Die Nacht der Museen ist mehr als nur eine Besichtigung nach Einbruch der Dunkelheit. Für die deutsche Minderheit und die Bewohner Schlesiens ist sie vor allem ein Fest der lokalen Identität, eine Zeit zum Entdecken von Familiengeheimnissen und eine Gelegenheit, leidenschaftliche Menschen zu treffen, die das regionale Erbe vor dem Vergessen bewahren. In diesem Jahr ist das Angebot besonders reichhaltig – von Ritterkämpfen in Cosel über barocke Schätze in Breslau bis hin zu außergewöhnlichen Hausarchiven in Zembowitz.
Land der Dinosaurier: Wo Leidenschaft auf Geschichte trifft
Einen besonderen Platz auf der Landkarte der diesjährigen Feierlichkeiten nimmt die Region der Lokalen Aktionsgruppe (LGD) „Land der Dinosaurier“ ein. Hier, in den kleinen Heimatstuben, schlägt das Herz der lokalen Tradition. Es ist eine Nacht, in der Geschichte aufhört, eine trockene Tatsache aus dem Lehrbuch zu sein, und zur Erzählung eines konkreten Menschen wird.
Zembowitz: Schätze aus Scheune und Dachboden
Ein Höhepunkt im Programm von Zembowitz (Zębowice) ist die Heimatstube der Gemeinde Zembowitz. Ihr Betreuer, Gerard Wons, beweist seit Jahren, dass die wertvollsten Exponate keineswegs aus teuren Auktionen stammen müssen.
– „Ich habe mit unseren DFK-Mitgliedern gesprochen, aber sie meinten: Gerard, das bringt nichts mehr, wir haben nichts mehr, das ist alles alt‘. Aber wir haben dann diese Chance genutzt und mit den Schülern hat es geklappt!“, erinnert sich Gerard Wons.

Heimatmuseum der Gemeinde Zembowitz
Foto: Manuela Leibig
Dank des Engagements der Jugendlichen wurden alte Dachböden, Scheunen und Ställe durchsucht. Das Ergebnis? Eine Sammlung geretteter Dokumente, alter Fotografien und Werkzeuge, die heute in neuem Glanz erstrahlen. Am Freitag, dem 15. Mai, wird Herr Wons von 18:00 Uhr bis Mitternacht persönlich unter anderem von einer geheimnisvollen, aus einer Scheune geretteten Tafel berichten.
Weitere Stationen im Land der Dinosaurier (Freitag, 15. Mai, 18:00 – 24:00 Uhr):
- Zagwiździe (Friedrichsthal): Das außergewöhnliche Hüttenmuseum des Malapane-Tals – eine industrielle Perle, die nachts einen fast mystischen Charakter annimmt.
- Ozimek (Malapane): Die historische Eisenbrücke und die Geschichte des Hüttenwesens, die diese Region geprägt hat.
- Danietz (Danietz): Die Heimatstube von Konrad Mientusa – eine Schatzkammer des Wissens über das einstige Alltagsleben.
- Krasiejów (Krascheow): Das Paläontologische Museum und eine Begegnung mit den ältesten Bewohnern der Region – den Dinosauriern.
- Zawadzkie (Zawadzki): Treffen mit einem Förster in der Forstlichen Bildungsstube.
- Dobrodzień (Guttentag): Ein einzigartiger Spaziergang mit Königin Carola.
- Makowczyce (Makowtschütz): Die Geschichte der Feuerwehr in einer authentischen hölzernen Feuerwache.
Weitere Informationen zum Programm im Land der Dinosaurier finden Sie auf der Website: www.krainadinozaurow.pl

Rogau: Historische Premiere auf dem Schloss
Zum ersten Mal in der Geschichte beteiligt sich das Schloss in Rogau (Rogów Opolski) an der Aktion (16. Mai 2026). Dieses Ereignis hat das Format eines historischen Familienfestes. Die Organisatoren öffnen Räumlichkeiten, die jahrelang für Besucher verschlossen blieben.

Zamek w Rogowie Opolskim
Foto: Anna Durecka
Attraktionen: Eine mittelalterliche Handwerkssiedlung, Workshops zum Schreiben mit dem Gänsekiel, das Backen von Fladenbrot sowie Vorführungen von Ritterkämpfen durch die Oppelner Ritterbruderschaft.
Nächtliche Besichtigung: Ab 19:00 Uhr kann das Schloss bei Laternenschein besichtigt werden (Anmeldung erforderlich unter Tel. 77 467 21 08).

Kandrzin-Cosel: Das Mittelalter im Fackelschein
Das Museum des Coseler Landes verwandelt sich am Freitag, dem 15. Mai, in eine mittelalterliche Festung. Ab 17:00 Uhr werden der Schlosshof und die Museumsräume in das Licht von Fackeln getaucht.
Im Programm: Erzählungen über Schlosslegenden, Vorführungen von Schwarzpulverwaffen sowie dynamische Präsentationen von Ritterkämpfen. Für Interessierte gibt es Workshops für alte Tänze, die die Atmosphäre einstiger Gastmähler spürbar machen. https://muzeumkozle.pl/noc-muzeow-2026-w-muzeum-ziemi-kozielskiej/
Breslau: Barocke Träume und schlesische Meister
Am Samstag, dem 16. Mai, lädt das Nationalmuseum in Breslau zu einer Begegnung mit dem bedeutendsten Maler des barocken Schlesiens ein – Michael Willmann.

Das Nationalmuseum Breslau im Stil der Neorenaissance, vormals Königliches Regierungsgebäude
Foto: Wikipedia
Rundgang mit dem Kurator: Marek Pierzchała führt die Gäste durch die Ausstellung schlesischer Kunst und enthüllt die Geheimnisse von Nacht und Licht in den Werken der Meister. Es ist eine Chance zu erfahren, wie die Schicksale einzelner Gemälde mit der großen Geschichte Schlesiens und Europas verwoben sind. https://mnwr.pl/noc-muzeow-2026/
Beuthen: Magie, Medizin und jüdische Kultur
Das Oberschlesische Museum in Beuthen (16. Mai) bietet eine Reise in die Welt der Spiritualität und des alten Glaubens an.
Weiße Magie: Wir lernen die Geheimnisse der alten Volksmedizin kennen – von der Kräuterkunde bis hin zu magischen Praktiken, die Haus und Hof schützen sollten.
Spuren der Generationen: Der zweite Teil des Abends ist der jüdischen Kultur gewidmet. Eine Ausstellung über die Beuthener Synagoge bringt den Besuchern die Bedeutung der Thora und die Rituale näher, die über Jahrhunderte das Leben der jüdischen Gemeinschaft in Schlesien prägten. https://muzeum.bytom.pl/?p=38169
Oppeln: Minderheiten im Dialog
Die Nacht der Museen bietet auch Raum für interkulturelle Begegnungen. Das Dokumentations- und Ausstellungszentrum der Deutschen in Polen (DAZ) in Oppeln lädt am Samstag, den 16. Mai, zu einem besonderen Abend ein, an dem die deutsche Minderheit Vertreter der armenischen Minderheit empfängt. Ein Abend im Zeichen des Dialogs, der gemeinsamen Geschichte und faszinierender Workshops.

Pressekonferenz zu der Nacht der Museen in Oppeln
Foto: Jonas Goddek
Ein Höhepunkt wird das Treffen mit Persönlichkeiten der armenischen Minderheit sein, die ihre Kultur auf kreative Weise näherbringen – unter anderem mit einem großformatigen Brettspiel für Jung und Alt. In Zusammenarbeit mit dem Staatsarchiv Oppeln werden zudem das Erbe von Anahid Keuprulian präsentiert und praktische Workshops zur Sicherung von Familiensammlungen angeboten. https://cdwbp.opole.pl/18-noc-muzeow-w-opolu-spotkanie-z-mniejszoscia-ormianska-w-polsce/
Programm (Zentrum in der ul. Szpitalna 11):
17:00 – 22:00 Uhr: Besichtigung der Dauerausstellung „Die Deutschen in Polen – Geschichte und Gegenwart“.
17:00 Uhr: Präsentation des Erbes von Anahid Keuprulian sowie Foto-Workshop mit Jerzy Stemplewski (Anmeldung).
18:00 Uhr: „Minderheiten im Dialog“ – Treffen mit Vertretern der armenischen Minderheit.
19:00 Uhr: Workshop zur Sicherung privater Sammlungen (Leitung: Beata Petryszyn – Anmeldung).
19:30 Uhr: Großformatiges Brettspiel zur armenischen Minderheit (Anmeldung).
Anmeldung:
Für ausgewählte Programmpunkte ist eine Anmeldung erforderlich: per E-Mail an cdwbp@cdwbp.opole.pl oder telefonisch unter 77 407 50 12.
Mehr zu der Nacht der Museen in Oppeln: https://cdwbp.opole.pl/18-noc-muzeow-w-opolu/

Der Eintritt zu allen teilnehmenden Objekten ist kostenlos. Dies ist eine einzigartige Gelegenheit, Orte zu besuchen, an denen wir im Alltag oft eilig vorbeigehen, und Stolz auf das reiche, multikulturelle Erbe der Region zu empfinden.
Manuela Leibig