Historische Glocken kehren nach Trebnitz zurück

19 April 2026, 17:00 Kirche 32

„Glocken Europas für den Frieden”

Die Rückkehr der Kirchenglocken nach Trebnitz am 12. April erfolgte im Rahmen des internationalen Projekts „Glocken Europas für den Frieden”, das von der deutschen Diözese Rottenburg-Stuttgart initiiert wurde. Es handelt sich um eine langfristige Initiative, deren Ziel die Rückgabe von im Zweiten Weltkrieg konfiszierten Glocken sowie der Aufbau von Versöhnung und Dialog zwischen den Gemeinschaften in Polen, Deutschland und Tschechien ist.

Das Projekt knüpft an die dramatischen Ereignisse der 1940er Jahre an, als in europäischen Kirchen rund 100.000 Glocken abgenommen wurden. Sie wurden für die Rüstungsindustrie des Dritten Reiches bestimmt. Bis Kriegsende überlebten nur etwa 16.000 von ihnen; ein Teil gelangte auf den sogenannten „Glockenfriedhof“ in Hamburg. Nach 1950 wurden viele davon als sogenannte Leihglocken an Pfarreien in der Bundesrepublik Deutschland übergeben.

Am 12. April kehrten im Rahmen der Initiative „Glocken Europas für den Frieden“ drei Kirchenglocken nach Trebnitz zurück.
Quelle: Rafał Bartek

Von den ersten Rückgaben zum systemischen Projekt

An die Diözese Rottenburg-Stuttgart wurden nach dem Krieg rund 67 Glocken übergeben. Die Initiative ist auf sechs Jahre angelegt; die Kosten werden auf etwa 400.000 Euro jährlich geschätzt und vollständig von der Diözese getragen.

Der Mechanismus ist klar definiert: Wenn eine Pfarrei in Polen oder Tschechien die Rückgabe einer historischen Glocke beantragt und die deutsche Seite zustimmt, finanziert die Diözese den Guss einer neuen Glocke als Ersatz. So entstehen für keine Seite Kosten, und der Prozess hat einen partnerschaftlichen und symbolischen Charakter.

Die erste sogenannte Friedensglocke wurde 2021 nach Aichtal-Grötzingen übergeben, dessen Pfarrei ihre historische Glocke von 1649 an Píšť (Tschechien) zurückgab. Auf dem Schlagring der neuen Glocke befindet sich eine Inschrift, die an diesen Austausch erinnert. In vielen Gemeinden in Baden-Württemberg hängen bereits ähnliche Glocken oder werden bald installiert – auch mit Bezug auf Trebnitz.

Am 12. April kehrten im Rahmen der Initiative „Glocken Europas für den Frieden“ drei Kirchenglocken nach Trebnitz zurück.
Quelle: Rafał Bartek

Im Herbst 2021 umfasste die erste Etappe des Projekts Píšť (Tschechien), wo eine 1944 abgenommene Glocke zurückkehrte. An der Zeremonie nahm unter anderem ein 101-jähriger Zeitzeuge teil, der sich an den Abbau erinnerte. Weitere Etappen betrafen unter anderem das Ermland (Frombork – Frauenburg und Żegoty – Siegfriedswalde) sowie weitere Regionen in Polen und Tschechien. Ein bedeutender Moment war die Rückkehr der Glocken nach Schweidnitz, die im vergangenen Jahr im dortigen Dom stattfand. An der Feier nahmen eine Delegation der Diözese Rottenburg-Stuttgart mit Bischof Klaus Krämer sowie Bischof Marek Mendyk teil. Die Glocken kehrten unter anderem in die Pfarreien Rosenthal (Różanka) und Waldowitz (Włodowice) nach über 80 Jahren zurück und wurden zu einem Symbol der Versöhnung und des gemeinsamen Erinnerns.

Trebnitz: Alle drei Glocken sind zurückgekehrt

Im Rahmen derselben Initiative sind inzwischen alle drei historischen Glocken der Basilika St. Hedwig in Trebnitz zurückgekehrt. Die Instrumente wurden als ursprünglich aus dieser Kirche stammend identifiziert und waren nach dem Krieg nach Deutschland gelangt.

Die größte Glocke wurde 1706 in Breslau (Wrocław) von Sebastian und Sigismund Goetz gegossen. Sie hat einen Durchmesser von 720 mm und wiegt etwa 210 kg. Auf ihrem Mantel befindet sich die Darstellung des Heiligen Laurentius sowie Gießerinschriften.

Am 12. April fand in der Basilika von Trebnitz die feierliche Übergabe der Glocken statt. An der Veranstaltung nahmen eine Delegation der deutschen Pfarrei sowie Vertreter der übergebenden Diözese teil.

„Heute ist der Sonntag der Göttlichen Barmherzigkeit, Gottes, der uns liebt, aufrichtet und erneuert“, sagte Bischof Maciej Małyga und betonte die symbolische Bedeutung der Rückkehr der Glocken, die über Jahrhunderte die Gläubigen zum Gebet gerufen hatten.

– „Heute ist der Sonntag der Göttlichen Barmherzigkeit, Gottes, der uns liebt, aufrichtet und erneuert“, sagte Bischof Maciej Małyga und betonte die symbolische Bedeutung der Rückkehr der Glocken, die über Jahrhunderte die Gläubigen zum Gebet gerufen hatten.

Bischof Gerhard erinnerte an die Kriegskonfiskationen: – „1940 ordneten die Nationalsozialisten an, alle Glocken von den Kirchtürmen zu entfernen. Der Großteil wurde zu Kriegszwecken eingeschmolzen. Heute kehren sie als Zeichen von Frieden und Versöhnung zurück.“

Am 12. April kehrten im Rahmen der Initiative „Glocken Europas für den Frieden“ drei Kirchenglocken nach Trebnitz zurück.
Quelle: Rafał Bartek

Symbol der Versöhnung und des gemeinsamen Erinnerns

Das Projekt „Glocken Europas für den Frieden” ist langfristig angelegt und umfasst weitere Etappen in verschiedenen Diözesen in Polen und Tschechien. Jede Übergabe wird nicht nur zu einem religiösen Ereignis, sondern auch zu einem Akt des Wiederaufbaus von Beziehungen zwischen den Völkern und einem Versuch der „Aufarbeitung des historischen Gedächtnisses“.

In den kommenden Jahren sind weitere Rückgaben geplant. Am 10. April 2027 werden vier Glocken an die Kathedrale in Breslau (Wrocław) sowie an die Kirchen in Striese (Strzeszów), Sulau (Sułów) und Lorzendorf (Woskowice) übergeben. Am folgenden Tag finden die Feierlichkeiten in den jeweiligen Pfarreien statt.

Anna Durecka

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