanzielle Schwierigkeiten geriet. Ihre Mutter Antonina sah die Rettung in einer erneuten Heirat, doch ihr älteres Kind war ein Hindernis für diese Pläne. Daher übergab sie Johanna ein Jahr später in die Obhut von Karl Godulla, und beide zogen in das von ihm erworbene Schloss in Schomberg.

Der „Zinkfürst“, wie Karl Godulla genannt wurde, hatte keine Nachkommen. Vor seinem Tod vermachte er dem Mädchen testamentarisch seine Zinkhütten, Kohlebergwerke und eine Galmeigrube. Johanna war keine Adlige, was später zum Problem wurde, als sie Hans Ulrich von Schaffgotsch heiraten wollte. Das Paar wandte sich an den preußischen König mit der Bitte, ihr einen Adelstitel zu verleihen. Daraufhin ließ sich das Ehepaar im neu erbauten Schloss in Koppitz nieder, wo sie vier Kinder großzogen.

Beim Fest zum Todestag von Johanna Schaffgotsch besuchten zahlreiche Gäste das Schloss Koppitz und sein weitläufiges Anwesen.
Foto: L. Herbst

Das in einem kleinen Dorf gelegene Schloss wurde im Grundriss in Form eines „L“ errichtet und bildet das Zentrum des gesamten 69,7 Hektar großen Anwesens. Vor dem Schloss befindet sich ein Teich, der zahlreichen Vögeln Wasser spendet. Im südlichen Teil des Anwesens, hinter dem Schloss, befindet sich zudem eine Kapelle, die Zeugnis vom Glauben der einstigen Bewohner ablegt. Das gesamte Anwesen ist von einem Park umgeben.

Die Familie Schaffgotsch gehörte zum sehr wohlhabenden Adel und konnte daher viele Bedienstete beschäftigen, denen die Pflege der Kapelle, des Schlosses und des Gartens anvertraut wurde.

Vom echten Palast zur Ruine

Obwohl das Schloss beide Weltkriege miterlebte, wurde es nicht durch Bombenangriffe zerstört. Schwere Schäden entstanden erst in den 1950er Jahren, als es zwei Mal brannte. Vom Dach blieben nur noch einzelne Fragmente übrig, und die Holzbalkendecken brannten vollständig nieder.

Am Tag vor dem Todestag Johannas, dem 20. Juni dieses Jahres, fand ein Fest statt, bei dem das Schloss mit Führung besichtigt werden konnte.

Im Laufe der Jahre wurden die Kunstwerke der Anlage immer wieder geraubt. Die Wände verloren ihre ursprüngliche Farbe, und an vielen Stellen wurde der Backstein freigelegt.

Das Gelände verwilderte und blieb seit dem Brand, der das Schloss beschädigte, lange Zeit ungepflegt. Die größten Herausforderungen für den Eigentümer sind der Wiederaufbau des Daches, die Verstärkung der einsturzgefährdeten Wände und die Reparatur der Böden. Hinzu kommen die Schäden, die in den vergangenen Jahren durch Besucher verursacht wurden.

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Die Kosten sind sehr hoch, und es bleibt eine offene Frage, ob die Renovierung und der Wiederaufbau vollständig abgeschlossen werden können.

Ein Tag voller Emotionen

Am Tag vor dem Todestag Johannas, dem 20. Juni dieses Jahres, fand ein Fest statt, bei dem das Schloss mit Führung besichtigt werden konnte. Um 9:00 und 10:00 Uhr wurde den Gästen der Zugang zu einigen Innenräumen ermöglicht, das Fotografieren war jedoch nur im Außenbereich gestattet. Jede Gruppe zählte etwa 40-50 Personen, die aus verschiedenen Orten angereist waren.

Das Schloss Koppitz zieht mit seiner laufenden Restaurierung und seiner Geschichte immer mehr Interessierte an.
Foto: L. Herbst

Anschließend konnten die Besucher um 11:00 Uhr vor dem Schloss historische Fahrzeuge bestaunen, darunter viele alte Modelle. In fußläufiger Entfernung vom Schloss, in der Nähe der örtlichen Kirche, wurden Stände mit Büchern über die Geschichte des Schlosses und der Familie Schaffgotsch aufgebaut. Es gab auch Andenken sowie Kaffee und Kuchen.

Um 14:00 Uhr zelebrierte der Pfarrer der örtlichen Pfarrei eine Heilige Messe, im Anschluss fand ein Orgelkonzert von Herrn Marcin Lauzer statt. Den Abschluss der Veranstaltung bildeten Auftritte von Schülern der Grundschule in Koppitz sowie des Chors Angelorum aus Grottkau.

Lea Herbst

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