Es gab keine Überraschung im DFB-Pokalfinale, in dem im Olympiastadion in Berlin der Titelverteidiger VfB Stuttgart dem FC Bayern München mit 0:3 unterlag. Damit gewannen die Bayern nach sechs Jahren diese Trophäe zurück, holten sie zum 21. Mal in ihrer Geschichte und standen dabei zum 25. Mal im Finale. Der Gewinn des nationalen Pokals führte zudem dazu, dass die Mannschaft von Vincent Kompany die Saison in Deutschland mit einem Double abschloss, denn sie hatte sich zuvor bereits die deutsche Meisterschaft gesichert.
Die ersten 45 Minuten deuteten nicht darauf hin, dass die Münchner den Stolz Schwabens so deutlich besiegen würden. Das Spiel verlief nämlich unter klarer Dominanz des VfB, der mutig angriff und bereits in der 9. Minute hätte in Führung gehen können, doch nach einem Zuspiel von Undav und einem Schuss von Mittelstädt landete der Ball im Außennetz des Bayern-Tores. Fünf Minuten später gefährdeten die Stuttgarter erneut das Tor des deutschen Meisters, ebenso in der 17. Minute, als nach einem Schuss von Mittelstädt der FCB-Torhüter Urbig den Ball mit größter Mühe zur Ecke abwehrte. Die Bayern kamen erstmals ernsthaft in der 36. Minute vor das Tor des VfB (Stanisic), doch der Schlussmann der Schwaben, Nübel, griff erfolgreich ein.
Kanes Konzert
Auch der Beginn der zweiten Halbzeit gehörte den Schützlingen von Sebastian Hoeneß, die weiterhin überlegen waren, aber ihnen fehlte nach wie vor die Entschlossenheit in den Situationen vor dem Tor. Diese mangelnde Effizienz rächte sich an Stuttgart in der 55. Minute, als Kane nach einer Flanke von Olise per Kopf die Münchner mit 1:0 in Führung brachte. In diesem Moment nahm man an, dass der Gegentreffer den VfB motivieren würde und die Schwaben nun mit noch größerer Entschlossenheit zum Angriff übergehen würden. Stattdessen stellte sich heraus, dass der Gegentreffer auf die Stuttgarter destruktiv wirkte, denn sie gaben die Initiative an die Münchner ab. Die Folgen ließen nicht lange auf sich warten. Die in Fahrt gekommenen Bayern bedrohten immer wieder das Tor des Gegners und nach einigen vergebenen Chancen erhöhte Kane in der 80. Minute nach Vorlage von Luis Diaz auf 2:0.
Bayern München gewann nach sechs Jahren den DFB-Pokal zurück und holte sich die Trophäe zum 21. Mal in seiner Geschichte.
Kane wie Seeler, Wohlfarth und Lewandowski
In diesem Moment wurde klar, dass der Stolz Schwabens diese Trophäe, die sie im vergangenen Jahr gewonnen hatten (als sie im Finale Arminia Bielefeld mit 4:2 besiegten), nicht verteidigen würde. Trotz der deutlichen Führung griffen die Bayern weiter an, suchten bis zu den letzten Sekunden des Duells nach weiteren Toren und erhielten in der 90.+2. Minute einen Elfmeter wegen Handspiels des VfB-Mittelfeldspielers Stiller, den Kane sicher verwandelte. Damit vollendete der englische Torjäger einen Hattrick und wurde der vierte Spieler in der Geschichte, der in einem DFB-Pokalfinale drei Tore erzielte. Zuvor gelang dieses Kunststück Uwe Seeler (Hamburger SV) im Jahr 1963, Roland Wohlfarth (Bayern München) im Jahr 1986 sowie Robert Lewandowski als Spieler von Borussia Dortmund im Jahr 2012.
Glücklich und stolz
Nach dem Ende des Finalspiels sagte Bayern Münchens Trainer Vincent Kompany: „Ich bin glücklich und stolz. Wir bewahrten nach der ersten, von unserer Seite aus nicht besten Halbzeit die Ruhe und verbesserten dann unser Spiel. In der Halbzeitpause sagte ich meinen Spielern, dass sie ruhig bleiben müssen, dann würden ihre Chancen kommen. Und sie kamen, und sie nutzten sie. Übrigens, wie meine Schützlinge die zweite Halbzeit spielten, war großartig. Als Trainer von Bayern stand ich einfach da und bewunderte es. Jetzt feiern wir unseren nächsten Erfolg und nehmen diese Emotionen und Erfahrungen für zukünftige Finals mit, die hoffentlich bald kommen werden. So funktioniert das bei uns.“
Spieldokumentation:
Bayern München – VfB Stuttgart 3:0 (0:0)
Kane (55., 80., 90+2.).
Bayern München: Urbig – Laimer (90+5. Bischof), Upamecano, Tah, Stanisic (90+4. Ito) – Kimmich, Pavlovic (90. Goretzka), Olise (90+5. Guerreiro), Musiala (76. Karl), Luis Diaz – Kane.
VfB Stuttgart: Nübel – Jaquez (64. Jeltsch), Chabot (84. Nartey), Hendriks – Leweling, Chema, Stiller, Mittelstädt – Undav, Führich (78. El-Khannouss) – Demirovic (84. Tiago Tomas).
Gelbe Karten: Führich und Chabot (beide VfB Stuttgart)
Zuschauer: 74.036 (ausverkauft)
Schiedsrichter: Sven Jablonski
Krzysztof Świerc