Lesungen: Kolosserbrief 3,12–17; Lukasevangelium 19,37–40
Predigttext: II. Buch der Chronik 5,13–14
Und es war, als wären es solche, die trompeteten und sangen, als hörte man eine Stimme, die den HERRN lobte und ihm dankte. Und als sich die Stimme der Trompeten, Zimbeln und Saitenspiele erhob und man den HERRN lobte: »Er ist gütig, und seine Barmherzigkeit währt ewig«, da wurde das Haus des HERRN mit einer Wolke erfüllt, sodass die Priester wegen der Wolke nicht zum Dienst hinzutreten konnten; denn die Herrlichkeit des HERRN erfüllte das Haus Gottes.
Gegenwart Gottes
Der heutige Predigttext ist ein Fragment einer längeren biblischen Erzählung. Es ist eine Beschreibung der feierlichen Einweihung des neu erbauten Tempels in Jerusalem. Die heiligen Tempelgeräte wurden unter Begleitung von Gebet und Musik in das Haus Gottes hineingebracht. Gott offenbart sich darin, dass eine Wolke den Tempel erfüllt. Es ist eine Anknüpfung an ähnliche Ereignisse, die während der Wüstenwanderung auf der Sinai-Halbinsel vor vielen Jahren geschahen. Mit der Erfüllung durch die Wolke zeigt Gott seinem Volk seine Zuwendung und Unterstützung. Sie ist ein Zeichen der göttlichen Gegenwart und Anwesenheit.
„Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“
Dies geschieht jedoch nicht automatisch. Gott ist gegenwärtig, wenn wir ihn mit Gesang und Musik loben, wenn wir ihn anbeten. Vielleicht erscheint er heute nicht unbedingt in einer Wolke – auf sichtbare Weise. Jesus sagte: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“ Damit ist gemeint: Wenn sich Menschen zum Gebet, zum christlichen Gesang oder zum Gottesdienst treffen, kommt der Heilige Geist unsichtbar zu uns. Er ist spürbar im religiösen Erleben, beim Gebet, beim Gesang, beim Hören einer Predigt oder eines Bibelwortes.
Kirchenmusik spielt dabei ebenfalls eine große Rolle, denn sie ist mit dem Gesang von Psalmen und Hymnen verbunden. Die gesungenen Texte haben die Form eines Gebets, eines Lobes oder eines christlichen Zeugnisses. Kirchenmusik und Gesang werden so zu einer Form der Begegnung mit Gott.
Heute feiern wir in der evangelischen Kirche den Sonntag Cantate – das bedeutet: „Singet!“ Es ist ein guter Anlass, die Gegenwart Gottes im Gesang und in der Musik zu erfahren. Singen und Musizieren zur Ehre Gottes können wir auch an anderen Sonntagen und Wochentagen. Dabei dürfen wir im Hinterkopf behalten, dass uns Gott durch den Heiligen Geist stets begleitet. Amen.
Bischof Wojciech Pracki