Der Verein des Weltmeisters!
Die Serie, in der wir die Fußballgeschichte von Vereinen aus Oberschlesien vorstellen, begann mit dem GKS Szombierki Beuthen, dem sensationellen polnischen Meister von 1980. Anschließend stellten wir nacheinander vor: SV 03 Ratibor, den ältesten von Deutschen gegründeten Fußballverein in Oberschlesien, Vorwärts-Rasensport Gleiwitz, den vor dem Zweiten Weltkrieg stärksten von Deutschen gegründeten Gleiwitzer Verein, und den 1. FC Kattowitz.
Heute nehmen wir unsere Leser mit nach Hindenburg (Zabrze). Die Stadt wird seit vielen Jahren mit dem 1948 gegründeten Verein Górnik Zabrze, dem 14-fachen polnischen Meister, in Verbindung gebracht, aber für uns stehen Vorkriegs-Fußballgeschichten mit deutschen Wurzeln im Fokus. Deshalb stellen wir heute einen weiteren Verein vor, der innerhalb der deutschen Sportstrukturen funktionierte: SC Preußen Hindenburg (alternative Schreibweise: Preussen Hindenburg, auch bekannt als Preußen Zaborze oder Borussia Zaborze), der erfolgreichste Verein dieser Stadt.

Die Fußballmannschaft des SC Preußen Hindenburg im Jahr 1936. Von links nach rechts: Schneider, Pawlik, Pawelczyk, Eisner, Flanke, Michatsch, Hulla, Dlubatz, Dankert, Buchczyk, Jonek.
Quelle: Raz, Dwa, Trzy : ilustrowany tygodnik sportowy / Narodowe Archiwum Cyfrowe (NAC)/Wikimedia Commons
Eine Zeit dynamischer Entwicklung
SC Preußen Hindenburg wurde 1910 in Zaborze gegründet, das seit 1927 ein Stadtteil des heutigen Zabrze war und damals Hindenburg hieß. Bereits drei Jahre nach der Gründung, im Jahr 1913, hatte der Verein 93 Mitglieder und drei Herrenmannschaften. Interessant ist, dass während des Ersten Weltkriegs 14 Fußballer von Preußen Hindenburg an der Front gefallen sind.
In der Saison 1928/1929 wurde der SC Preußen Hindenburg gemeinsam mit einem anderen oberschlesischen Verein – Beuthen 09 – Meister von Oberschlesien. Damit stieg die Mannschaft aus Hindenburg in die nächste Spielklasse auf und wurde Meister von Südostdeutschland.
Nur fünf Jahre nach Kriegsende, 1923, zählte der Verein bereits über 500 Mitglieder, hatte fünf Herrenmannschaften und sechs Juniorenteams. Innerhalb des Vereins gab es zudem eine aktive Leichtathletik- und Handballabteilung, und der Verein Sportfreunde Zaborze wurde an Preußen Hindenburg angeschlossen.

Logo von Preußen Hindenburg.
Bild: Schläsinger/Wikipedia
Dank dieser rasanten Entwicklung wurde der Verein 1928 Meister des deutschen Teils von Oberschlesien und belegte anschließend den dritten Platz in der Meisterschaft Südostdeutschlands. Die Mannschaft stützte sich auf Spieler wie Skwara, Skiba, Kaczmarczyk, Lasotta, Kampa, Hanke, Czichon, Muschalik, Clements, Palluschinski und Paschek, deren Namen den Fußballfans in Hindenburg bis heute ein Begriff sind.
In der Saison 1928/1929 wurde Preußen Hindenburg zusammen mit Beuthen 09 Meister von Oberschlesien. Damit stieg die Mannschaft in die nächste Spielklasse auf und wurde Meister von Südostdeutschland.
Eine motivierende Niederlage
Nach dem Gewinn der Südostdeutschen Meisterschaft musste Preußen Hindenburg gegen die stärksten Vereine Deutschlands antreten. Das Team unterlag Hertha Berlin 1:8, was die Träume vom deutschen Meistertitel begrub.
Diese Niederlage stutzte dem Verein jedoch nicht die Flügel. Im Gegenteil: Sie motivierte die Mannschaft zu noch härterer Arbeit. In der Saison 1929/1930 wurde Preußen Hindenburg erneut Meister des deutschen Teils von Oberschlesien und anschließend Dritter in Südostdeutschland. Torwart Skwara, der zu Hertha Berlin wechselte, wurde durch Bonk ersetzt, später Spieler der deutschen Hochschulauswahl.

In der Saison 1928/1929 gewann Preußen Hindenburg die Südostdeutsche Meisterschaft. Ausschnitte aus der Kattowitzer Zeitung vom 29. April 1929 (Jg. 61, Nr. 100).
Quelle: Schlesische Digitale Bibliothek
In den folgenden Jahren variierte die Leistung des Vereins. 1930/1931 gewann er seinen vierten Meistertitel im deutschen Oberschlesien und wurde anschließend Vierter in Südostdeutschland. Später verlor der Verein zunehmend an Bedeutung. Das letzte Spiel bestritt er im Januar 1945; danach wurde der Verein aufgelöst. Im vergangenen Jahr jährte sich somit zum 80. Mal das Verschwinden dieses verdienten Vereins.
Die bekanntesten Fußballer in der Geschichte des SC Preußen Hindenburg
- Fritz Laband – gebürtiger Hindenburger, Weltmeister mit der deutschen Nationalmannschaft 1954 in der Schweiz.
- Kurt Tschenscher – spielte als Junior bei Preußen Hindenburg, wurde 1958 FIFA-Schiedsrichter und leitete Spiele bei drei Weltmeisterschaften (1966, 1970, 1974). Bei den Olympischen Spielen 1972 in München leitete er das Endspiel Polen – Ungarn.
- Adolf Obstoj – torstarker Stürmer, im Zweiten Weltkrieg zum Militärdienst einberufen, wegen Befehlsverweigerung bei Leningrad erschossen.
- Friedrich Buchczyk – agiler Stürmer, Eigengewächs des Vereins, diente in der Wehrmacht und erhielt 1940 das Eiserne Kreuz II. Klasse. Nach dem Krieg spielte er bei Pogoń Hindenburg.
- Florian Bismor – defensiver Mittelfeldspieler, Kaderspieler des deutschen Oberschlesiens, 1944 schwer verwundet, spielte nach dem Krieg bei TSV 1860 München.
- Weitere Stars: Kurt Hanke, Barthel Bonk, Erich Kampe.
Die größten Erfolge des SC Preußen Hindenburg
- 1928, 1930, 1931 – Meister des deutschen Teils von Oberschlesien
- 1928, 1930 – Dritter in der Meisterschaft Südostdeutschlands
- 1929 – Meister Südostdeutschlands
Krzysztof Świerc