9. Sonntag nach Trinitatis

Wort zum Sonntag vom Evangelischem Bischof Wojciech Pracki

2 August 2026, 05:00 Kirche

IX. Sonntag nach Trinitatis, den 02.08.2026
Lesungen: Matthäusevangelium 13,44–46; Philipperbrief 3,7–14
Predigttext: Jeremiabuch 1,4–10

Der Herr sprach aber zu mir: Sage nicht: »Ich bin zu jung«, sondern du sollst gehen, wohin ich dich sende, und predigen alles, was ich dir gebiete. Fürchte dich nicht vor ihnen; denn ich bin bei dir und will dich erretten, spricht der Herr.
Jeremia 1,7–8

Berufen, um von Gott zu sprechen

Als ich Vikar, oder später Pfarrer wurde, wurde ich oft nach meiner Berufung gefragt. Nach der Einführung ins Bischofsamt – umso mehr. Dabei ist die Geschichte sehr einfach und ziemlich unfromm, wenn man das so sagen kann. Ich wollte Germanistik studieren, ohne groß darüber zu denken, was ich nach dem Diplom machen werde. Aber an der Großstadt-Uni, wo ich mein Studium anfangen wollte, herrschte ein riesiges Durcheinander. Niemand wusste, wo ich meine Bewerbung und mein Abiturzeugnis ablegen soll. Das hat mich geärgert. Außerdem musste ich doch irgendein Studium anfangen, damit ich nicht in den Bund eingezogen wäre. Das Nichtsoldatwerden hat mich stark motiviert, so habe ich meine Unterlagen an der Warschauer Christlichen Akademie für Theologie abgelegt. Ein kleiner Impuls kam von meinem Bruder, der zu dieser Zeit Pfarrer in Lublin gewesen ist. Ohne große Überzeugung habe ich mein Studium angefangen und ebenso, ohne Überzeugung, die ersten zwei Semester ziemlich gut bestanden.

Dann sind die Ferien gekommen. Die Studenten/innen sind verpflichtet gewesen, Sommerpraktiken abzulegen. So landete ich in Landsberg und habe den Pfarrer vertreten und meine ersten Gottesdienste abgehalten. Bis heute bedaure ich die Teilnehmer/innen und bewundere zugleich ihre Behandlung meiner Person mit Nachsicht. Zwei Wochen später wurde ich Betreuer in einer Jugendfreizeit. Letzten Endes landete ich im Altersheim für einen Monat. Und das ist die beste Zeit gewesen! Ich habe als Fahrer, Küchenhilfe, Sanitäter und sogar als Sterbebegleiter gearbeitet. Es ist eine riesige Herausforderung für mich als 20-Jährigen gewesen. Und das war paradoxerweise das Beste! Gott hat mich nicht angesprochen, wie Jeremia. Die Ferienerfahrungen, die ich sammelte, waren für mich die Stimme Gottes und Einladung, gesandt zu werden. Das war sogar besser, als Germanistik!

Wir werden zu Gottes Propheten in unserer Ehrlichkeit, Gewissenhaftigkeit, Fleißigkeit usw.

So habe ich meinen eigenen Platz in Kirche und im Leben gefunden. Das bedeutet aber nicht, dass jedermann dienstlich oder beruflich mit Kirche verbunden sein muss, um von Gott ein Zeugnis abzugeben. Im heutigen Bibeltext ist jede/r von uns der junge Prophet Jeremia. Wir sind alle berufen, durch Haltung, Wort, Tat über Gott zu sprechen. Unsere ethische Haltung und Konsequenz ist auch eine Art der Verkündigung. Wir sind von Gott eingeladen, seine Mitarbeiter/innen zu sein, indem wir unseren Kindern und Enkelkindern biblische Geschichten vorlesen, indem wir mit unseren Ehepartner/-innen gemeinsam beten und uns dessen nicht schämen. Wir werden zu Gottes Propheten in unserer Ehrlichkeit, Gewissenhaftigkeit, Fleißigkeit usw. Und manchmal erleben wir dabei eine positive Überraschung – es kann besser sein, als unsere frühere Vorstellung oder Erwartung!

Und das ist auch das, was ich Ihnen von ganzem Herzen wünsche.

Amen!

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