Nach 32 Jahren beginnt für den Schlesischen Landfrauenverband ein neues Kapitel: Erstmals fand das Jahrestreffen in Groß Strehlitz statt – dem neuen Sitz des Verbandes. Mehr als ein Ortswechsel war es ein sichtbares Zeichen dafür, wie lebendig Heimat, Sprache und Gemeinschaft innerhalb der deutschen Minderheit bleiben.
Wo früher vor allem die Regionen Oberglogau und Walzen das Verbandsleben prägten, schlägt das Herz der Schlesischen Landfrauen nun in Groß Strehlitz. Das diesjährige Jahrestreffen am 11. August war deshalb weit mehr als eine traditionelle Zusammenkunft – es markierte den Beginn einer neuen Etappe unter der Vorsitzenden Sylvia Koziołek-Beier.
Rund tausend Frauen gehören dem Verband an, der seit über drei Jahrzehnten zu den wichtigsten Kulturorganisationen der deutschen Minderheit in der Woiwodschaft Oppeln zählt. Sein Ziel ist bis heute unverändert: schlesisch-deutsche Bräuche bewahren, Sprache und Tradition weitergeben und den Zusammenhalt der Ortsgruppen stärken.
Heimat lebt von Begegnungen
Der offizielle Teil begann im Kreiskulturzentrum in Groß Strehlitz, wo Landrat Waldemar Gaida die Delegationen aus der gesamten Region begrüßte. Er betonte, dass diese Landfrauen wunderbare Botschafterinnen unserer kleinen Heimat seien und dass ihr Engagement zeige, wie viel Kraft in den lokalen Gemeinschaften stecke und wie wichtig Frauen für das kulturelle Leben unserer Region seien.
„Groß Strehlitz soll ein offenes Haus für unsere Landfrauen sein – ein Ort für Begegnungen, Kreativität und gemeinsame Projekte. Wir möchten unsere Traditionen pflegen und gleichzeitig junge Frauen dafür begeistern, sie weiterzutragen“, betonte Sylwia Koziołek-Beier.
Die Teilnehmerinnen feierten gemeinsam einen Gottesdienst, bevor sich das Treffen in den Festsaal verlagerte. Dort wurde schnell deutlich, dass der Verband weit mehr ist als eine Organisation – er ist ein lebendiges Netzwerk von Frauen, die Wissen und Tradition generationenübergreifend weitergeben.
Rezepte der Großmütter und Ideen für morgen
Die selbstgemachten Backwaren, z. B. Marmorkuchen, Käsekuchen, Frankfurter Kranz, Butterkekse und Mohnkuchen, werden von unseren schlesischen Landfrauen nach Großmutters Rezepten gebacken. Zu den traditionellen Aktivitäten der Schlesischen Landfrauen gehört auch die Präsentation handwerklicher und künstlerischer Tätigkeiten. Außerdem wird die langjährige Arbeit der Schlesischen Landfrauen in vielen Fotoalben dokumentiert.

Mit der Wahl von Sylvia Koziołek-Beier zur Vorsitzenden Anfang des Jahres zog auch der Verband nach Groß Strehlitz um.
Quelle: Schlesischer Landfrauenverband
Gerade diese Verbindung von Kulinarik, Handwerk und Erinnerung gehört zum Selbstverständnis des Verbandes. Nicht nur das Bewahren steht im Mittelpunkt, sondern auch das Weitergeben an die nächste Generation.
Dazu passte auch der Auftritt der Jugendtanzgruppe „Silesia“ aus Rosmierz, deren Volkstänze zeigten, dass schlesische Tradition heute ebenso jung sein kann wie ihre Tänzerinnen und Tänzer. Den musikalischen Abschluss bildete das gemeinsame Singen deutscher und schlesischer Lieder mit der Musikkapelle Contex – ein Moment, bei dem viele Besucherinnen spontan einstimmten.
Ein Verband mit neuer Adresse
Mit der Wahl von Sylvia Koziołek-Beier zur Vorsitzenden Anfang des Jahres zog auch der Verband nach Groß Strehlitz um. Das neue Büro in der Gogolińska-Straße soll künftig nicht nur Verwaltungssitz sein, sondern auch ein Ort für Workshops, Ausstellungen sowie Chor- und Theaterprojekte werden.
„Groß Strehlitz soll ein offenes Haus für unsere Landfrauen sein – ein Ort für Begegnungen, Kreativität und gemeinsame Projekte. Wir möchten unsere Traditionen pflegen und gleichzeitig junge Frauen dafür begeistern, sie weiterzutragen“, betonte Sylwia Koziołek-Beier.
Ein gelungener Anfang
Nach dem Treffen überwogen vor allem Dankbarkeit und Begeisterung. Viele Teilnehmerinnen, die zum ersten Mal in Groß Strehlitz zu Gast waren, sprachen von einer hervorragend organisierten Veranstaltung und einer herzlichen Atmosphäre.
Für den Verband der Schlesischen Landfrauen war das Jahrestreffen deshalb nicht nur ein Rückblick auf 32 Jahre gemeinsamer Arbeit. Es war zugleich ein Aufbruch – mit einem neuen Zentrum, neuen Ideen und derselben Überzeugung, die den Verband seit seiner Gründung trägt: Heimat lebt dort, wo Menschen sie gemeinsam gestalten.