Von Kirgisistan über Dänemark bis nach Tschechien: Die deutschen Minderheiten stehen in vielen Ländern für gelebte Tradition, kulturellen Austausch und neue Projekte. In unserer Reihe „Deutsche Minderheiten in Europa“ blicken wir über Grenzen hinaus und zeigen, was die deutschen Minderheiten in Europa bewegt.
Bundestagsabgeordnete treffen Kirgisistandeutsche
Eine prominente Delegation traf unlängst die deutsche Minderheit in der Kirgisischen Republik. Mit dabei waren verschiedene Parlamentarier. Die Delegation des Bundestages unter der Leitung von Christian Görke suchte in Zentralasien gezielt das Gespräch mit den dort verbliebenen rund 8.000 Kirgisistandeutschen.
Im geschichtsträchtigen Dorf Rot-Front wurden die Abgeordneten von einer einheimischen Familie sogar direkt am Küchentisch empfangen. Neben diesen kulturellen Begegnungen stand die wirtschaftliche und politische Annäherung an die rohstoffreiche Region im Fokus. Die Delegation besuchte moderne Fabriken mit deutscher Technik und forderte verlässliche Rahmenbedingungen und ein entschlossenes Vorgehen gegen Korruption.
Görke kritisierte, dass die Bundesregierung die Entwicklungshilfe für diese besuchten Länder stark gekürzt oder komplett eingestellt hat. Wenn Deutschland nicht aktiver werde, würden andere Nationen die wirtschaftlichen Chancen nutzen. Auch bürokratische Hürden wie die sehr langsame Vergabe deutscher Visa müssten dringend gelöst werden, um den Austausch von jungen Fachkräften und den Frieden in der Region zu sichern.
Quelle: bundestag.de.

Tobias Winkler vertrat die CDU in der Bundestags-Delegation.
Foto: OSCE Parliamentary Assembly / Wikimedia Commons.
Neue Gesichter für Dänemarks deutsche Schulen
Das Schuljahr in Dänemark läuft schon auf Hochtouren, auch für die deutsche Minderheit. 21 Kinder beginnen 2026 ihr Abenteuer mit der deutschen Sprache. An der Deutschen Schule in Hadersleben wurden die Erstklässler schon feierlich willkommen geheißen. Die Turnhalle war rappelvoll mit Familienmitgliedern, die fleißig Fotos machten.
Um den Neulingen den Einstieg zu versüßen, hatte die dritte Klasse ein buntes Willkommensprogramm vorbereitet. Obwohl der neue Alltag nun etwas strukturierter abläuft als im Kindergarten, nahm die Schulleiterin Heike Henn-Winkels den Kindern gleich die Angst vor dem vermeintlich strengen Schulalltag.
Nicht nur unter den Schülerinnen und Schülern, sondern auch beim Lehrpersonal war die Aufregung in den Tagen zuvor riesig. Viele der Kinder kennen sich glücklicherweise schon aus der Kita nebenan, was den Start erleichtert. Dennoch flossen bei dem einen oder anderen Kind vor Nervosität kleine Tränen, die die Klassenlehrerin jedoch schnell trocknen konnte.
Zum Schluss ging es in den geschmückten Raum, wo auch der neue Leiter des Schulfreizeitprogramms (Schulfreizeitordnung SFO) die internationale Gruppe herzlich mit einem High-Five begrüßte.
Quelle: nordschleswiger.dk.
Südwestrundfunk stellt Rumäniendeutsche vor
Im Fernsehformat „SWR Heimat“ wurde unlängst die Rumäniendeutsche Bärbel porträtiert. Sie ist unter schwierigen Bedingungen nach Deutschland ausgewandert. Die heute 58-jährige Bärbel gehört zu den Siebenbürger Sachsen, deren Vorfahren schon vor Jahrhunderten nach Rumänien kamen. Sie wuchs dort ganz selbstverständlich mit der deutschen Sprache, Kita und Schule auf. Doch unter der damaligen kommunistischen Diktatur wurde das Leben im Land immer unerträglicher. Von der Bundesrepublik hatte die junge Frau damals traumhafte Vorstellungen, weshalb sie unbedingt dorthin flüchten wollte. Im Alter von 21 Jahren klappte es schließlich mit den Papieren für die Ausreise. Die Reise mit der Eisenbahn ins Ungewisse war emotional und von Angst geprägt. Inzwischen hat sich die zweifache Mutter in Mainz ein komplett neues Leben aufgebaut. Eine dauerhafte Rückkehr in ihre alte Heimat kommt für sie heute nicht mehr infrage, auch wenn sie die alte Region immer noch gerne für Reisen besucht.
Quelle: swr.de.
Russlanddeutsche auf den Spuren ihrer Vorfahren
Ein neues Projekt sorgt derzeit in den Reihen der Russlanddeutschen für Aufmerksamkeit. In dessen Rahmen entdecken junge Russlanddeutsche die Wurzeln ihrer Vorfahren neu. Bei der Aktion „Nationales Dorf“ reisten Jugendliche im Sommer ins geschichtsträchtige Wolgagebiet. An Orten wie Saratow und Engels erkundeten sie alte deutsche Bauten und lutherische Kirchen.
Ein emotionaler Höhepunkt war der Besuch eines kleinen Dorfes, in dem nur noch wenige Menschen leben. Die Teilnehmer unterhielten sich dort intensiv mit den älteren Einwohnern über Familientraditionen und alte Bräuche. Zudem wurden sie mit traditionellen Speisen wie Riewelkuchen und Strudel bekocht und schrieben fleißig Rezepte auf.
Die Jugendlichen brachten eine Lochkamera an, mit deren Hilfe im Verlauf von mehreren Monaten ein Bild der Kirche aufgenommen werden soll. Geplant ist, dieses dann in der Kirche auszustellen. Ein weiterer wichtiger Programmpunkt war der Besuch des historischen Staatsarchivs. Hier konnten viele der Jugendlichen zum ersten Mal tiefer in ihre eigene Familiengeschichte eintauchen und nach Dokumenten ihrer Vorfahren forschen. Praktische Workshops im traditionellen Strohflechten rundeten die gemeinsame Entdeckungsreise ab.
Quelle: rusdeutsch.ru.
Volksgruppe bringt Faustball ins Rampenlicht
Der Faustball gehört zu den eher exotischen Sportarten. Umso interessanter ist es, dass gerade eine deutsche Minderheit derzeit für mehr Aufmerksamkeit für den Sport sorgt. Gemeint ist hier die Europameisterschaft im dänischen Tondern, bei der die Nationalmannschaft des Gastgebers mit einer ganz besonderen Truppe aufläuft: Ein Großteil der Spieler stammt aus der deutschstämmigen Gemeinschaft in Nordschleswig.
Im übrigen Teil Dänemarks weiß kaum jemand, was Faustball überhaupt ist. Auf dem Feld geht es bunt zu, denn das Team nutzt abwechselnd Deutsch, Dänisch und regionalen Dialekt. Die Sportler kennen sich oft schon von klein auf über ihre Familien, was für einen riesigen Zusammenhalt sorgt. In den Jugend- und Erwachsenenligen spielen sie in Deutschland mit, doch bei großen Turnieren tragen sie stolz das dänische Trikot.
Die Tradition wurde vor einigen Jahren von deutschen Verbänden in der Region neu belebt. Heute wird gezielt in deutschen Schulen und Sportvereinen nach Nachwuchs gesucht, sodass es sogar Teenager in die Auswahl geschafft haben. Durch die Heim-EM hoffen die Verantwortlichen nun, das Ballspiel endlich im ganzen Land bekannter zu machen.
Quelle: ndr.de.

Die deutsche Minderheit in Nordschleswig steht bei der Faustball-Europameisterschaft in Dänemark besonders im Rampenlicht.
Foto: Rouven Schönwandt / Wikimedia Commons.
Deutsche Gräber als Kunstwerke vorgestellt
Eine besondere Ausstellung ist derzeit in Tschechien zu sehen. Dabei werden Fotografien deutscher Gräber gezeigt. Die Fotoschau mit dem Titel „Deutsche Gräber in Tschechien“ ist den gesamten August über im Regionalamt der Karlsbader Region für Besucher geöffnet.
Organisiert wurde die Ausstellung vom Ausschuss für nationale Minderheiten der Karlsbader Region zusammen mit dem Dachverband der deutschen Vereine vor Ort. Die Aufnahmen zeigen historische Ruhestätten im tschechischen Grenzgebiet, die als stumme Zeugen von der langen, gemeinsamen Vergangenheit der beiden Völker berichten. Das Ziel der Macher ist es, diese oft vergessenen Flecken Erde wieder mehr ins Bewusstsein der Menschen zu rücken und als schützenswertes Kulturgut anzuerkennen.
Die Idee dazu stammt ursprünglich von einer Jugend- und Kulturorganisation der deutschen Minderheit, die die Grabstätten vor drei Jahren im Rahmen eines Projekts erfasst hat. Mit den Bildern möchten die Initiatoren die gesellschaftliche Bedeutung dieser Orte aufzeigen und gleichzeitig den Dialog sowie das Verständnis zwischen Tschechen und Deutschen verbessern. Wer sich die Aufnahmen ansehen möchte, kann dies unter der Woche während der normalen Bürozeiten des Amtes kostenlos tun.
Quelle: landesecho.cz.