Beim Ansehen einer der Folgen von Magda Gesslers „Küchenrevolutionen“ möchte man das Sprichwort „Aus Schaden wird man klug“ bemühen. Allerdings sollte man hier nicht von einem Polen, sondern von der Polka sprechen. Denn „Die erste Polka“ aus dem Roman von Horst Bienek ist ein Musikstück für Orchester.
Das Porträt, das störte
Während der „Revolution“ ärgert sich Frau Magda über das an der Wand hängende symbolische Porträt von Horst Bienek und nennt es eine Todesanzeige. Es passe ihrer Meinung nach nicht zur neuen Kulisse und zum neuen Namen. Sie ordnet daher an, es zu entfernen, was der durchgeführten Revolution zum Erfolg verhelfen soll. Es solle nicht zur neuen Kulisse des Lokals und zum neuen Namen des Lokals passen. Auch die Frau des Besitzers bringt die Person auf der Grafik nicht sonderlich sachlich näher und bezeichnet Horst Bienek kurz als deutschen Schriftsteller. Das beeindruckte den Fernsehstar offenbar nicht sonderlich. Beim Ansehen dieser Folge des Programms hatte ich den Eindruck, dass die Erinnerung an die deutsche Vergangenheit des Ortes und die Gestaltung im Art-déco-Stil verschwinden müssen.
Dabei wurde das Lokal bis vor wenigen Jahren in der lokalen Presse gerade durch die Literatur des aus Gleiwitz stammenden Autors beworben, dessen Romane vor dem Hintergrund der Architektur und des Alltagslebens des Zwischenkriegs-Gleiwitz basierten. Doch bereits in diesen Berichten wurde Horst Bienek als deutschsprachiger Schlesier bezeichnet, obwohl er ein schlesischer Deutscher war. Bei der Beschreibung seiner Stadt schrieb er im Roman so: „Etwas Unerklärliches zog die Menschen hinaus in die Wilhelmstraße.“
Das Lokal mit seinem Porträt des Schriftstellers und einem Namen, der aus der Idee des Besitzers entstand – eines von Beruf Historikers, inspiriert vom Cover von Bieneks Buch mit dem Titel „Die erste Polka“. Das Lokal unter diesem Namen florierte eine Zeit lang, geriet dann in finanzielle Schwierigkeiten. Aber das Ende der Tätigkeit kam, nachdem die Spuren der Vorkriegsgeschichte und Identität, die mit der Person des Autors verbunden waren, aus dem Lokal verdrängt worden waren. Der Name und das Porträt wurden wirksam entfernt, die Wände des Lokals bedeckten farbige Ornamente. Den neuen Namen lohnt es sich nicht, öffentlich zu machen, denn das Lokal existiert nicht mehr.
Die Verdrängung der deutschen Geschichte
Aber das ist nicht der einzige Ort oder die einzige Situation, in der deutsche Tradition, Geschichte oder Identität verdrängt werden.
Der deutschsprachige Schlesier oder sogar der Schlesier selbst ersetzt den deutschen Schlesier, den Deutschen. Weil es in der heutigen Zeit besser, bequemer, sicherer ist.
Zerstört werden Objekte von denkmalpflegerischem Wert, aber schlechter – weil deutscher – Herkunft. Sie passen nämlich nicht zum Nachkriegsnarrativ über die wiedergewonnenen Gebiete.
Sogar die Opfer der Nachkriegsrepressionen erhalten nach 80 Jahren statt der ihnen gebührenden Würdigung und Erinnerung eine neue, veränderte, verfälschte Identität. Entgegen den Zeugenaussagen und Feststellungen der Wissenschaftler des IPN, die die Nationalität der Hauptgruppe der Nachkriegsopfer von Lagern, Vertreibungen, Deportationen, Vergewaltigungen, Morden und Plünderungen belegen.
Aber alles aus dem öffentlichen Raum zu tilgen, ist zum Glück nicht möglich.
Architektur als Zeugnis
Es ist nämlich schwer, aus dem öffentlichen Raum Gebäude zu entfernen, die die städtische Substanz schlesischer Städte bilden. Obwohl auch solche destruktiven Maßnahmen ergriffen wurden und als Begründung für diese Arbeiten die Modernisierung und Erneuerung dienten. Auf diese Weise wurden zum Beispiel der denkmalgeschützte Bahnhof und die Markthalle in Königshütte umgebaut.
Es gibt jedoch viele Orte, an denen historische Objekte erhalten geblieben sind und von ihrer Geschichte und Herkunft zeugen.
Architektur spielt seit Jahrhunderten eine Schlüsselrolle bei der Gestaltung der nationalen und lokalen Identität, indem sie nicht nur Ausdruck der Ästhetik ist, sondern auch Träger kultureller, historischer und gesellschaftlicher Werte. Gebäude, Brücken, Plätze und andere architektonische Elemente sind untrennbarer Bestandteil der Landschaft, die die Wahrnehmung und Identifikation der Bewohner mit einem bestimmten Ort beeinflusst.

Vorkriegs-Ansichtskarte aus Beuthen
Foto: Wikipedia
Vor Kurzem beschrieb ich die im Grenzgebiet der Niederlausitz wiederbelebte Tradition der Umgebindehäuser. Die örtlichen Vereine betreiben eine umfangreiche Tätigkeit, nicht nur im Bereich Bildung und Dokumentation, sondern auch im kreativen Bereich. Es entstehen neue Objekte, und was noch wertvoller ist, es werden diejenigen saniert, die der Zahn der Zeit getroffen hat.
Aber auch im Gebiet des industriellen Schlesiens haben viele Gebäude mit historischer Bebauung unter Verwendung der Fachwerkkonstruktion, des sogenannten preußischen Mauerwerks, überlebt.
Das preußische Mauerwerk des industriellen Schlesiens
Solche Objekte haben überdauert und bezeugen die Geschichte des Ortes in Gleiwitz, im Kattowitzer Emanuelssegen, in Beuthen oder Hindenburg. Beispiele dafür sind in Gleiwitz das Gebäude der Staatlichen Musikschule und die Villa von Franz Traufeld. In Kattowitz die im Stadtteil Emanuelssegen gelegene denkmalgeschützte Bergarbeitersiedlung. In Beuthen ein Jugendstil-Miethaus von 1912 nach dem Entwurf von Liersch mit einer selten anzutreffenden Verbindung von Holzbalken mit weißer glasierter Fassade sowie Gebäude aus dem Stadtteil Kleinfeld.
Eines der sehr charakteristischen Gebäude in preußischer Mauerwerkstechnik ist das 1907 in Hindenburg fertiggestellte Gebäude der Feuerwehr der Donnersmarck-Hütte. Das Gebäude wurde vom Architekten Arnold Hartmann entworfen.
Das Feuerwehrgebäude grenzt an die Arbeitersiedlung Sandkolonie (sog. Zandka).
Wie an vielen Orten im industriellen Schlesien wuchs im Zusammenhang mit der dynamischen Entwicklung von Hindenburg, der Entstehung unter anderem der Donnersmarck-Hütte und anderer Industrieobjekte der Bedarf an Wohnungen für die Arbeiter. Für sie wurde in den Jahren 1903–1922 eine neue Arbeitersiedlung auf dem Gebiet der Sandkolonie errichtet. Das Ganze war für Arbeiter und Beamte bestimmt und umfasste außer Wohnungen eine Bibliothek (heute Sitz der Hindenburger Philharmonie), ein Kasino (heute Sitz des Neuen Theaters), eine Hauswirtschaftsschule, ein Hallenbad sowie Sportanlagen.
Alles aus dem öffentlichen Raum zu tilgen, ist zum Glück nicht möglich. Es ist nämlich schwer, aus dem öffentlichen Raum Gebäude zu entfernen, die die städtische Substanz schlesischer Städte bilden.
Die Häuser in der Sandkolonie haben interessante Fassaden aus rotem Ziegelstein, bereichert durch Holzelemente, die preußisches Mauerwerk bilden.
Auch die Sandkolonie blieb von den Ereignissen des Jahres 1945 nicht verschont. Im Januar steckte die in Hindenburg einrückende Rote Armee etwa zehn Gebäude sowie die hiesige Kirche in Brand. Auch die Nachkriegszeit war der Siedlung nicht günstig. Erst in den letzten zwei Jahrzehnten hat die Stadt mit Beteiligung der Bewohner die mühevolle Aufgabe übernommen, die denkmalgeschützte Bebauung der Siedlung zu sichern.
In gutem Zustand erhalten ist auch das Gebäude des ehemaligen Kasinos der Donnersmarck-Hütte im Stil des Historismus mit Elementen des Jugendstils, also des Stils, der um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert auf dem Gebiet Deutschlands vorherrschte. Im Gebäude befanden sich ein Theatersaal, ein Restaurant sowie ein Lesesaal. All dies sollte den Arbeitern der Hütte dienen. Leider hat das benachbarte Gebäude des Schlafhauses nicht überdauert, das zusammen mit dem Kasinogebäude einen geschlossenen Komplex von Sozial- und Dienstleistungsobjekten bildete.
Gebäude aus preußischem Mauerwerk kommen nicht nur in Oberschlesien vor, sondern auch im Gebiet von Ermland und Masuren, in Pommern und Niederschlesien.
„Schweinebäuche” – Erinnerung unter den Füßen
Die sogenannte nationale Architektur hat jedoch nicht nur in den Wänden der Gebäude überlebt, sondern auch auf den diese Gebäude umgebenden Bürgersteigen, denn eines der architektonischen Elemente, das bis heute seine Aufgabe erfüllt, sind historische Gehwegplatten, die sogenannten Schweinebäuche.
Als Schweinebäuche bezeichnet man dicke Granitplatten, die vor Gebäuden und Mietshäusern verlegt wurden. Diese Platten wurden oft mit einem Mosaik aus Granit- oder Basaltpflastersteinen umgeben. Zur Verbreitung des Granits als Baumaterial trug die Entwicklung des Tagebaus von Nutzgestein in Niederschlesien im Gebiet von Striegau (Strzegom) und Strehlen (Strzelin) bei.
Die ersten Erwähnungen des Granitabbaus in der Umgebung von Striegau stammen aus dem Jahr 1689. Ihre Blütezeit begann jedoch erst im 19. Jahrhundert. Einen bedeutenden Beitrag auf diesem Gebiet leistete die Familie Bartsch. Im Jahr 1826 wurde der erste Steinbruch in Betrieb genommen.

Der Sitz des Neuen Theaters in Hindenburg ist das denkmalgeschützte Gebäude des ehemaligen Kasinos der Donnersmarck-Hütte, errichtet 1901.
Foto: Wikipedia
Aufgrund ihres Nutzungszwecks sind sie wenig auffällig, aber man kann sie in der städtischen Bebauung Berlins, in Ober- und Niederschlesien, aber auch zum Beispiel in Krakau entdecken.
Ich selbst habe die Möglichkeit, über solche Platten auf einem der Friedhöfe in Königshütte zu gehen, der bei der St.-Barbara-Kirche liegt.
Der Bau dieser katholischen Kirche wird mit dem Besuch des Breslauer Bischofs, Kardinal Melchior von Diepenbrock, im Jahr 1849 in Deutsch Piekar (Piekary) in Verbindung gebracht. Damals wandte sich eine Delegation von Bergleuten und Hüttenarbeitern aus Königshütte an den Würdenträger mit der Bitte um die Erlaubnis zur Errichtung eines Gotteshauses. Als Bauplatz wurde der bereits bestehende Friedhof gewählt. Der Grundstein wurde zwei Jahre später gelegt, und im November 1852 nahm der Kanoniker Johann Alois Fietzek die Weihe der Kirche vor.
Granitplatten gelangen nach Schlesien
In Schlesien, in Breslau, erschienen die Schweinebäuche Mitte des 19. Jahrhunderts. Dies geschah auch infolge der fortschreitenden Entwicklung des Eisenbahnnetzes.
Dank der Expansion des Eisenbahnwesens und der damit verbundenen Erleichterung des Transports schwerer Baumaterialien wie der dicken Granitplatten verbreitete sich dieses Material in Schlesien und darüber hinaus.
Ihren Namen verdanken sie ihrer ungewöhnlichen Form. Von oben sind sie eben, aber ihre Unterseite hat eine charakteristische Wölbung, die an einen herabhängenden Schweinebauch erinnerte. Die Form einer solchen schweren Platte verlieh ihr Stabilität. Auch ihre Masse war von Bedeutung.
Eine solche Platte war haltbar und zugleich sehr stabil.
Die Berliner Exemplare haben bereits eine 200-jährige Geschichte, sie tauchten 1824 auf und werden Charlottenburger Platte genannt.
Wie der Kunsthistoriker Max von Boehn schrieb: „Berlin erblickte seinen ersten Bürgersteig, als der Weinhändler Lutter und Wegener Granitplatten vor ihrem Geschäft am Gendarmenmarkt verlegten“ – etwa 1825. Die Größe und der Glanz der Steine begeisterten die Gäste, die Passanten – und die Herrscher der Stadt. Bis zu diesem Zeitpunkt mussten die Bewohner im Regen durch Schlamm und morastiges Gelände waten, und der Tiergarten erinnerte an eine Wüstenlandschaft mit Kiefern. Im Jahr 1828 machte eine königliche Kabinettsorder den Bau von Bürgersteigen aus „großen Gehwegplatten“ zur Norm. Die Steine wurden mühsam aus den Steinbrüchen der Lausitz nach Berlin transportiert und befördert.
Denkmäler der Geschichte, über die wir gehen
Bürgersteige mit Granitplatten ersetzten das „Katzenkopfpflaster“, ein Pflaster aus Feldsteinen. Man ging viel besser darauf, obwohl sie gefährlich wurden, wenn Schnee fiel oder Regen kam.
Von ihrer Haltbarkeit zeugt die Tatsache, dass sie bis heute in gutem Zustand überdauert haben, im Prinzip ohne Reparaturaufwand.
Man kann nur hoffen, dass diese natürlichen, nutzbaren Denkmäler der lokalen Geschichte nicht in Neubausiedlungen aus Gipskarton oder in Gehwegpflaster aus zweifelhafter Betonqualität umgewandelt werden, wie es bereits vorgekommen ist.