Das Polnische Haus in Bochum steht für die Geschichte der polnischen Gemeinschaft in Deutschland und für Fragen, die bis heute offen sind. Mit Blick auf den für Januar 2027 angekündigten deutsch-polnischen Runden Tisch fragt unser Autor, ob es nicht an der Zeit wäre, Bilanz der bisherigen Vorschläge zu ziehen – und ob einer davon, der direkt mit dem Polnischen Haus verbunden ist, bis dahin umgesetzt sein wird.
Gestern war ich in einer Straße in Bochum, die einen besonderen Platz in der Geschichte der Polen in Deutschland einnimmt. Um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert pulsierte in der Klosterstraße, der heutigen Am Kortländer, das polnische Leben. Über mehrere Jahrzehnte hinweg waren hier verschiedene polnische Organisationen aktiv, es erschienen Zeitungen und Zeitschriften, und Menschen trafen sich hier – für viele von ihnen war diese Straße ein wichtiger Ort des polnischen gesellschaftlichen Lebens.

Im Zusammenhang mit dem deutsch-polnischen Runden Tisch wurde vorgeschlagen, am Polnischen Haus eine Gedenktafel für die ermordeten Vertreter der polnischen Minderheit im Deutschland der Zwischenkriegszeit anzubringen.
Foto: Krzysztof Ruchniewicz
Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten in Deutschland und dem Beginn der Repressionen gegen die Polen wurde die Tätigkeit ihrer Organisationen stark eingeschränkt, und das bisherige gesellschaftliche Leben begann allmählich zu erlöschen. Nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs und der Beschlagnahmung des polnischen Eigentums kam es praktisch vollständig zum Erliegen. Auch die ersten Nachkriegsjahre in der durch Bombenangriffe zerstörten Stadt waren schwierig. Mit der Reaktivierung des Bundes der Polen in Deutschland waren Bemühungen um den Wiederaufbau seiner Strukturen und die Rückgewinnung seines Platzes im öffentlichen Leben verbunden. Schließlich gelang es, das Polnische Haus in der Klosterstraße zurückzuerlangen. In den folgenden Jahrzehnten war es Sitz des Bundes.
Heute wird das Polnische Haus renoviert. Gerüste, Bauzaun und die Umgebung des Gebäudes vermitteln derzeit eher einen bedrückenden Eindruck. Ich schreibe darüber nicht, um die Renovierungsarbeiten selbst zu beurteilen, sondern weil mir das gegenwärtige Bild dieses Ortes sehr aussagekräftig erscheint. Die Geschichte der polnischen Präsenz in Deutschland liegt hier gewissermaßen zum Greifen nah – und zugleich scheint sie an einen vergessenen Rand gedrängt.
Warum erwähne ich das? Vor einigen Tagen wurde bekannt, dass im Januar 2027 die nächste Sitzung des deutsch-polnischen Runden Tisches stattfinden soll. Dieses wichtige Dialogforum bringt Vertreterinnen und Vertreter der polnischen Organisationen in Deutschland und der deutschen Minderheit in Polen zusammen. Es sollte nicht lediglich Gelegenheit zu einem höflichen Meinungsaustausch sein. Es sollte auch dazu dienen, konkrete Entscheidungen zu treffen und Lösungen für Fragen zu entwickeln, die für beide Gemeinschaften und ihren Alltag von Bedeutung sind.
Bis Januar bleibt noch etwas Zeit. Es wäre daher möglich, der Öffentlichkeit in beiden Ländern nicht nur eine Liste eigener Erwartungen vorzulegen, sondern vor allem Ideen für deren gemeinsame Umsetzung.
Der Runde Tisch besteht seit inzwischen mehr als fünfzehn Jahren, seine Sitzungen fanden bislang jedoch nur unregelmäßig statt. Dazu trugen auch politische Veränderungen und Spannungen in den deutsch-polnischen Beziehungen bei. Trotz wiederholter Erklärungen über die Notwendigkeit, die gutnachbarlichen Beziehungen zu stärken, wurden weitere Treffen immer wieder verschoben. Seit dem Regierungswechsel in Polen Ende 2023 ist inzwischen genügend Zeit vergangen, um eine Bilanz der bisherigen Maßnahmen zu ziehen und darüber nachzudenken, wie die nächste Etappe unserer Zusammenarbeit aussehen sollte.

In den Nachkriegsjahren gelang es dem Bund der Polen in Deutschland, das Polnische Haus in der Bochumer Klosterstraße zurückzuerlangen, das in den folgenden Jahrzehnten als Sitz des Bundes diente.
Foto: Krzysztof Ruchniewicz
Bis Januar bleibt noch etwas Zeit. Es wäre daher möglich, der Öffentlichkeit in beiden Ländern nicht nur eine Liste eigener Erwartungen vorzulegen, sondern vor allem Ideen für deren gemeinsame Umsetzung. Man könnte auch auf die Verpflichtungen früherer Jahre zurückkommen und offen die Frage beantworten: Was wurde umgesetzt, was steht noch aus, und was wurde schlicht vergessen – und warum?
Eine dieser Verpflichtungen, die mit der Geschichte der Polen in Deutschland verbunden sind, betraf die Erinnerung an die ermordeten Vertreter der polnischen Minderheit im Deutschland der Zwischenkriegszeit. Zu den Vorschlägen gehörte die Anbringung einer entsprechenden Gedenktafel am Polnischen Haus in Bochum. Wird es dazu kommen? Wird das Polnische Haus bis zum Treffen im Januar wieder eröffnet sein?
In dieser Hinsicht habe ich einige Zweifel. Vielleicht irre ich mich jedoch. Und ich würde mir sehr wünschen, dass sich die Geschichte der Klosterstraße diesmal nicht als Geschichte weiterer Versäumnisse und Verzögerungen erweist, sondern als Ausgangspunkt für konkretes Handeln.