Aus unserer Geschichte

Bulletin der Freunde

20 Mai 2026, 05:00 Geschichte

In den beiden vorherigen Feuilletons schrieb ich über die Presse der 1950er Jahre, die das Thema der deutschen Minderheit in Polen aus völlig unterschiedlichen Positionen aufgriff. Auf der Zeitskala verschieben wir uns heute um etwa 30 Jahre – es erscheint das „Bulletin des Deutschen Freundschaftskreises in Schlesien“, eine Art Presseorgan der Minderheitenbewegung in den letzten Jahren der Volksrepublik Polen.

Ein spezifisches Organ, denn jede Ausgabe endete mit dem Vermerk „zum internen Gebrauch“. Da das Phänomen dieser Bulletins wenig bekannt ist und sie gleichzeitig eine Fundgrube des Wissens über die Untergrundstrukturen des DFK darstellen, wird der heutige Text eine Art Einführung in diese Thematik sein. In zwei weiteren Ausgaben möchte ich mich auf die darin veröffentlichten Inhalte konzentrieren.

Die Bulletins waren nicht nummeriert, sondern lediglich auf die einzelnen Monate datiert. Es gab dabei Ausgaben, die ein ganzes Quartal umfassten, und sogar Sonderausgaben. Sie erschienen stets in zwei Sprachversionen, wobei konsequent nur die polnischen Ortsnamen verwendet wurden. Grund dafür war wohl die Angst vor dem Vorwurf des Revisionismus, der propagandistischen Keule der damaligen regimehörigen Medien. Der Vermerk über den internen Gebrauch sollte ebenfalls eine Art Sicherung darstellen. Angesichts der wiederholten Verweigerung der Registrierung des Vereins der Deutschen hatten die Aktivisten nämlich die These übernommen, dass der DFK keine Organisation sei, sondern lediglich – wie der Name schon sagt – ein Freundeskreis.

Im ersten, auf Dezember 1986 datierten Bulletin formulierten sie es wie folgt [Originalschreibweise]:

Im Dezember 1985 entstand der „Deutsche Freundschaftskreis in Schlesien“, welcher sich zur Aufgabe gestellt hat, die Interessen aller Deutschen in Schlesien und Pommern zu vertreten.

Angesichts der wiederholten Verweigerung der Registrierung des Vereins der Deutschen hatten die Aktivisten die These übernommen, dass der DFK keine Organisation sei, sondern lediglich – wie der Name schon sagt – ein Freundeskreis.

Als Hauptziele wurden in der ersten Ausgabe genannt: Pflege der deutschen Sprache, „Erhaltung des Deutschtums unter den Menschen deutscher Herkunft“, Hilfe für Ausreisewillige nach Deutschland sowie „Durchsetzung der kulturellen Rechte und des freien Kontaktes mit dem Vaterland gegenüber den polnischen Behörden“ für diejenigen, die bleiben wollen.

Ein Blick hinter den (eisernen) Vorhang
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Die Aktivisten des Untergrund-DFK erkannten die Rolle der Medien. Ein Großteil des ersten Bulletins war einer recht optimistischen Darstellung der Bemühungen um die Genehmigung einer Monatszeitschrift mit einer Auflage von 10.000 Exemplaren gewidmet. Die Redaktion der „Unsere Muttersprache“ – so sollte das Periodikum heißen – hatte ihren Sitz in Kattowitz.

Es wäre vielleicht gut, wenn in den Spalten des „Wochenblatt“ die Namen jener mutigen Menschen erschienen, die vor 40 Jahren versuchten, eine unabhängige Minderheitenpresse zu schaffen. Chefredakteur der geplanten Zeitschrift sollte Fryderyk Zaczyk (Ratiborhammer) werden, das Redaktionsteam sollte bilden [Originalschreibweise]: Ginter Krasówka (Kandrzin-Cosel), Rosemarie Białas (Breslau), Eugeniusz Piowczyk (Hindenburg), Ginter Marny (Beuthen), Maria Lewandowska (Czechowitz), Zygfried [sic!] Wranik (Ratiborhammer), Wilibald Waniek (Deschowitz), Alice Brzezińska (Breslau), Urszula i Jacek Kałużny (Kattowitz) sowie der Schriftleiter Eugen Osmenda (Tichau).

Michał Matheja

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