Mehr als acht Jahrzehnte nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs sind eine enorme Zeitspanne, und dennoch sind die Nachkriegswunden und Traumata sowohl in der polnischen als auch in der deutschen Gesellschaft noch immer nicht verheilt. Dies geschieht, obwohl in den vergangenen 80 Jahren, besonders nach 1990, auf beiden Seiten der Oder große Anstrengungen in den Versöhnungsprozess investiert wurden. Leider wurden diese Bemühungen oft zunichtegemacht, nicht selten absichtlich und mit Vorsatz.
Deshalb musste der Aufbau guter polnisch-deutscher Beziehungen immer wieder von Neuem begonnen werden. So auch jetzt, wo die Bürgerkoalition (KO) am Ruder ist und nach acht Jahren PiS-Regierung die Beziehungen zwischen beiden Völkern neu aufbauen muss. Das ist nicht einfach. Denn die PiS hat in ihrer Regierungszeit viel dafür getan, jegliches gute Wort über Deutschland und die Deutschen unter den Polinnen und Polen zu begraben. Daher steht außer Frage, dass dies eine äußerst schwierige Aufgabe ist – manche behaupten sogar, es sei eine „Mission Impossible“. Aber … es gibt keinen anderen Weg.
Beide Länder und Völker sind aufeinander angewiesen. Um sich gut zu entwickeln, sich gegenseitig zu ergänzen und zu unterstützen, müssen sie einen roten Faden der Verständigung finden und ihn weiterentwickeln. Nicht nur aus wirtschaftlichen Gründen, die bis 2020 noch Priorität gehabt hätten, sondern auch in Sicherheitsfragen. Heute, in Zeiten der russischen Aggression gegen die Ukraine und der immer noch aus Moskau kommenden Drohungen gegen andere europäische Staaten, wird genau diese Sicherheit zur begehrtesten Ware. Besonders für Polen, das direkt an Russland, die Ukraine, den engen Verbündeten Moskaus – Belarus – und an Litauen grenzt, das sich ebenfalls angesichts der aggressiven Politik der „Hardliner im Kreml“ nicht sicher fühlt. Polen allein scheint dem „russischen Bären“ schutzlos ausgeliefert, aber im Bündnis mit anderen Nachbarn ist das nicht der Fall. Vor allem, wenn das mächtigste EU-Land, Deutschland, Polen zu Hilfe kommt.
Beide Länder und Völker sind aufeinander angewiesen, deshalb müssen sie einen roten Faden der Verständigung finden und ihn weiterentwickeln.
Manche mögen dies eine ironische Fügung des Schicksals nennen, aber die Wahrheit ist, dass es heute Berlin am meisten daran liegt, dass in Polen Frieden herrscht. Vielleicht, weil dies auch ein Garant für den Frieden in Deutschland ist. Beide Regierungen denken ebenso und haben in Sicherheitsfragen begonnen, zusammenzuarbeiten. Eine der ersten positiven Auswirkungen sind etwa 40 Bundeswehrsoldaten, die Polen seit Juli dieses Jahres bei der Sicherung der östlichen NATO-Außengrenze unterstützen. Konkret geht es um eine Operation im Nordosten Polens, die auch abschreckend wirken soll. Dort sichern deutsche und polnische Soldaten gemeinsam die Grenze zur russischen Exklave Kaliningrad, indem sie unter anderem Panzerabwehrgräben und andere Sperren errichten.

Generalmajor Tilo Maedler.
Foto: PIZ OFK/Wikipedia
Warum bauen polnische und deutsche Soldaten Seite an Seite an solchen Befestigungen an diesem Ort in Polen? Um feindliche Aktivitäten des aggressiven Nachbarn zu erschweren und eine abschreckende Funktion zu erfüllen: „Sollen sie uns sehen – dann wissen sie gleich, mit wem sie es zu tun haben. Das dient auch der Abschreckung“, sagte der deutsche Generalmajor Tilo Maedler mit Blick auf Russland. Dem sei hinzugefügt, dass die gemeinsame Operation als Zeichen gegenseitiger Solidarität durchgeführt wird und die Deutschen an Polens Ostgrenze sind, um das Territorium des Bündnisses zu verteidigen.
Es ist außerdem zu betonen, dass Polen bis Ende dieses Jahres zusätzlich rund 250 Kilometer seiner Ost- und Nordgrenze sichern will. Geplant sind auch Befestigungen und elektronische Überwachungssysteme. Für seine Verteidigungsinvestitionen erhält Polen zudem umfangreiche Mittel aus dem EU-Instrument SAFE. Im Mai 2026 erhielt Polen eine erste Zahlung von rund 6,56 Milliarden Euro; insgesamt kann das Land im Rahmen von SAFE Darlehen von bis zu rund 43,7 Milliarden Euro erhalten. Zusammenfassend: Die polnisch-russische Grenze zur Exklave Kaliningrad ist mehr als 230 Kilometer lang, die Grenze zu Belarus rund 400 Kilometer. Man sollte auch bedenken, dass in Kaliningrad unter anderem russische Kurzstreckenraketen des Typs Iskander stationiert sind, die mit nuklearen Sprengköpfen bestückt werden können. Wie man sieht, ist dies ein gefährlicher Punkt an der polnischen Grenze – aber mit Deutschland ist es sicherer.