Fußball: Unsere Leute unter sich von Oberschlesien nach Deutschland

16 April 2026, 17:00 Sport 0

Dariusz Wosz – die „Zaubermaus“

In den letzten Monaten haben wir oberschlesische Vereine mit deutschen Wurzeln vorgestellt, die vor dem Zweiten Weltkrieg von Deutschen gegründet wurden. Nun präsentieren wir die bekanntesten oberschlesischen Fußballer, die in der 1. Bundesliga Karriere gemacht und sogar für die deutsche Nationalmannschaft gespielt haben.

Die berühmtesten sind natürlich die Weltmeister Mirosław Klose und Lukas Podolski, die 2014 mit der deutschen Nationalmannschaft Weltmeister wurden, sowie der in Kattowitz geborene Richard Herrmann, der 1954 mit der deutschen Nationalmannschaft triumphierte. Doch neben dem Glanz dieser drei gibt es viele weitere Oberschlesier, die eine bedeutende Rolle im deutschen Fußball gespielt haben und einen genaueren Blick verdienen. Einer von ihnen, mit dem wir diese Serie begonnen haben, ist der gebürtige Tarnowitzer Martin Max.

Der Junge aus Deutsch Piekar

Der Held der heutigen Folge ist Dariusz Wosz, geboren am 8. Juni 1969 in Deutsch Piekar. Er wurde zur Ikone des VfL Bochum und zu einem der technisch begabtesten Spielmacher in der Geschichte der 1. Bundesliga. Schon zu Beginn seiner Karriere fiel er durch seine unglaubliche Technik und Schnelligkeit auf. Dies brachte ihm zwischen 1989 und 1990 sieben Einsätze für die ehemalige DDR-Nationalmannschaft und zwischen 1997 und 2000 weitere 17 für die wiedervereinigte deutsche Nationalmannschaft ein. Den Großteil seiner Karriere verbrachte Dariusz Wosz beim VfL Bochum, wo er insgesamt 346 Spiele absolvierte und 41 Tore erzielte. Nach dem Ende seiner Profikarriere im Jahr 2007 begann er als Trainer zu arbeiten, unter anderem beim VfL Bochum, und spielte parallel weiterhin in Amateur- und Regionalligen. Es ist erwähnenswert, dass Fußballjournalisten ihn aufgrund seines Spielstils und seiner schmächtigen Statur „die Zaubermaus“ nannten.

Dariusz Wosz interessierte sich schon als Kind für Fußball, und sein Lieblingsverein war Górnik Hindenburg. Als Junge konnte er jedoch nur davon träumen, eines Tages Teil des 14-fachen polnischen Meisters zu sein. Um seinen Traum zu verwirklichen, trainierte der junge Wosz bei jeder Gelegenheit mit seinen Freunden im Hof.

Umzug nach Deutschland

Natürlich wollte er einem Verein beitreten, aber damals war das nicht möglich. „In Polen durfte man erst mit zehn Jahren oder sogar später für einen Verein spielen, und ich habe schon mit fünf Jahren davon geträumt“, erinnert sich Dariusz Wosz. 1979, im Alter von zehn Jahren, zog er mit seinen Eltern in die ehemalige DDR. Die Familie ließ sich in Halle nieder, wo der Onkel von Dariusz Wosz lebte. Bei ihrer Ankunft mussten die Familienangehörigen gemäß ostdeutschem Recht ihre polnischen Pässe abgeben und erhielten im Gegenzug Daueraufenthaltskarten für die DDR. In seinen ersten Jahren in der DDR hatte Dariusz Wosz mit einer Sprachbarriere zu kämpfen, die ihn daran hinderte, mit Gleichaltrigen in Kontakt zu treten. Aufgrund seiner zierlichen Statur wurde ihm außerdem ein Wechsel zu einer Eiskunstlaufschule angeboten:

„Ich wusste nicht, was uns dort erwarten würde; ich kannte das Land nicht, aber es stellte sich heraus, dass alles super war. Meine Eltern arbeiteten im Gartenbaubetrieb meines Onkels und hatten sichere Jobs. Auch in Polen ging es uns nicht schlecht, aber der Lebensstandard war völlig anders. Es gab Schlangen vor den Fleischtheken, Lebensmittelkarten. In der DDR fehlten nur noch Bananen! Weder ich noch mein Bruder hatten das Gefühl, dass es uns schlecht ging. Außerdem habe ich die ersten sechs Monate nur im Garten meines Onkels Fußball gespielt. Ich weiß nicht, wie meine Karriere verlaufen wäre, wenn nicht eines Tages ein Freund beim Fußballspielen über den Zaun geschaut und mich zum Verein mitgenommen hätte“, erinnert sich Dariusz Wosz.

Dariusz Wosz mit seiner Frau Nika.
Foto: Superbass / Wikipedia

Von Halle über Bochum nach Berlin

So begann seine Reise zu einer bemerkenswerten Karriere. Er durchlief die Jugendmannschaften und begann seine Laufbahn bei kleineren Vereinen wie der BSG Motor Halle und der BSG Empor Halle. Dort entwickelte er sich hervorragend und wechselte im Juli 1986 zu Chemie Halle, die in der Oberliga spielte. Hier etablierte er sich als hochtalentierter Fußballer. Bis zur Saison 1990/91, die die deutsche Wiedervereinigung mit sich brachte, hatte Dariusz Wosz bereits 94 Spiele für Chemie Halle absolviert und 15 Tore erzielt. In der folgenden Saison, nach den politischen Umwälzungen, stieg sein Verein, nun Hallescher FC, in die 2. Bundesliga ab. In der Saison 1991/92 bestritt Wosz dort 22 Spiele und erzielte dabei 5 Tore.

Seine starken Leistungen in der zweiten Bundesliga weckten das Interesse des VfL Bochum, wo Dariusz Wosz im Januar 1992 einen Vertrag unterschrieb. Er etablierte sich dort als Stammspieler und wurde in seinen sechs Jahren beim Verein zur Ikone. In 211 Spielen erzielte er 25 Tore. Im Juli 1998 wechselte Dariusz Wosz zu Hertha BSC Berlin, die dem Bochumer Verein sechs Millionen Euro für ihn zahlte. Zu seinen größten Erfolgen mit dem Hauptstadtklub zählen der dritte Platz in der 1. Bundesliga (Saison 1998/99) und das Erreichen des Achtelfinals der Champions League (Saison 1999/2000). Wosz’ Bilanz für den Berliner Verein: 85 Spiele und elf Tore.

Rückkehr zum VfL

Nachdem er eine Zeit lang in der deutschen Hauptstadt gelebt und gespielt hatte, entschied sich Dariusz Wosz im Juli 2001, zum VfL Bochum zurückzukehren, obwohl er eigentlich in der spanischen Liga oder in Italien spielen wollte. Dazu kam es jedoch nicht, da er kein passendes Angebot erhielt. Unglücklich war er in Bochum dennoch nicht. In der Saison 2003/04 absolvierte er 32 Spiele für die erste Mannschaft des VfL Bochum in der 1. Bundesliga. Das ist eine beachtliche Anzahl, doch … er wurde 23-mal ausgewechselt – häufiger als jeder andere Spieler in dieser Bundesligasaison. Während seiner zweiten Zeit in Bochum bestritt Dariusz Wosz 135 Spiele und erzielte 16 Tore. 2007 entschied er sich schließlich, den VfL Bochum zu verlassen und seine Profikarriere zu beenden. Danach spielte er weiterhin Fußball für verschiedene Amateurmannschaften. So wurde er z. B. im Jahr 2014 Spieler des SC Union Bergen und spielte in der Gruppe A der Bezirksliga.

Wosz in der Nationalmannschaft

Anfang 1989 wurde Dariusz Wosz, damals DDR-Staatsbürger, in die DDR-Nationalmannschaft berufen und gab sein Debüt am 22. März desselben Jahres bei einem 1:1-Unentschieden im Freundschaftsspiel gegen Finnland. Insgesamt absolvierte er sieben Länderspiele für die DDR. Das letzte dieser Spiele, zugleich das letzte Länderspiel in der Geschichte der DDR-Nationalmannschaft, war die Partie gegen Belgien am 12. September 1990, die mit einem 2:0-Sieg für die DDR endete.

1996 wurde Dariusz Wosz vom damaligen Trainer Berti Vogts in die wiedervereinigte deutsche Nationalmannschaft berufen.

Doch damit war seine Karriere in der Nationalmannschaft noch nicht beendet. Dank seiner hervorragenden Leistungen für den VfL Bochum wurde Dariusz Wosz 1996 vom Trainer Berti Vogts in die wiedervereinigte deutsche Nationalmannschaft berufen. Im Oktober desselben Jahres stand Wosz im Kader der „Adler“ für das Spiel gegen Armenien, kam aber nicht zum Einsatz. Dies geschah erst im nächsten Spiel der deutschen Nationalmannschaft im Februar 1997. Es war ein Freundschaftsspiel gegen Israel. Deutschland gewann 1:0, und Dariusz Wosz erzielte den Siegtreffer.

Einen Stammplatz in der Nationalmannschaft konnte er sich jedoch nicht sichern. Nach dem enttäuschenden Abschneiden Deutschlands bei der Weltmeisterschaft 1998 wurde Berti Vogts als Trainer durch Erich Ribbeck ersetzt, und Dariusz Wosz wurde für den Konföderationen-Pokal 1999 nominiert. Deutschland schied in der Gruppenphase aus, und Wosz war in allen drei Spielen dabei. Er wurde auch für die Europameisterschaft 2000 nominiert, kam aber nicht zum Einsatz. Nach der EM 2000 beendete er seine Nationalmannschaftskarriere. Sein letztes Spiel bestritt er am 15. November 2000 gegen Dänemark. Seine Bilanz: 17 Länderspiele und ein Tor.

Trainerarbeit

Nach dem Ende seiner Profikarriere widmete sich Dariusz Wosz der Trainerarbeit beim VfL Bochum. Von Juli 2008 bis April 2010 trainierte er die A-Jugend und war ab September 2009 zusätzlich Assistenztrainer der ersten Mannschaft. Anschließend übernahm er das Amt des Cheftrainers, wurde jedoch zwei Monate später nach Niederlagen gegen Bayern München und Hannover 96 entlassen.

Danach kehrte er in den Jugendbereich zurück und bekleidete verschiedene Trainerpositionen. Von Juli 2013 bis Januar 2014 trainierte er die zweite Mannschaft des VfL Bochum und anschließend erneut Jugendmannschaften. Nach seiner aktiven Karriere wurde er Technischer Leiter aller Mannschaften des Vereins. Privat ist Dariusz Wosz mit der Schauspielerin und Moderatorin Nika Krosny-Wosz aus Kattowitz verheiratet. Das Paar hat einen Sohn namens Henry.

Krzysztof Świerc

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