Wieder Glanz von Fürstin Daisy

Kopien verschollener Scheffler-Gemälde schmücken den Maximilian-Saal von Schloss Fürstenstein

15 Mai 2026, 17:00 Geschichte

Einer der schönsten Barockräume Europas, der Maximilian-Saal im Schloss Fürstenstein, wurde gegen Ende des Zweiten Weltkriegs erheblich beschädigt. Dabei gingen zwei Ölgemälde von Felix Anton Scheffler verloren. Nach 80 Jahren kehrten nun originalgetreue Kopien an ihren ursprünglichen Platz zurück.

„Dies ist für uns ein historischer Moment und ein wichtiger Meilenstein der größten Renovierung des Schlosses Fürstenstein seit 50 Jahren. Die repräsentativen Salons im ersten Stock werden wieder in den Glanz aus der Zeit von Fürstin Daisy versetzt“, so Dorota Karolewska, Geschäftsführerin des Schlosses.

Höhepunkte der barocken Räume

Die Originale der großformatigen, fünf Meter hohen Gemälde aus dem 18. Jahrhundert von Felix Anton Scheffler (1701–1760) entstanden 1732 im Auftrag des Grafen Konrad Ernst Maximilian von Hochberg für den einige Jahre zuvor erbauten neuen Barocksaal im Ostportikus.

Es handelt sich um folgende Werke: „Jupiter und Juno sowie Personifikationen der vier Jahreszeiten und Lebensabschnitte“ (Kindheit, Jugend, Reife, Alter) sowie „Jupiter, der Saturn stürzt, und die Personifikationen der vier Epochen der Menschheitsgeschichte“ (Goldenes, Silbernes, Bronzenes und Eisernes Zeitalter).

Maximilian-Saal mit Scheffler-Gemälden.
Foto: Schloss Fürstenstein

213 Jahre lang hingen die Ölgemälde über den Enfilade-Passagen im Maximilian-Saal: „Personifikationen der vier Jahreszeiten mit Jupiter und Juno“ über dem Eingang zum Roten Salon (heute Weißer Salon) und „Personifikationen der vier Epochen mit Jupiter, der Saturn stürzt“ über dem Eingang zum Grünen Salon. Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs gingen die Werke verloren. Mit großer Wahrscheinlichkeit wurden sie in die Sowjetunion gebracht.

Die Gemälde waren ein integraler Bestandteil der barocken Innenausstattung des Schlosses, darunter des Ehrenhofs und des Maximilian-Saals, die auf Motiven aus Ovids „Metamorphosen“ basierte. Zusammen mit dem Plafond desselben Autors sowie den Darstellungen auf den Pilasterköpfen und den Skulpturen im Ehrenhof bildeten diese Elemente eine zusammenhängende Erzählung.

Meisterhafte Kopien nach Vorlagen Grundmanns

Die Kopien wurden von Zbigniew Jarek auf Grundlage der erhaltenen Fotodokumentation angefertigt, die 1943 im Auftrag des Denkmalpflegers der Provinz Schlesien, Günther Grundmann, erstellt worden war. Die digitale Kolorierung übernahm Wojciech Szponar unter der fachlichen Aufsicht von Dr. hab. Andrzej Kozieł, Professor an der Universität Breslau und renommierter Kenner der Werke Schefflers.

„Dies ist für uns ein historischer Moment und ein wichtiger Meilenstein der größten Renovierung des Schlosses Fürstenstein seit 50 Jahren.“
Dorota Karolewska, Geschäftsführerin des Schlosses

Professor Kozieł ist auch Autor des Arbeitsprogramms für die Anfertigung der Kopien, das von der Denkmalpflegerin der Woiwodschaft Niederschlesien, Anna Nowakowska, Leiterin der Vertretung in Waldenburg/Wałbrzych, genehmigt wurde. Gemeinsam mit dem Autor überwachte sie auch laufend den Fortschritt der Arbeiten.

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Zbigniew Jarek ist Maler und Kopist sowie Mitglied des Verbandes der Polnischen Bildenden Künstler. Seit über fünfzig Jahren fertigt er im Auftrag verschiedener Institutionen, Kirchen und Privatpersonen in Polen und im Ausland Kopien von Gemälden an. Dank seiner ausgezeichneten Kenntnisse traditioneller und zeitgenössischer Maltechniken kopiert er erfolgreich Werke der Alten Meister vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert, unter anderem von Jan und Hubert van Eyck, Jean Fouquet, Albrecht Dürer, Raffael, Pieter Bruegel dem Älteren, Peter Paul Rubens, Bartolomé Esteban Murillo, François Boucher, Jan Matejko oder Henryk Siemiradzki.

Die hohe Qualität seiner Arbeiten zeigt sich auch daran, dass er den landesweiten Wettbewerb zur Anfertigung von Kopien der im Juni 1997 aus der Aula Leopoldina der Universität Breslau gestohlenen Porträts gewann. In den Jahren 1998–2001 fertigte er Kopien von vier Porträts an: Papst Urban VIII., Johann Heinrich Casimir Graf von Carmer, Kaiser Ferdinand II. und Kaiser Ferdinand III. Heute hängen sie anstelle der gestohlenen Originale in der Aula Leopoldina.

Magdalena Ilgmann
Schlesien Heute

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