Immer noch verbunden

Gütersloh – Treffen der Pfarrgemeinde Süssenthal

10 September 2026, 05:00 Kultur

Einst wohnten sie nebeneinander und trafen sich fast täglich: auf der Straße, in der Schule, in der Kirche, im Bus oder im Laden. Nun wohnen sie teilweise Hunderte von Kilometern voneinander entfernt und sehen sich höchstens einmal im Jahr. Selten, aber sie treffen sich.

Ein Dorf, das Menschen zusammenbrachte

Süssenthal ist ein kleines Dorf im Kreis Allenstein. In den 1970er Jahren verließ die Mehrheit der Bewohner es in Richtung Deutschland. Warum die Mehrheit? Weil andere früher geflohen oder vertrieben worden waren. Ähnlich war es in den anderen Dörfern der Pfarrgemeinde Süssenthal: Neu Vierzighuben, Groß Damerau, Plutken, Ober Kapkeim, Rosgitten. Nun treffen sie sich jedes Jahr für ein paar Stunden in Gütersloh in Nordrhein-Westfalen. Warum ausgerechnet dort? Weil sich dort und im nahe gelegenen Bielefeld die meisten von ihnen niedergelassen haben und weil in Gütersloh die Süssenthaler Gruppe der Kreisgemeinschaft Allenstein aktiv ist, die von Eckhard Jagalla, einem ehemaligen Bewohner von Hochwalde, geleitet wird. In ihrem Vorstand sitzen außerdem Gregor Kischporski, Josef Block, Werner Kuzinna und Jan Hacia – der stellvertretende Vorsitzende der Kreisgemeinschaft Allenstein.

Dem Treffen ging eine Heilige Messe in der Kirche des Heiligen Bruder Konrad voraus. Quelle: Lech Kryszałowicz

Das jährliche Treffen

Die Treffen der Pfarrgemeinde finden immer am letzten Samstag im August statt – in diesem Jahr war es der 29. August. Ihm voraus ging eine Heilige Messe in der Bruder-Konrad-Kirche. An dem Treffen nahmen 82 Personen teil. Ist das viel? Viel – 8,2 Prozent der derzeitigen Mitgliederzahl der Pfarrgemeinde. Das ist genauso viel, wie durchschnittlich an den Sonntagsmessen in der alten Heimat teilnehmen. Wer sind die Teilnehmer dieses Treffens?

„Die Heimat ist nicht nur Landschaften, Häuser und Gräber der Vorfahren, sondern vor allem Menschen, die trotz der Jahre und der Entfernung einander immer noch nahe sind.“

Es handelt sich größtenteils um die Generation der 60- bis 70-Jährigen, die Ende der 1970er Jahre nach Deutschland ausgewandert ist. Es gibt weniger jüngere, in Polen geborene Menschen, die sich nicht mehr an Polen erinnern, und weniger ältere Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen nicht reisen können, obwohl sie immer noch gerne Kontakte pflegen. Der älteste Teilnehmer seit Jahren ist Leo Motzki aus Süssenthal, der kürzlich 94 Jahre alt geworden ist und zu denjenigen gehörte, die sich erst gegen Ende der Veranstaltung auf den Heimweg machten. Von Anfang an nimmt auch das Ehepaar Kryszałowicz aus Süssenthal teil – eine lebendige Brücke zwischen den alten und neuen Bewohnern.

Leo Motzki – der älteste Teilnehmer des Treffens mit seiner Tochter Hilda. Foto: Lech Kryszałowicz

Gespräche, Erinnerungen und alte Fotos

Was machen die Menschen bei diesen Treffen? Sie reden einfach nur, reden und reden. Denn fast jeder möchte mit jedem reden. Schließlich kennen sich alle, auch wenn nicht jeder jeden wiedererkennt. Die Mädchen und Jungen der 1970er Jahre sind heute schließlich Großmütter und Großväter. Auf der Leinwand läuft ununterbrochen eine Diashow mit Bildern aus der alten Heimat. In diesem Jahr sorgten die Aufnahmen vom Pfarrfriedhof in Süssenthal für Bewegung. Leider sind die vernachlässigten Gräber die Gräber der Großeltern, Eltern und Verwandten der Teilnehmer.

In dem stilvollen Gasthaus herrschte eine familiäre Atmosphäre, und auf dem Bildschirm wurden Fotos aus der alten Heimat gezeigt. Quelle: Lech Kryszałowicz

Warum treffen sich diese Menschen beharrlich einmal im Jahr?

Weil die Heimat nicht nur Landschaften, Häuser und Gräber der Vorfahren ist, sondern vor allem Menschen, die trotz der Jahre und der Entfernung einander immer noch nahe sind.

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