Aus der Mottenkiste der Geschichte

Es geschah vor 370 Jahren…

21 September 2026, 17:00 Geschichte , Kolumne

Am 26. September 1656 standen die Truppen des Großkronmarschalls Jerzy Lubomirski vor den Toren Krakaus, um die einstige Hauptstadt zurückzuerobern. Am Rande sei erwähnt, dass Lubomirski in der Kriegskunst versiert und vielseitig gebildet war.

Er bewährte sich auch als Diplomat, und seinen Bildungsweg begann er im deutschen Ingolstadt, im Jesuitenkolleg. Mancher mag sich fragen: Wie das? Polen belagerten Krakau? Ja! Während der „Schwedischen Sintflut“ (Potop) hatten die Schweden Krakau besetzt, und ohne das Bündnis des polnischen Königs mit dem Herrscher des Heiligen Römischen Reiches wäre es nicht gelungen, Polen den schwedischen Händen zu entreißen.

Kreis Oppeln.
Foto: Wikipedia

Wir kennen den Film und das Buch „Die Sintflut“, doch wir kennen nicht das, worüber Henryk Sienkiewicz aufgrund der russischen Zensur nicht schreiben durfte. Als am 21.07.1655 die schwedischen Armeen in die Erste Polnische Republik einfielen und in rasantem Tempo das ganze Land eroberten, liefen viele Polen zur schwedischen Seite über. Die schwedischen Fahnen feierten einen Erfolg nach dem anderen, und an dem Tag, an dem Posen fiel, wandte sich der polnische König – wissend, dass das Adelsaufgebot kapituliert hatte – an Kaiser Ferdinand III. um Hilfe. Er war sogar bereit, dem Kaiser die polnische Krone zu überlassen. Der Kaiser befand sich in einer sehr schwierigen Lage. Gerade erst war der Dreißigjährige Krieg zu Ende gegangen, der das gesamte Reich verwüstet hatte. Dem polnischen König zu helfen hätte bedeutet, die Bestimmungen des Westfälischen Friedens zu brechen und einen neuen Krieg zu riskieren, weshalb der Herrscher des Heiligen Römischen Reiches mit Bedacht handeln musste.

„Bündnisse zwischen polnischen und deutschen Herrschern haben Europa manchmal gerettet.“

Ferdinand III. wagte es, dem polnischen König, zahlreichen politischen Flüchtlingen und den sich zurückziehenden Truppen im Herzogtum Oppeln-Ratibor politisches Asyl zu gewähren. Der gesamte königliche Hof, die Senatoren, die Machteliten und die Vertreter der katholischen Kirche verließen Krakau und fanden Zuflucht im vom Krieg verwüsteten Schlesien, aus dem sich die letzten schwedischen Truppen kaum ein Jahr zuvor zurückgezogen hatten. Das Herzogtum Oppeln-Ratibor war damals als Pfand für ein Darlehen im Besitz der Gemahlin des polnischen Königs, Ludwika Maria Gonzaga, gehörte als Territorium jedoch zum Königreich Böhmen und damit zum Kaiserreich, weshalb es die Schweden nicht wagten, bei der Verfolgung des polnischen Königs, der nach Oppeln geflohen war, die Grenze zu überschreiten. Zur Erinnerung: Zur gleichen Zeit erschienen die Franziskaner – als Flüchtlinge aus Krakau – auf dem Sankt Annaberg. Nach der Konsolidierung seiner Kräfte brach König Johann Kasimir bereits am 18.12.1655 von Schlesien aus nach Polen auf, und die dem König treuen Truppen nahmen an zahlreichen Schlachten teil. Im Juni 1656 gelang die Einnahme Warschaus, im September das Erreichen Krakaus.

Johann II. Kasimir, Porträt von Daniel Schultz aus dem Jahr 1659.
Foto: Königliche Łazienki-Museen in Warschau

Kaiser Ferdinand III. konnte es sich leisten, Polen offen zu unterstützen und umfangreiche diplomatische Bemühungen zu unternehmen, um den Fürsten von Siebenbürgen, Georg II. Rákóczi, von einem Bündnis mit Karl X. Gustav abzubringen. Auch der König von Ungarn, Leopold, der Sohn des Kaisers, war ein Befürworter eines Bündnisses mit Polen gegen Schweden. Ferdinand III. war sich bewusst, dass der siebenbürgische Fürst zu den Schweden neigte, und schloss am 01.12.1656 ein Bündnis mit Johann Kasimir, in dessen Rahmen Mittel zur Finanzierung der kaiserlichen Truppen gesichert wurden, die auf Seiten des polnischen Königs kämpfen sollten. Rákóczi wiederum unterzeichnete mit den Schweden den Vertrag von Radnot, der faktisch die erste Teilung Polens bedeutete. Nach dem Tod seines Vaters bestieg der siebzehnjährige Kaiser Leopold I. den Thron; er bestätigte 1657 das in Wien geschlossene Bündnis und verpflichtete sich unter anderem, ein Expeditionskorps von 17 000 Soldaten aufzustellen, an dessen Spitze Feldmarschall Melchior von Hatzfeld stand. Die Truppen wurden im Herzogtum Oppeln-Ratibor rekrutiert, also im Gebiet der heutigen Woiwodschaften Oppeln und Schlesien. Das Zünglein an der Waage neigte sich zugunsten Johann Kasimirs.

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Krzysztof Świerc nannte es „des Schicksals ironische Fügung“, dass „polnische und deutsche Soldaten Seite an Seite“ Befestigungen an der Ostgrenze Polens errichteten. Ich hingegen sage: „Nichts Neues unter der Sonne.“ Bündnisse zwischen polnischen und deutschen Herrschern haben Europa manchmal gerettet. Schließlich bekam König Johann III. Sobieski Gelegenheit zum Dank und zog 1683 zum Entsatz Kaiser Leopolds I. vor Wien – doch das ist schon eine andere Geschichte.

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