Bedrohter Transit von kasachischem Öl durch die Druschba-Pipeline zur PCK-Raffinerie in Schwedt/Oder
Unter Berufung auf Informationen in deutschen Medien planen die russischen Behörden angeblich ab dem 1. Mai dieses Jahres, den Transit von kasachischem Öl durch die Erdölleitung Freundschaft zur PCK-Raffinerie in Schwedt an der Oder zu stoppen. Der geänderte Ölexportplan soll Kasachstan und der Bundesrepublik Deutschland bereits übermittelt worden sein. Sollte dies tatsächlich geschehen, würde das in Brandenburg und natürlich im Werk Schwedt selbst erhebliche Unruhe auslösen. Aus Sorge, dass sich diese Informationen bewahrheiten könnten, wird derzeit geprüft, ob es alternative Versorgungswege für Rohöl zur PCK-Raffinerie gibt.
Die deutsche Regierung sucht angesichts der drohenden Einstellung des Transits von kasachischem Öl das Gespräch mit Polen, um möglicherweise die Lieferungen über den Hafen in Danzig zu erhöhen. Dies teilte die parlamentarische Staatssekretärin im Wirtschaftsministerium, Gitta Connemann, bei einer Sitzung des Wirtschaftsausschusses des Bundestages mit. Weiter wurde bekannt gegeben, dass der Wirtschaftsstaatssekretär Frank Wetzel sich voraussichtlich zu Gesprächen nach Polen begeben wird. Die Landrätin des Landkreises Uckermark (Land Brandenburg), in dem sich die PCK-Raffinerie in Schwedt befindet, Karina Dörk, erklärte ihrerseits im Gespräch mit dem RBB, dass ein Lieferstopp für die PCK-Raffinerie in Schwedt eine enorme Schwierigkeit darstellen würde. Dies belege unter anderem die Tatsache, dass die Raffinerie in Schwedt heute 80 Prozent der Kerosinlieferungen für den Berliner Flughafen BER bereitstellt.

Das Gelände der PCK-Raffinerie in Schwedt/Oder aus der Luft.
Foto: Ralf Roletschek/Wikipedia
Technische Probleme?
Hinzuzufügen ist zudem, dass auch Polen, insbesondere die westlichen Woiwodschaften, durch PCK Schwedt mit Benzin und Diesel versorgt werden: „Derzeit stammen über 20 Prozent des in PCK Schwedt verarbeiteten Rohöls aus Kasachstan, was dieser Raffinerie eine hohe Auslastung ihrer Produktionskapazitäten ermöglicht. Sollte es jedoch tatsächlich zum Lieferstopp kommen, könnten nur noch etwa 60 Prozent der Verarbeitungskapazität genutzt werden“, betonte Landrätin Karina Dörk. Auf lange Sicht ist das nach Ansicht von Experten nicht ausreichend für das Werk. Außerdem wäre im Falle eines Lieferstopps für kasachisches Öl eine Produktionseinschränkung unumgänglich. Der Mangel würde zudem zu einem drastischen Preisanstieg beitragen.
Was die Ursache für eine mögliche Unterbrechung des Transits durch Russland über die Druschba-Pipeline angeht, so könne es sich laut Dietmar Woidke um „technische Probleme“ handeln.
Der brandenburgische Ministerpräsident Dietmar Woidke bemühte sich indes über den RBB, die Lage zu beruhigen, und erklärte, Russland habe sich bisher als „verlässlicher Partner“ beim Transit von kasachischem Öl nach Deutschland erwiesen. Was die Ursache für eine mögliche Unterbrechung des Transits durch Russland über die Druschba-Pipeline angeht, so könne es sich laut Dietmar Woidke um „technische Probleme“ handeln.

PCK-Raffinerie in Schwedt/Oder.
Foto: Ralf Roletschek/Wikipedia
Das Hauptproblem
Aber ist dem tatsächlich so? Das deutsche Wirtschaftsministerium betont derweil, dass die russische Regierung der deutschen Regierung die Einstellung des Transits von kasachischem Öl noch nicht bestätigt habe. Zuvor hatte jedoch die deutsche Tochtergesellschaft des russischen Rosneft-Konzerns, die unter der Treuhandverwaltung der deutschen Regierung steht, dies berichtet. Diese Informationen soll die Gesellschaft von ihren Partnern in Kasachstan erhalten haben, worüber wiederum die deutsche Nachrichtenagentur DPA berichtete.
Nach dem Beginn des russischen Angriffskriegs in der Ukraine hatte Deutschlands Vorgängerregierung unter Olaf Scholz entschieden, ab 2023 kein russisches Öl mehr über Schwedt zu importieren. Allerdings erreicht die PCK-Raffinerie nun Öl aus Kasachstan, das durch die Druschba-Pipeline transportiert wird, die über russisches Territorium verläuft – und genau das ist das Hauptproblem, das die deutsche Regierung derzeit zu lösen versucht.
Krzysztof Świerc

