Wort zum Sonntag von Bischofsvikar Dr. Peter Tarlinski

22 Februar 2026 Kirche

1. Sonntag der Fastenzeit

Lesung: Gen 2,7–9; 3,1–7
Lesung: Röm 5,12–19
Evangelium: Mt 4,1–11

Der Fall durch Überheblichkeit

Durch die Ascheauflegung am Aschermittwoch sind wir in die Fastenzeit eingetreten. Es ist die Zeit der Vorbereitung auf das Osterfest. Die Lesung aus dem Buch Genesis zeigt die Quelle der Sünde, nämlich die Entscheidung, sich ausschließlich von menschlicher Weisheit leiten zu lassen. Das Ignorieren und Ablehnen der Weisheit Gottes beraubt den Menschen der richtigen Sicht auf das, was gut und was böse ist, auf das, was das Leben des Menschen sichert, und auf das, was es ruiniert. Dies nutzt Satan aus, indem er den Menschen dazu verleitet, die von Gott eingeführte Ordnung aufzugeben und seine Befugnisse zu überschreiten.

Indem der Mensch seinen eigenen Weg geht, beraubt er sich selbst eines harmonischen und sicheren Lebens im Paradies, wie es die Bibel anschaulich beschreibt. Indem er denkt und lebt, ohne die Naturgesetze zu beachten, die Gott in die geschaffene Welt eingebaut hat, irrt der Mensch, ist verloren und bringt Unglück über sich. Bevor der Mensch zur Besinnung kommt und zur Vernunft findet, ist es meist schon zu spät. Er erleidet Niederlagen und Verluste, vor denen er sich nicht schützen kann. Jemand muss ihm helfen. Am besten ist es, wenn dies Gott selbst ist. Deshalb weist das Evangelium auf Christus hin, der den Versuchungen nicht nachgibt und sich nicht auf Irrwege führen lässt.

Die menschliche Natur des Sohnes Gottes – auf die Probe gestellt

Das Evangelium über die Versuchung Jesu in der Wüste wird immer zu Beginn der Fastenzeit gelesen, da es den spirituellen Widerstand jedes Christen gegenüber dem lauernden Bösen verdeutlicht. Jesus geht nicht zufällig in die Wüste. Der Heilige Geist führt ihn dorthin, damit er vom Teufel versucht wird. Es ist eine Situation, in der die menschliche Natur des Sohnes Gottes, seine Menschlichkeit, auf die Probe gestellt wird: Wird er der Versuchung erliegen oder in seiner Rechtschaffenheit standhaft bleiben? Diese Situation ist kein Zeichen dafür, dass Gott ihn verlassen hat, sondern ein Weg der Standhaftigkeit und Stärkung.

Jesus antwortet: „Du sollst Gott, deinem Herrn, huldigen“, das heißt: Nur Gott steht im Mittelpunkt, nur Gott ist der Herr, dem Gehorsam gebührt, denn er regiert vom Kreuz herab.

Die vierzig Tage des Fastens Jesu erinnern an die vierzig Jahre der Wanderung Israels durch die Wüste. Dort versagte Israel, indem es sich von Gottes Denken entfernte. Hier siegt Christus und zeigt, dass Gott die Menschheit beschützt. Mit ihm ist auch jeder und jede in der Lage, Versuchungen zu überwinden und nicht den Begierden zu erliegen. Das Matthäusevangelium hebt drei davon hervor: die Begierde des Fleisches – die Versuchung, Besitz und übermäßigen Wohlstand zu haben; die Begierde der Augen – das Verlangen nach einer auf Sensationen basierenden Religion; und schließlich die Selbstüberschätzung und die Hochmütigkeit des Lebens – die Versuchung der Macht und Geltung.

1. Die Begierde des Fleisches – die Versuchung des Besitzens und des Überflusses

„Sag, dass diese Steine zu Brot werden“, sagte der Teufel zu Jesus. Das ist die Versuchung, nur für das Materielle zu leben. Der Mensch beginnt zu denken: Das Wichtigste ist, was ich esse, was ich habe, wie ich bequem leben kann. Gott sieht die Erfüllung des menschlichen Lebens ganz anders. Er schmälert nicht die Bedeutung des Wohlstands, aber er warnt: „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein.“ Brot ist gut, aber nicht das Wichtigste.

Die Fastenzeit zeigt uns, wie wir die Versuchung des Besitzens und des Überflusses von uns fernhalten können. Dies ist durch das Fasten möglich. Es ist keine Diät. Fasten, das Unterlassen und das Aufgeben des Überflüssigen und Schädlichen, ist eine deutliche Erinnerung daran, dass nicht alles, was ich haben kann, auch notwendig für mich ist. Nicht nur für das Vergnügen lebe ich, sondern auch dafür, dass mein Herz frei und geistreich sein soll, also erfüllt von „jedem Wort, das aus dem Munde Gottes kommt“.

2. Die Begierde der Augen – das Verlangen nach einer auf Sensationen beruhenden Religion

Die zweite Versuchung betrifft die Religiosität. Der Teufel sagt zu Jesus: Stürze dich hinunter, die Engel werden dich retten. Tu etwas Außergewöhnliches, und alle werden an dich glauben. Es ist die Versuchung eines auf Emotionen und Zeichen beruhenden Glaubens. Viele Menschen sagen: „Wenn ich ein Wunder sehen würde, würde ich glauben“, „Wenn Gott mir helfen würde, würde ich ihn mein ganzes Leben lang preisen und verehren.“ Dabei vollzieht sich das größte Wunder und die größte Unterstützung jeden Tag durch die Eucharistie, und oft nehmen wir das nicht wahr.

Jesus antwortet darauf: „Du sollst Gott, deinen Herrn, nicht auf die Probe stellen.“ Wahrer Glaube bedeutet nicht, dass Gott unsere Erwartungen erfüllt. Wahrer Glaube bedeutet Vertrauen und Ausdauer, auch wenn nichts Außergewöhnliches geschieht. Die Antwort auf diese Versuchung in der Fastenzeit ist das Gebet. Nicht ein Gebet der bloßen Emotionen, sondern ein treues Gebet: täglich, ruhig, ausdauernd. Manchmal trocken, manchmal schwierig, aber echt. Das Gebet festigt unsere Verbundenheit mit Gott. Daher die Worte Jesu: „Alles, worum ihr betet und bittet, glaubt nur, dass ihr es schon erhalten habt, dann wird es euch zuteil“ (Mk 11,24).

3. Hochmut und Selbstüberschätzung – die Versuchung durch Macht und Bedeutung

Die dritte Versuchung ist ebenfalls sehr heimtückisch. Der Teufel zeigt Jesus alle Reiche der Welt. Es ist die Versuchung des Erfolgs und der Herrschaft ohne Kreuz, ohne Dienst und Liebe. Es ist die Versuchung, die sagt: Sei wichtig, erlange Macht, stelle dich über andere, beginne zu herrschen und zu regieren, strebe danach, dass die Menschen dir unterstehen und dich bewundern. Es ist eine sehr weltliche Versuchung. Diktatoren, die Völker unterdrücken und Kriege anzetteln, erliegen ihr. Der Versuchung der Macht und Bedeutung folgen auch die Erschaffer verhängnisvoller Ideologien, die den Menschen ein Leben ohne ethische und moralische Grundsätze aufzwingen.

Jesus antwortet: „Du sollst Gott, deinem Herrn, huldigen“, das heißt: Nur Gott steht im Mittelpunkt, nur Gott ist der Herr, dem Gehorsam gebührt, denn er regiert vom Kreuz herab. In seinem Reich nehmen die Liebe und der Dienst den höchsten Platz ein. Gott ist Liebe, und nur die Liebe gibt dem Leben einen Sinn. Die Antwort auf diese Versuchung der Macht, der Herrschaft und der Bedeutung sind Almosen und Hingabe. Wenn ich helfe, unterstütze, zuhöre und vergebe, ohne Aufsehen, ohne Dankbarkeit zu erwarten, aus Liebe, dann werde ich als Mensch verwirklicht.

Bischofsvikar Pfarrer Peter Tarlinski

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