Deutsche Minderheiten in Europa

Tschechen und Deutsche gedenken gemeinsam

7 September 2026, 17:00 Kultur , Nachrichten

In unserer Reihe „Deutsche Minderheiten in Europa“ blicken wir über Grenzen hinaus und beleuchten, was die deutschen Minderheiten in ganz Europa bewegt.

Deutsche Gesellschaften tragen zur Sicherheit bei

Die deutschen Minderheiten engagieren sich auf vielfältige Weise im Leben der lokalen Gesellschaften. Die deutsche Minderheit in Dänemark trägt sogar zur Sicherheit bei. Dort warnt der Sozialdienst in Nordschleswig zusammen mit der Deutschen Zentralbücherei Apenrade vor perfiden Betrugsmaschen. Kriminelle versuchen immer wieder, Menschen am Telefon, im Internet oder direkt an der Haustür zu betrügen. Das betrifft keineswegs nur Senioren, sondern auch einsame oder psychisch kranke Personen. Die Täter nutzen gezielt Gefühle wie Angst oder die Hoffnung auf das große Geld aus. Um sich zu schützen, geben die Helfer einfache Tipps für den Alltag: Man darf ruhig unhöflich sein und ungebetene Gäste wegschicken oder den Hörer auflegen. Auch eine aufmerksame Nachbarschaft hilft, wenn Fremde um die Häuser schleichen. Zudem wird betont, dass Banken oder die Polizei niemals sensible Daten an der Tür verlangen. Die Bücherei bietet dafür extra Infoveranstaltungen an, um die Bürger digital fit zu machen. Wer doch Opfer wird, sollte sich nicht schämen. Der Sozialdienst unterstützt Betroffene beim Gang zur Polizei oder zur Bank, stößt aber an Grenzen, wenn Betrugsopfer aus Einsamkeit nicht wahrhaben wollen, dass sie betrogen wurden.

Quelle: nordschleswiger.dk.

Tschechen und Deutsche gedenken gemeinsam

Obwohl es kein runder Jahrestag war, handelte es sich doch um ein wichtiges Gedenkereignis. Vor allem, weil das Verbrechen von Aussig an der Elbe nicht vielen bekannt ist. Genau 81 Jahre nach den schrecklichen Ereignissen kamen Deutsche und Tschechen zusammen, um gemeinsam an die Opfer des dortigen Massakers zu erinnern. Weil eine wichtige Brücke im Ort gerade repariert wird, versammelten sich die Menschen auf einem anderen Steg und ließen Blumen auf der Elbe treiben. Die Aktion war Teil eines besonderen Versöhnungsjahres, das von der Kirche ins Leben gerufen wurde. Viele hochrangige Gäste, darunter der deutsche Botschafter und der Bürgermeister der Stadt, nahmen teil.

Das Drama begann am 31. Juli 1945 mit einer gewaltigen Explosion in einem ehemaligen Zuckerwerk im Stadtteil Schönpriesen, das damals als Munitionslager genutzt wurde. Bei der Explosion kamen 27 Menschen ums Leben. Die Ursache der Explosion ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Damals kamen jedoch sofort Gerüchte über einen deutschen Sabotageakt auf. Kurz darauf brach rohe Gewalt aus: Deutsche Einwohner wurden auf den Straßen und Brücken verprügelt, erschossen oder in den Fluss geworfen. Die genaue Zahl der Opfer des Massakers ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Schätzungen reichen von mehreren Dutzend bis zu etwa 220 Menschen. Während der kommunistischen Zeit wurde über das Massaker weitgehend geschwiegen. Erst viel später begann man, die Geschichte offen aufzuarbeiten, um Hass zu bekämpfen und Brücken zwischen den Ländern zu bauen.

Quelle: landesecho.cz.

Russlanddeutscher Illusionist macht Karriere

Eine Karriere als Magier kann so manchem exotisch vorkommen, doch genau diesen Weg geht ein junger Illusionist mit russlanddeutschen Wurzeln. Andrei Gamm startete seine Laufbahn ganz bescheiden im Freien und zeigte Passanten auf der Straße verblüffende Kunststücke. Anfangs kostete ihn das viel Überwindung, doch schnell lernte er dort, sich von der Meinung Fremder freizumachen. Seinen Durchbruch feierte er im Jahr 2019, als er in Moskau die russische Meisterschaft in der Sparte Mikromagie gewann. Bei dieser Kunstform arbeitet der Magier mit kleinen Gegenständen direkt vor den Augen der Zuschauer. Gelernt hat er viel von seinem russisch-deutschen Lehrer Wladimir Schmidt, der seine Sicht auf die Magie stark prägte. Zudem studierte Gamm das Fach Produktion an einer Theaterhochschule, um die Abläufe hinter den Kulissen besser zu verstehen. Dem Künstler geht es nicht nur um perfekte Technik, sondern vor allem darum, echte Gefühle zu wecken. Während Erwachsene oft versuchen, die Tricks logisch zu entschlüsseln, lassen sich Kinder schneller verzaubern. Deshalb tritt er auch regelmäßig ohne Gage in Waisenhäusern und Kliniken auf, um kranken Kindern eine Freude zu machen.

Quelle: rusdeutsch.ru.

Tage der Verbundenheit im nächsten Jahr

Die Stiftung Verbundenheit wird nächstes Jahr eine Großveranstaltung organisieren. Ein besonderer Schwerpunkt ist die junge Generation. Unter dem Namen „Tage der Verbundenheit 2027“ lädt die Organisation vom 28. Juni bis zum 1. Juli nach Bad Kissingen ein. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie deutsche Gemeinschaften im Ausland als Brückenbauer für Kultur und Sprache wirken. Das Treffen bringt Menschen aus Europa, Israel, Amerika und Afrika mit Experten aus Politik und Wissenschaft zusammen. Als prominente Schirmherrinnen unterstützen Dorothee Bär und Ulrike Scharf das Event. Das viertägige Programm bietet Ausstellungen und Diskussionsrunden. Ein zentrales Ziel ist es, Jugendliche aus verschiedenen Ländern miteinander ins Gespräch zu bringen. Sie sollen sich über ihre Identität, gemeinsame Werte und die Zukunft austauschen. Dabei wird betont, dass die Minderheiten im Ausland nicht nur alte Traditionen bewahren, sondern wichtige Partner für Deutschland im internationalen Austausch sind. Zum Abschluss der Woche ist ein großes Fest geplant, das die Gemeinschaft feiern soll.

Quelle: stiftung-verbundenheit.de.

Bad Kissingen.
Foto: Bbb-Commons / Wikimedia Commons.

Sommercamp für Kinder

Im Sommer verbinden die Slowakeideutschen Lernen und Freizeit miteinander. Dieses Ziel sollte mit einem Sprachcamp erreicht werden. Bereits zum 16. Mal reisten Jugendliche in den Ort Schwedler, um fünf abwechslungsreiche Tage miteinander zu verbringen. Bei dem Projekt, das vom Bundesinnenministerium finanziell unterstützt wird, stand das Üben der deutschen Sprache im Mittelpunkt. Das Angebot richtet sich gezielt an Familien aus der Region Unterzips, um deren Kultur und Sprache lebendig zu halten. Eine Besonderheit in diesem Jahr war, dass neben Hochdeutsch auch der lokale Dialekt auf dem Plan stand, da dieser im normalen Schulunterricht oft zu kurz kommt. Insgesamt 19 Kinder erlebten zusammen mit ihren sechs Betreuern eine aktive Woche. Die Lehrer vermittelten neue Wörter durch Lieder, Gedichte und Rätsel.

Ein großer Schwerpunkt lag auf der Heimatkunde: Die Gruppe erkundete die umliegenden Dörfer und lernte deren alte Mundart-Namen. Neben dem Lernen im Raum gab es viel Bewegung an der frischen Luft. Die Teilnehmenden machten Ausflüge mit der Bahn, wanderten durch die Natur, besuchten alte Bergwerke und Museen. Auch gutes Benehmen bei Tisch und regionale Bräuche wurden geübt. Am Ende bekamen alle Kinder Urkunden und Präsente.

Quelle: karpatenblatt.sk.

Teilnehmer des Sommercamps bei der Arbeit.
Foto: Stiftung Verbundenheit.

Mit KI zur Geschichtsarbeit

Die deutschen Volksgruppen gehen mit dem Geist der Zeit und nutzen künstliche Intelligenz. In Rumänien wird sie genutzt, um die schwierige Geschichte aufzuarbeiten. Anfang 2026 wurde ein multimediales und mehrsprachiges Projekt vorgestellt, das die Geschichte und das kulturelle Erbe der Siebenbürger Sachsen digital aufbereitet und mithilfe generativer KI neue Zugänge dazu schafft. Für die ersten beiden abgeschlossenen Kapitel lieferte die Historikerin Hannelore Baier die wissenschaftlichen Fakten. Sie schildert darin, wie tief die kommunistische Herrschaft das Leben der deutschen Minderheit erschüttert hat. Das größte Drama begann im Januar 1945, als Tausende Männer und Frauen plötzlich aus ihren Betten geholt und zur Zwangsarbeit in die Sowjetunion verschleppt wurden.

Lange wurde die Deportation vor allem als rumänische Vergeltungsmaßnahme betrachtet. Inzwischen ist jedoch dokumentiert, dass die Verschleppung auf sowjetische Anordnungen zurückging. Die Rückkehrer fanden eine völlig veränderte Heimat vor. Das kommunistische Regime nahm den Menschen durch Reformen ihre Bauernhöfe und Firmen weg, was traditionelle Dörfer zerstörte. Trotz harter Unterdrückung durften die Deutschen später eigene Schulen und Zeitungen behalten. Nach dem Fall des Kommunismus 1989 begann eine intensivere Aufarbeitung dieser Zeit.

Quelle: siebenbuerger.de.

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