Die Wahl der neuen Führung des VdG steht bevor

27 April 2026, 05:00 Politik 12

Der richtige Kurs

Im Mai 2026 finden die Wahlen der neuen Führung des Verbands der deutschen sozial-kulturellen Gesellschaften in Polen (VdG) statt, was mit dem 35-jährigen Bestehen der Organisation zusammenfällt. Aus diesem Grund haben wir uns an die Mitglieder des noch amtierenden VdG-Vorstands mit Fragen zur laufenden Amtszeit gewandt. Wir fragten auch, was im Hinblick auf die nächsten vier Jahre geändert, verbessert oder beibehalten werden sollte.

Gespräch mit Damian Stefaniak (Liegnitz), Mitglied des VdG-Vorstands:

Haben die VdG-Verantwortlichen in den vergangenen vier Jahren die gesetzten Ziele wirksam umgesetzt, und welche der erreichten Ziele halten Sie für prioritär?

Ich denke, dass die zu Ende gehende Amtszeit eine Zeit intensiver Arbeit und einer weitgehend erfolgreichen Umsetzung der gesetzten Ziele war. Besonders wichtig war die Stärkung der Organisationsstrukturen und die Verbesserung der Kommunikation sowohl innerhalb des Verbands als auch mit externen Partnern.

Als prioritär würde ich die Maßnahmen für die junge Generation betrachten – die Entwicklung von Bildungsprojekten, die Unterstützung von Jugendinitiativen und den Aufbau ihres Engagements in der deutschen Minderheit in Polen. Ebenso wichtig war die Aufrechterhaltung der finanziellen Stabilität der Organisation und die wirksame Vertretung der Interessen unserer Mitglieder auf nationaler und internationaler Ebene.

Es ist auch hervorzuheben, dass es in dieser Zeit gelungen ist, die Beziehungen sowohl zu Partnern in Deutschland als auch zu polnischen Institutionen, einschließlich der Regierungsverwaltung, zu erhalten und auszubauen. In den gegenwärtigen Realitäten ist das nicht selbstverständlich, daher ist die Stabilität und Kontinuität des Dialogs umso mehr zu schätzen.

Eine große Rolle spielte hier auch die Aktivität unserer Vertreter auf internationaler Ebene. Sowohl Bernard Gaida als auch Rafał Bartek haben sehr Bedeutsames im Bereich der Lobbyarbeit in Berlin geleistet – dadurch wird die Stimme der deutschen Minderheit aus Polen immer stärker gehört, und wir selbst werden zu einem immer wichtigeren und verlässlicheren Partner für die deutsche Seite. Das zeigt, wie wichtig starke Führungspersönlichkeiten innerhalb einer gut organisierten Struktur sind.

Es ist auch wichtig anzumerken, dass die deutsche Minderheit sowie andere nationale Minderheiten trotz des Fehlens eines eigenen Vertreters im Sejm weiterhin auf zentraler Ebene präsent sind. Das Funktionieren des Sekretariats der Minderheitenseite in der Kanzlei des Sejm sowie die Anwesenheit eines Minderheitenberaters des Marschalls zeigen, dass unsere Stimme in der öffentlichen Debatte weiterhin gehört wird und präsent ist.

Ich freue mich auch über die positiven Veränderungen im Medienbereich. Die Umwandlung des Wochenblatts.pl in eine Monatszeitschrift ist ein Schritt in die richtige Richtung – heute präsentiert sich diese Publikation sowohl formal als auch inhaltlich wesentlich professioneller. Wichtig ist, dass sich diese Veränderung nicht nur auf das Papier beschränkt hat – wir sehen einen deutlichen Übergang zu einer modernen Medienstrategie, die Print mit einer aktiven Präsenz im Internet und neuen Kommunikationsformaten verbindet.

Ich sehe auch deutlich, dass der Verband unter der Leitung von Joanna Hassa immer professioneller und strukturierter wird und in vielen Aspekten wie eine stabile, gut geführte Organisation zu funktionieren beginnt.

Das bevorstehende 35-jährige Bestehen des VdG ist ein passender Moment für eine Bilanz, aber auch, um zu zeigen, dass wir als Organisation gereift sind und bereit für die nächsten Herausforderungen.

Sollte der von der VdG-Führung in der zu Ende gehenden Amtszeit eingeschlagene Kurs Ihrer Meinung nach ohne jede Änderung fortgesetzt werden? Oder braucht er ein Lifting?

Grundsätzlich denke ich, dass der von der derzeitigen Führung eingeschlagene Kurs richtig war und fortgesetzt werden sollte. Natürlich sollte jede folgende Amtszeit die sich ändernden gesellschaftlichen, politischen und organisatorischen Gegebenheiten berücksichtigen, daher ist ein gewisses „Lifting“ natürlich und geradezu notwendig.

Ein gutes Beispiel für den richtigen Kurs ist die Entwicklung der Medien – wie schon gesagt, die Umwandlung des Wochenblatts.pl in das neue Wochenblatt.pl und der Übergang zu einer Medienplattform, die Print, ein Internetportal sowie neue Formate wie Podcasts oder Videomaterialien verbindet.

Ebenso positiv bewerte ich die Entwicklung eigener Medienformate wie Wochenblatt.TV, die es ermöglichen, näher an den Ereignissen zu sein und die Aktivitäten der Minderheit auf moderne Weise zu zeigen.

Ein zweiter konkreter Bereich ist die Arbeit mit der Jugend. Führungs-, Schulungs- und Bildungsprojekte sind sehr gut entwickelt und umfassen ein breites Angebot an Aktivitäten – von Workshops bis hin zu Programmen der Führungskräfteentwicklung. Der nächste Schritt sollte jedoch sein, diese Aktivitäten noch stärker mit dem tatsächlichen Einfluss junger Menschen auf das Funktionieren der Organisation zu verbinden.

Ich sehe auch die Notwendigkeit, die internen Prozesse weiter zu ordnen, damit die Organisation effizienter arbeitet, schneller Entscheidungen trifft und für ihre Mitglieder transparenter wird.

Kontinuität sollte nicht Stillstand bedeuten, sondern eine auf bisherigen Erfahrungen basierende Entwicklung, verbunden mit dem Mut zur Einführung konkreter Verbesserungen.

Wo sehen Sie die Notwendigkeit für größere Korrekturen in der Arbeit des VdG und warum?

Das größte Bedürfnis nach Veränderung sehe ich im Bereich der Mitgliederaktivierung und des Aufbaus eines dauerhaften Engagements auf lokaler Ebene. An vielen Orten ist es nach wie vor eine Herausforderung, neue Personen zu erreichen und ihre Aktivität in der Organisation aufrechtzuerhalten.

Ein weiterer Bereich, der korrekturbedürftig ist, ist die bessere Nutzung des Potenzials der Jugend – nicht nur durch die Schaffung von Projekten für sie, sondern auch durch die tatsächliche Einbeziehung junger Menschen in Entscheidungsprozesse. Ich denke, dass ohne eine deutliche Verjüngung der Organisationsvorstände schwer von ihrer Zukunft die Rede sein kann – wir brauchen mehr Mut, Verantwortung an die jüngere Generation abzugeben und sie an echter Mitbestimmung teilhaben zu lassen.

Ich sehe auch die Notwendigkeit, ein kohärentes und langfristiges Konzept für das Eichendorff-Zentrum in Lubowitz zu erarbeiten. Dieser Ort hat eine außergewöhnliche historische und kulturelle Bedeutung für unsere Gemeinschaft, insbesondere in Schlesien. Die gemeinsame Erarbeitung einer klaren Entwicklungsperspektive würde es ermöglichen, das Potenzial dieses Ortes besser zu nutzen und gleichzeitig dieses wichtige Erbe für zukünftige Generationen zu bewahren.

Werden Sie bei den nächsten Wahlen der neuen VdG-Führung für den Vorstand kandidieren?

Ich werde kandidieren. Ich möchte jedoch nicht Vorsitzender des VdG werden.

Das Gespräch führte Krzysztof Świerc

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